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Warum Andreas Bourani auch in Berlin auf Weißwurst steht

Andreas Bourani hört als Coach bei „The Voice of Germany“ auf – und kehrt als Disney-Figur zurück.

Andreas Bourani mit seiner Figur Maui

Andreas Bourani mit seiner Figur Maui

Foto: Reto Klar

Bei „The Voice of Germany“ ist Andreas Bourani im kommenden Jahr nicht mehr dabei. Mit dem Sieg seines Kandidaten Tay Schmedtmann habe er in der Show alles erreicht, teilte der Sänger in dieser Woche auf seiner Facebook-Seite mit. Unter Entzug müssen die Fans des 33-Jährigen trotzdem nicht leiden. Bourani kündigte gleichzeitig ein neues Album an. Ab dem heutigen Donnerstag ist er außerdem als Maui im neuen Disney-Film „Vaiana“ zu hören. Ein Gespräch über sein großes Ego, Hater im Internet und seine Sehnsucht nach bayerischem Bier in Berlin.

Dwayne Johnson hat Maui in der US-Fassung gesprochen. Haben Sie sich an beim Einsprechen der deutschen Stimme an ihm orientiert?

Andreas Bourani: Natürlich nicht. Stellen Sie sich vor, ich müsste einen 50-jährigen Typen sprechen, der seit 18 Jahren Whisky trinkt. Dwayne Johnson war zwar ein Orientierungspunkt, allerdings habe ich schnell gemerkt: Der Typ hat 40 Kilo mehr auf den Rippen – genau wie Maui, der ihm teilweise nachempfunden ist. Dadurch hat er einen ganz anderen Resonanzraum. Also musste ich mich davon lösen und habe geschaut, wie ich die Figur gestalten kann.

Wie haben Sie sich vorbereitet?

Ich habe großen Respekt vor dem Sprechen, es gibt so viele, die das ihr Leben lang machen, vorher noch eine Ausbildung absolviert haben. Das habe ich alles nicht. Ich profitiere vom Rhythmusgefühl, das ich aus der Musik habe.

Werden wir Sie singen hören?

Ja, im Englischen „You’re Welcome“ – für Dwayne Johnson war das glaube ich eine größere Herausforderung das zu singen als für mich. Im Deutschen heißt die Nummer „Voll Gerne“ (Er beginnt zu singen). Die deutsche Vorlage haben wir dann noch mal überarbeitet. Ich hatte die Freiheit zu sagen, dass eine Übersetzung nicht so flüssig klingt – manchmal merkt man das erst im Studio – und dann wurde gemeinsam mit dem Cutter, dem Regisseur und dem Ton-Ingenieur geschaut, was wir verändern können. Jeder hat seine Ideen reingeschmissen, dann haben wir uns geeinigt.

Sehen wir Sie demnächst als Schauspieler?

Ach, mal schauen. Erst mal habe ich nicht vor das auszubauen. Ich habe schon ein paar Rollen angeboten bekommen, die habe ich alle abgelehnt. Sie waren zu nah an meinem Image, das man eh von mir als Person der Öffentlichkeit kennt.

Was ist denn Ihr Image?

Das waren Rollen, die so Sympathieträger sind. Ich würde es ja bevorzugen, einen Bösewicht zu spielen, so ein Alter Ego zu haben, einfach etwas ganz anderes zu machen.

Maui ist ein Halbgott und fühlt sich deswegen oft ziemlich gut. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Das kommt auf die Tageszeit an. Morgens meistens nicht. Ich bin ein alter Morgenmuffel. Er hat ja ein ziemlich großes Ego, das viel Anerkennung bekommt – das kenne ich von meinem Beruf natürlich auch. Ich hab auch ein großes Ego, das ich im Zaum halten muss.

Als Coach bei „The Voice of Germany“ haben Sie zu einer Aufzeichnung Ihren Echo mitgebracht. Bescheiden geht anders.

Ja, ich habe schon Artikel dazu gelesen: „Der Protzanfall“. Im Fernsehen polarisiert man meistens. Fernsehschauen ist ein bisschen wie beim Fußball zugucken. Jeder weiß es besser. Ich habe den Echo nun mal gekriegt. Abholen darf ich ihn, aber später wieder rausholen nicht? Das finde ich albern. Ich habe ihn mir ja nicht selbst verliehen. Ich wollte zeigen, dass es möglich ist, einen Echo zu gewinnen. Im Fernsehen macht man manchmal Sachen, die übers Ziel hinausschießen. Damit muss man als Künstler leben.

