Prozess

Ex-Model fordert nach Scheidung 70.000 Euro für Handtaschen

Christina Estrada macht klar: Die Präsidentensuite im Ritz muss es schon sein. Das Ex-Model strebt die teuerste Scheidung der Welt an.

Christina Estrada Juffali vor dem Gericht. 200 Millionen Pfund will sie dort erstreiten.

Christina Estrada Juffali vor dem Gericht. 200 Millionen Pfund will sie dort erstreiten.

Foto: imago/i Images

Berlin/London.  Scheidungen gehen ins Geld. Wenn sich Promis für immer Lebewohl sagen, kommen schnell Summen ins Spiel, von denen Normalverdiener nicht zu träumen wagen. Eine Milliarde musste zum Beispiel Rupert Murdoch 1999 seiner Frau Anna Torv zahlen. Heather Mills soll nach nur vier Ehejahren vom Ex-Beatle Paul McCartney mit 74 Millionen Euro getröstet worden sein. Wer sich nie vorstellen konnte, was Frauen mit dem Geld machen, hat nun die Gelegenheit, von ihr zu lernen: Christina Estrada, 54 Jahre alt und ehemaliges britisches Model, hat vor Gericht deutlich gemacht, dass sie 200 Millionen Pfund (238 Millionen Euro) braucht, um ihren Bedarf zu decken. Zahlen soll der Ex, der Saui Walid Juffali.

Estrada, die vor Gericht stets in Chanel und Louis Vuitton gehüllt auftrat, erklärte der erstaunten Öffentlichkeit die Gründe für ihre hohen Ansprüche: „Ich bin Christina Estrada. Ich war ein internationales Topmodel. Ich habe dieses Leben gelebt. Das ist es, woran ich mich gewöhnt habe.“

Die Richter des High Court von London sollen nach Luft geschnappt haben. Was bei Mrs. Estrada naturgemäß auf Unverständnis stieß. Sie weiß als ehemaliges Pirelli-Model, dass Kleider Leute machen. Und Kleider teuer sind. Schuhe, Taschen, Lippenstifte kommen bei ihr auch nicht aus dem Drogeriemarkt. Estrada lag aber am Herzen, dem hohen Gericht klarzumachen, dass es sich bei ihren Wünschen keineswegs um ausgeflippten Luxus handelt, sondern um ihren wirklichen „Bedarf“, den sie wie folgt von den Anwälten auflisten ließ.

Eine lange Liste an Forderungen

Mrs. Estrada braucht:

  • 62 Millionen Pfund (etwa 73 Millionen Euro) für ein neues Haus
  • eine Million Pfund pro Jahr für Kleidung
  • 58.000 Pfund (etwa 70.000 Euro) für Handtaschen, konkret: 23.000 für sechs Alltagstaschen und 35.000 Pfund für zehn Clutch Handtaschen
  • 4000 Pfund für 15 Paar Sonnenbrillen, zwei Set Skibrillen, die sie für ihre Trips nach Gstaad in der Schweiz benötigt
  • 26.000 Pfund für ihr Handy
  • 247.000 Pfund hoch ist ihr jährlicher Bedarf für die Präsidentensuite im Pariser Hotel „Ritz“, wo sie die Oktoberferien zu verbringen pflegt
  • 9400 Pfund für vier Flaschen Gesichtscreme, die sie pro Jahr verbraucht, pro Flasche entstehen ihr also Kosten in Höhe von 2350 Pfund (2800 Euro)
  • ein 55 Millionen Pfund teures Haus am Eaton Square würde sie nehmen, wodurch bei ihr aber ein Bedarf von 6,5 Millionen Pfund entstehen würde, um das Haus umzudekorieren.

Nicht, dass sie gar keine Bleibe hätte oder keine Aussicht auf eine schicke Villa. Laut „Daily Mail“ lehnte sie es ab, ein 6,5 Millionen Pfund teures Anwesen in Belgravia zu bekommen. Es hieß, man habe ihr das äußerst unmoralische Angebot gemacht, dort auf der Etage zu wohnen, auf der auch das Personal seine Zimmer hat.

Mit so einer anspruchsvollen Frau an der Seite hatte einer wie Walid Juffali nie ein Problem. Geld war ja genug da. Der Mann ist 61 Jahre alt, promovierter Neurowissenschaftler, Unternehmer aus Saudi-Arabien und Milliardär. Aber selbst er war vor Gericht baff. Juffali bot ihr 37 Millionen Pfund, und damit basta. Ein Affront.

Prozessbeobachter erlebten, wie Mrs. Estrada der Ohnmacht nahe war. Hätte er ihr nur das Porzellan gelassen, hätte der Aufschrei nicht größer sein können. Geweint hat Estrada, die nach eigener Einschätzung nichts anderes will als Gerechtigkeit.

Vor Gericht hämmerte sie auf den Tisch

Die Medien aber berichten von einem Rosenkrieg, der sich bestens zur Verfilmung eignen würde: Die Lady tobte, sie wütete, sie hämmerte auf den Tisch ein. Schließlich will ihr der einst eigene Mann sogar das Recht auf Luxusurlaub streitig machen. „Ich bin erschöpft, sehr müde“, sagte sie und brach in Tränen aus. Ihr Rechtsstreit sei mehr als reiner Egoismus. Sie kämpfe für die Emanzipation, ihre gehe es darum „sich stark zu machen für Frauen“.

Estrada hat schon einiges auf die Beine gestellt. Sie war ein einfaches Kind aus den USA. Erst 1993, als sie sich für den Pirelli-Kalender fotografieren ließ, begann ihr Aufstieg, der 2001 an der Seite von Juffali im Luxus von Tausendundeinernacht endete. Hummer, Schampus, Jetset.

Der Mann hat ihr den Himmel auf Erden geboten, obwohl er kurz zuvor für seine erste Frau tief in die Tasche greifen musste: 40 Millionen Pfund soll sie bei der Scheidung erhalten haben. Ist doch klar, dass sich eine wie Christina nicht lumpen lassen will.