Kultkrimi

Was Sabine Postel von anderen "Tatort"-Stars unterscheidet

Im „Tatort“ verkörpert Sabine Postel eine kantige Kommissarin. Im wahren Leben hat der Kölnerin der Tod ihres Mannes schwer zugesetzt.

Foto: Radio Bremen/Jörg Landsberg

Bremen.  Sabine Postel liebt den „Tatort“ – beruflich wie privat. Jede Woche guckt sie den neuen Krimi, das „ist für mich ein festes Ritual. Ich finde es schön, ihn mit Freunden oder der Familie anzuschauen. Wer mich sonntagabends anruft, der stört.“ Das unterscheidet sie von manchen ihrer Kollegen, etwa von Eva Mattes aus dem Bodensee-„Tatort“, die von sich sagt, gar keine Krimis zu mögen. Postel (62) ist anders. Keine Lautsprecherin, aber bei den Zuschauern so beliebt wie wenige andere Kommissare. Wie tickt dieser stille Fernsehstar?

Diesen Sonntag wird Postel sich selbst in ihrer Paraderolle als Inga Lürsen zusehen: Die ruppige „Tatort“-Ermittlerin aus Bremen untersucht in „Echolot“ den Tod einer IT-Spezialistin. Es ist Postels 34. Fall. Sie selbst hätte nicht geglaubt, dass sie mal eine der dienstältesten Krimi-Kommissare sein würde. Sie ist weder kumpelig wie die Kölner noch lustig wie die Münsteraner. Gerade deswegen hat Sabine Postel viele treue Fans. „In Bremen haben wir eine Einschaltquote von 90 Prozent“, sagt Postel stolz.

Zweimal im Jahr ist sie als Inga Lürsen zu sehen, dann schauen bis zu zehn Millionen Menschen zu. Angesichts solcher Zahlen hält sich ihr Ehrgeiz, mit über 60 noch eine Kinokarriere zu starten, in Grenzen: Da müsse man sich ja schon darüber freuen, eine Million Leute zu erreichen. Sie hat nichts gegen TV-Massenware. Wenn sie keinen „Tatort“ dreht, spielt sie eine Hauptrolle in der Anwaltsserie „Die Kanzlei“ oder übernimmt Episodenrollen in Reihen wie „Küstenwache“ oder „Das Traumschiff“.

Ihre erste Rolle: An der Seite von Marius Müller-Westernhagen

Man kann sich mit Postel lange über gutes Fernsehen und den „Tatort“-Kult unterhalten. Von ihrem Privatleben gibt sie dagegen wenig preis. Sie ist in der Nähe von Hannover geboren, ihre Heimat aber ist Köln, wo ihr Vater als Redakteur beim WDR arbeitete. Als Zehnjährige spielte sie ihre erste Hauptrolle – im WDR-Kinderfunk an der Seite des jugendlichen Marius Müller-Westernhagen.

Nach dem Abitur ging sie nach Bochum zur Schauspielschule, spezialisierte sich im Fernsehen auf starke Frauenrollen. Etwa in der ARD-Familienserie „Nicht von schlechten Eltern“, in der sie bis 1996 eine Vorzeigemutter verkörperte. Eine Rolle, die sie auch privat ausfüllte – 1991 heiratete sie den Journalisten Otto Riewoldt, ein Jahr später kam ihr Sohn Moritz zur Welt. Als sie 1997 das „Tatort“-Angebot bekam, schien ihr Glück perfekt.

Postel wollte nicht „Mutter der Nation“ werden

Sie sollte der Gegenentwurf zur herben Ulrike Folkerts aus dem Ludwigshafen-„Tatort“ werden: „Ganz warmherzig und mit weiblichem Instinkt. Ich wollte aber nicht die Mutter der Nation werden.“ Also kämpfte Postel dafür, dass ihre Inga Lürsen anders ist – eine Alt-68erin mit einem leichten Alkoholproblem.

Doch Postels Bilderbuchleben erlebte einen Einschnitt, als ihr Mann 2003 an Lungenkrebs starb. Die Schauspielerin versuchte sich mit viel Arbeit abzulenken. Nach langer Trauer präsentierte sie vor vier Jahren einen neuen Mann an ihrer Seite, einen 14 Jahre jüngeren Manager. Es sei ihr nicht leichtgefallen, sich neu zu verlieben, erzählte sie damals der „Bunten“: „Niemals hätte ich damit gerechnet, dass mir das noch einmal passiert.“ Mittlerweile haben sie sich wieder getrennt. Ein Grund: Sie lebten in verschiedenen Städten, hatten zu wenig Zeit füreinander.

Postel pendelt zwischen Köln und Bremen. Dort fühlt sie sich wohl. „Bremen“, sagt sie, „ist mir zur zweiten Heimat geworden.“