Porträt

Halle Berry: Tränen und Triumphe, aber vor allem Traumfrau

Sie bekam einen Oscar für „Monster’s Ball“, drehte Flops – und sie wählte oft die falschen Männer. Nun wird Halle Berry 50. Jahre alt.

Berlin.  Sie sprach 528 Worte, 32 davon waren „danke“, die meisten gingen in Tränen unter: Halle Berrys Dankesrede für den Oscar, den sie 2002 für ihre Rolle in dem Drama „Monster’s Ball“ erhielt, war ein Moment der Echtheit in dem durchinszenierten Glitzerspektakel. Aber die Zuschauer sahen weit mehr als eine Frau, die ergriffen war von ihrem eigenen Erfolg. Sie wurden Zeuge eines Politikums, als Halle Berry ihren Preis „jeder gesichts- und namenlosen farbigen Frau“ widmete, „die jetzt eine Chance hat, weil heute Abend eine Tür aufgestoßen wurde“. Schließlich war sie die erste und bisher einzige Afroamerikanerin, die den Oscar als beste Hauptdarstellerin erhielt.

Das Bikini-Bond-Girl mit dem Messer

Nun, eine Tür hatte sich damals eigentlich nicht geöffnet. Erst dieses Jahr waren keine afroamerikanischen Schauspieler in den wichtigsten Oscar-Kategorien nominiert, zum zweiten Mal in Folge. Die Dankesrede der damals 35-Jährigen gehört allerdings zu den unvergesslichsten Momenten in der Geschichte des Filmpreises.

Es war kein Erfolg, der über Nacht kam. Als Halle Berry in einem Vorort von Cleveland im US-Bundesstaat Ohio als Scheidungskind aufwuchs, war Hollywood so weit weg wie ein anderer Planet. Ihr Vater war gewalttätig, ihre weiße Mutter brachte die beiden Kinder schließlich alleine durch. Halle Berry ist nach dem örtlichen Kaufhaus benannt, ein Sehnsuchtsort in der Tristesse. Ihre Identitätsfindung beschrieb sie als „schwierig und verwirrend“. In der High School wurde sie diskriminiert, aber auch bewundert wegen ihres Aussehens. Sie wurde Cheerleaderin, Ballkönigin, nahm an Schönheitswettbewerben teil. 1986 war sie als erste Afroamerikanerin Kandidaten der Miss-World-Wahl, sie wurde sechste.

1989 landete sie dann Rollen in TV-Serien, etwa in „Unter der Sonne Kaliforniens“. Ab den 90ern spielte sie in Spike Lees „Jungle Fever“, in Eddie Murphys „Boomerang“, dann in Blockbustern wie „X-Men“. Berry hatte es geschafft.

2002, ihrem Oscar-Jahr, brannte sich ein Bild ins popkulturelle Gedächtnis: Halle Berry als Bond-Girl Jinx in „Stirb an einem anderen Tag“ , die in einem orangefarbenen Bikini und mit Messer dem Meer entsteigt. Diese Szene hatte es 40 Jahre vorher schon im Bond-Film „Dr. No“ gegeben, damals mit der Schweizerin Ursula Andress. Schnell bekam Berry zu spüren, wie wankelmütig das Publikum sein kann. Ihr Film „Catwoman“ rasselte 2005 durch. Berry hatte aber den Schneid und holte sich ihre „Goldene Himbeere“ als schlechteste Schauspielerin persönlich ab. „Meine Mutter hat mir beigebracht: Wenn du keine gute Verliererin sein kannst, kannst du auch keine gute Gewinnerin sein“, sagte sie. Ruhm wie um 2000 herum erreichte Berry nie wieder. Zuletzt war sie in der Science-Fiction-Serie „Extant“ als Astronautin zu sehen.

Mit Männern hatte sie immer viel Ärger

Gar kein gutes Händchen hatte sie in Sachen Männer: Ihre erste Ehe mit Basketballer David Justice hielt nur drei Jahre. Ihr zweiter Ehemann Eric Benét war notorischer Fremdgeher – jede seiner Affären eine öffentliche Demütigung für Berry. 2005 begann sie eine Beziehung mit dem Männermodel Gabriel Aubry, mit dem sie eine Tochter bekam. Als sie sich in den Schauspieler Olivier Martinez verliebte und zu ihm nach Frankreich ziehen wollte, begann eine bittere Schlacht ums Sorgerecht. Es kam zu zähen Gerichtsverhandlungen, ausgebreiteter Schmutzwäsche und einer Prügelei zwischen den Männern. Sie musste dem Ex Unterhalt von 13.000 Euro im Monat zahlen. 2013 heiratete sie Martinez, mit 47 wurde sie noch einmal Mutter. 2015 die Trennung. „Ja, ich habe einen schlechten Männergeschmack“, gab Berry zu.

Wer sich ihre Internetseite anschaut, sieht eine Frau, die mit sich im Reinen scheint. Mit ihren Kindern macht sie Urlaub in einem Tropenparadies. „Manchmal bringen uns falsche Entscheidungen an die richtigen Orte“, schreibt sie dazu. Mit den Kids dürfte sie auch ihren Geburtstag am Sonntag verbringen. „Ich hatte noch nie eine Geburtstagsparty“, sagte sie in einer Talkshow. Der 50. ist aber doch ein guter Grund, mit dieser Gewohnheit zu brechen.