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Ulrich Meyer verlässt die „Akte“ – Claus Strunz übernimmt

Nach mehr als 1000 Sendungen wird die „Akte“ ab Januar 2017 neu aufgeschlagen. Ulrich Meyer verabschiedet sich mit großem Rückblick.

Die „Akte“ erhält ein neues Gesicht: Claus Strunz (links) übernimmt von Ulrich Meyer.

Die „Akte“ erhält ein neues Gesicht: Claus Strunz (links) übernimmt von Ulrich Meyer.

Foto: SAT.1/Martin Saumweber

Unterföhring/Hamburg.  Ulrich Meyer gehörte Anfang der 90er-Jahre zu der Avantgarde der mutigen und ehrgeizigen TV-Generation im Privatfernsehen. Mit seinem Abgang vom Sat.1-Magazin „Akte“, das er seit 1995 mehr als 1000-mal moderierte, geht eine Ära im deutschen Privat-TV zu Ende. Das langgediente Sat.1-Investigativ-Format „Akte“ übernimmt ab Januar 2017 Claus Strunz (50).

Zum Jahreswechsel wird Meyer (60) eine Redaktion verlassen, die er geprägt hat – fast 22 Jahre und rund 1070 Sendungen lang. „Es ist ein ungeheures Glück für einen Journalisten, Moderator und Produzenten, in intensivem Teamwork ein Langzeitformat entwickelt zu haben, das läuft und läuft und läuft – und das sich noch dazu der so oft und so dankbar geäußerten Wertschätzung des Publikums erfreut. Aber jetzt möchte ich etwas mehr Privatleben haben – auch am Wochenanfang“, begründete Meyer seinen Ausstieg.

Claus Strunz machte sich erst als Chefredakteur einen Namen

Sein Nachfolger Strunz machte sich erst als Chefredakteur bei Zeitungstiteln („Hamburger Abendblatt“, „Bild am Sonntag“) einen Namen, ehe er verstärkt auf dem Bildschirm („Was erlauben Strunz?“, „Eins gegen Eins“) zu sehen war. Die „Akte“-Moderation wird Strunz künftig zusätzlich zu seinen Aufgaben als Programmgeschäftsführer von Maz&More TV-Produktion („SAT.1 Frühstücksfernsehen“, „Fahndung Deutschland“, „Der Faktencheck mit Claus Strunz“) übernehmen.

Er freue sich auf die Moderation und die Weiterentwicklung der Sendung, sagte Strunz – „investigativer Journalismus und Nutzwertthemen nah am Zuschauer erzählt, immer auch mit unterhaltenden Momenten und einer klaren Haltung – das ist die Art der Berichterstattung, für die ich stehe“, sagt Claus Strunz.

Meyer wird vom Bildschirm nicht verschwinden

Meyer wird vom Bildschirm nicht verschwinden: Der gebürtige Kölner wird weiterhin das Verbrauchermagazin „ServiceAKTE“ bei SAT.1 Gold moderieren (neue Folgen ab 16.11.2016). Außerdem will er innerhalb seines Stammsenders ProSiebenSat.1 TV Deutschland an weiteren Projekten arbeiten. Seine letzte Live-Ausgabe moderiert Ulrich Meyer am 20. Dezember 2016, ein Rückblick auf zwei Jahrzehnte „Akte“ ist am Dienstag, 27. Dezember 2016 zu sehen. Claus Strunz moderiert „Akte“ erstmals am 10. Januar 2017.

Meyer, der darauf hinweist, dass er Weihnachten 61 Jahre alt werde und „damit raus aus allen Zielgruppen des Privatfernsehens“ sei, wirkte vor der Kamera draufgängerisch. Manchen galt er als laut und effekthascherisch, ein Vertreter des „Krawall-Talks“. Aber nach und nach eroberte er die Herzen der Zuschauer, die eine Abwechslung zu den wohlbekannten Ritualen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens suchten. Meyer präsentierte auf RTLplus zunächst den Talk „Explosiv – Der heiße Stuhl“. Bei ihm saß Filmemacher Rosa von Praunheim, der 1991 die TV-Größen Hape Kerkeling und Alfred Biolek als homosexuell outete.

Das verbrauchernahe Magazin setzte oft Gesprächsthemen

Ulrich Meyer, der in zweiter Ehe mit der Journalistin Georgia Tornow verheiratet ist, entwickelte mit der „Akte“ ein verbrauchernahes Magazin, das oft Gesprächsthemen setzte. Noch heute erinnert sich Meyer gern an Rauschgiftfunde im Bundestag, aufgedeckt von seiner „Akte“. Dafür erntete er die „Empörung des Ältestenrates“ und ein Hausverbot „in allen Liegenschaften des Deutschen Bundestages, das wir vor Gericht aber abschmettern konnten“.

Claus Strunz soll das Magazin nun auffrischen, wie heißt. Und, natürlich wie immer in solchen Fällen: die Quote verbessern.