Sind Sie immer so entspannt mit Kritik?

Man kriegt ja immer Gegenwind – auch im Netz. Die sogenannten Hater, die ihre Hasstiraden loslassen, auch bei politischen Themen wie der Flüchtlingskrise. Das Internet ist zum modernen Marktplatz geworden. Früher haben die Leute geschrien „Hängt die Hexe“, heute lassen sie sich anonym im Netz aus. Ein Akt von Feigheit. Es ist nicht einfach, schnell eine Entscheidung treffen zu müssen. Auch Angela Merkel hat damals eine getroffen, als sie sich entschied, die Flüchtlinge in unser Land zu lassen. Es ist leicht, so etwas zu kritisieren. Im Grunde hat sie ihr Herz sprechen lassen und den Leuten Hilfe angeboten. Als Künstler muss man sich dem Gegenwind nicht so stellen, wie als Politiker. Als Musiker rette ich keine Menschenleben. Die Kritik macht mir nichts.

Trotz des großen Egos hat Maui sehr viel Sinn für Ironie – eine Gemeinsamkeit?

Ich finde Selbstironie gut. Meine Lieblingsszene dazu ist als Maui und Vaiana kurz davor sind in die Unterwelt zu gehen. Ihr wehendes Haar im Wind – man erwartet, dass sie gleich beginnt zu singen. Und da sagt Maui:(Er verstellt seine Stimme) „Wenn du jetzt anfängst zu singen, muss ich kotzen.“

Maui hat ein Alter Ego, einen Mini-Maui, der ihn zur Vernunft bringt. Gibt es bei Ihnen auch einen Mini-Andreas?

Klar, ich bin immer im Zwiegespräch. Vor jeder Entscheidung.

„Umso mehr er gelobt wird, desto größer ist sein Tatendrang“ – Trifft das Zitat über Maui auch auf Sie zu?

Klar, Anerkennung ist Antrieb.

Mehr als Kritik?

Ich wende mich eher dem Positiven zu. Außerdem sind die Leute, die auf meine Konzerte kommen, mir meistens wohlgesonnen. Bisher habe ich vor allen Dingen Geschichten erzählt, die viele nachvollziehen können. Nichts Polarisierendes. Um Ihre Frage zu beantworten: Lob treibt mich eher an. Ich lese zum Beispiel keine Kritiken. Wenn ich auf einem Konzert war – ein toller Abend, eine Wahnsinnsenergie, ich gebe mein Bestes – und dann lese ich am nächsten Morgen Sachen wie „Platte Popmusik“. Warum sollte ich mir im Nachhinein diesen tollen Moment kaputt lesen?

Sie haben nie Kritiken über sich gelesen?

Doch, das muss man als Künstler auch machen, um sich zu positionieren. Ich habe entschieden, dass es für mich Quatsch ist. Vielleicht war da eine Person, die Journalist ist, und es nicht mochte, aber 10.000 haben es gefeiert. Da hat die Kritik für mich dann keine Bedeutung.

Sie wohnen in Berlin. Seit wann?

Zehn Jahre werden es nächstes Jahr. In Prenzlauer Berg an der Grenze zur Pankow. Ich hab mich an Berlin gewöhnt. Allerdings schlägt noch immer mein bayerisches Herz in mir. Zumindest gibt es hier ja jetzt bayerisches Bier, Augustiner Hell und Tegernseer vom Fass, da komme ich gut auf meine Kosten.

Kein Abend ohne bayerisches Bier?

Nichts gegen die Berliner, aber das mit dem Bier funktioniert nicht. Brezeln sowieso nicht. Weißwürste, dieses ganze Paket, das hat schon einen Grund warum das aus Bayern kommt und es hier Currywurst gibt.

Warum sind Sie nach Berlin gezogen?

Die Großstadt, die Anziehungskraft dieser Stadt. Ich bin in Augsburg geboren und da groß geworden. Das ist eine ganz andere Substanz. Außerdem wollte ich die Leute treffen, die meinen Traum von Musik teilen. Die habe ich auch tatsächlich hier kennengelernt, meine Musik, mein Gitarrist, mit dem ich die Songs schreibe – das hat sich erst hier ergeben.