Interview

Bei Trump-Sieg denkt Matt Damon über einen Berlin-Umzug nach

Matt Damon kehrt als Jason Bourne ins Kino zurück. Im Interview spricht er über digitale Abhängigkeit und seine Angst vor Donald Trump.

Entspannter Besuch aus Hollywood: Schauspieler Matt Damon.

Entspannter Besuch aus Hollywood: Schauspieler Matt Damon.

Foto: Nicholas Hunt / Getty Images

Er ist vielleicht der entspannteste Star Hollywoods. Im Berliner „Hotel de Rome“ gibt sich Matt Damon jedenfalls bestens gelaunt und gesprächsbereit. Aber das macht vielleicht auch die Stadt. Für den 45-Jährigen ist sie ja fast so ein bisschen Heimat. Hier hat er einmal fast ein halbes Jahr gewohnt, hier hat er für mehrere Jason-Bourne-Filme vor der Kamera gestanden. Auch der vierte Bourne-Film, der schlicht „Jason Bourne“ heißt und am 11. August ins Kino kommt, hat ein paar Berliner Szenen.

Ihre Bourne-Filme sind relevant wegen der aktuellen politischen Bezüge. Ist Bourne der bessere Bond?

Matt Damon: Wir wollen jedenfalls immer ganz fest im Hier und Jetzt verankert sein. Das war uns immer ein Anliegen, deshalb hat es ja auch so lange gedauert, bis wir einen neuen Ansatz für einen vierten Teil gefunden haben. Die ersten drei waren ganz stark geprägt durch die Bush-Regierung und den Krieg gegen den Terror. Jetzt haben wir es mit einer völlig neuen Welt zu tun. Wir beginnen an der Grenze von Griechenland, die so viele Flüchtlinge passieren. Es gibt eine Actionszene mitten in einer Protestdemonstration in Athen. Und vor allem geht es um die Frage von Privatsphäre und Datenschutz einerseits oder Sicherheit andererseits. Das ist wirklich das zentrale Thema dieser Tage.

Wie datensicher ist denn Matt Damon?

Damon: Ich bin von meinem Smartphone abhängig, wie jeder. Nicht nur um mit meinen Kindern in Kontakt zu sein. Praktisch mein ganzes Leben wird davon bestimmt. Wir sind alle abhängig davon. Aber ich lasse meine Finger von den sozialen Medien, ich twittere nicht, ich poste nicht auf Facebook. Das macht mich, fürchte ich, schon sehr altmodisch. Ich schreibe natürlich Mails. Aber die sind ziemlich langweilig. Es würde sich nicht lohnen, sie zu hacken.

Wie für jeden Bourne-Film wurden auch für diesen ein paar Szenen in Berlin gedreht. Was macht Berlin so interessant für die Bourne-Filme?

Damon: Die Stadt schien einfach die richtige zu sein. Da ist die alte Drehscheibe für Spionage. Wir haben für den zweiten Bourne-Film ja auch Teile, die in Moskau spielen, in Mitte gedreht. Da haben wohl alle in Berlin gelacht, aber nur hier in Berlin. Ansonsten hat das prima gepasst. Die Stadt ist sehr wandlungsfähig.

Bourne ist physisch eine ziemlich herausfordernde Rolle. Warum tun Sie sich diesen Kraftakt immer wieder an?

Damon: Tja, beim ersten Teil war ich noch 29, jetzt bin ich 45. Ich brauch das nicht. Ich fühl mich wohl in meiner Haut. Aber das bin ich dem Publikum schuldig. Bourne durfte nicht so aussehen, als sei es ihm in den vergangenen zehn Jahren gut gegangen, sondern so, dass er sich im Untergrund hat durchschlagen müssen. Also musste ich mir den Hintern aufreißen, dass das auch rüberkommt. Und war jeden Tag im Kraftraum, manchmal sogar zweimal.

Könnten Sie sich vorstellen, irgendwann den Beruf an den Nagel zu hängen und sich nur noch um die Kinder zu kümmern?

Damon: Ich liebe das Filmemachen. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass ich es irgendwann einmal satthabe, meine Visage auf der Leinwand zu sehen. Dann wechsele ich vielleicht zur Regie. Das könnte ich mir gut vorstellen. Ich kann mir definitiv vorstellen, langsamer zu machen. Aber ich kann mir nicht vorstellen, das ganz sein zu lassen.

Glauben Sie, Donald Trump hat eine Chance?

Damon: Nach dem Brexit kann ich mir alles vorstellen. Ich war wirklich geschockt, als das passierte. Damit hätte ich niemals gerechnet. Und plötzlich scheint auch der Aufstieg von Trump viel wahrscheinlicher. Auch da geht es um die Emotionen wütender Menschen, die sich vom System alleingelassen fühlen. Überall haben Rechtsextreme und Demagogen Auftrieb. Es ist unglaublich, dass ich das jetzt sage, denn vor einem Jahr hätte das keiner von uns gedacht: Aber es könnte Realität werden, dass dieser Mann gewinnen könnte.

Und was würden Sie dann machen? Auswandern?

Damon: Keine Ahnung. Vielleicht ziehe ich ja nach Berlin. Lasst ein Licht für mich brennen!