Interview

Rudi Cerne: „Ich bin selbst mal festgenommen worden“

In „Aktenzeichen XY... ungelöst“ will Rudi Cerne ungelöste Kriminalfälle aufklären. Einen seiner größten Erfolge verrät er im Gespräch.

Der ehemalige Eiskunstläufer Rudi Cerne moderiert „Aktenzeichen XY... ungelöst“ seit 2002.

Der ehemalige Eiskunstläufer Rudi Cerne moderiert „Aktenzeichen XY... ungelöst“ seit 2002.

Foto: Thomas R. Schumann / ZDF/Thomas R. Schumann

Mainz.  Seit 2002 sucht Rudi Cerne bei „Aktenzeichen XY… ungelöst“ Verbrecher – mit einer Aufklärungsquote von 40 Prozent. Martin Weber sprach mit dem ehemaligen Eiskunstläufer Rudi Cerne (57) über seine größten Erfolge und die Art, wie er mit den oft brutalen Taten psychisch fertig wird.

Verfolgt Sie das Verbrechen manchmal bis in den Schlaf?

Rudi Cerne: Nein, Gott sei Dank nicht. Ich habe zwar wie jeder andere zuweilen Angstträume, aber da geht es dann eher um Abiturprüfungen, die ich nicht schaffe, oder um den berühmten dreifachen Lutz, der mir bei den Olympischen Spielen einfach nicht gelingen will. Der Leistungssport von früher beschäftigt mich in Träumen mehr als die Verbrechen von heute.

Welche Verbrechen verabscheuen Sie am meisten?

Alle, bei denen Kinder die Opfer sind. Wenn wir so etwas in der Sendung haben, geht mir das schon an die Nieren. Kinder sind wehrlos gegen einen erwachsenen Täter, und da gibt es entsetzliche und tragische Fälle.

Wenn Sie so einen Fall in der Sendung haben, packt Sie dann das Jagdfieber?

Nein, Jagdfieber ist der falsche Ausdruck, wir unterstützen ja die Ermittlungen der Polizei. Ich bin froh, wenn wir dazu beitragen können, dass ein brutaler Täter gefasst wird. Jeder Erfolg bestärkt uns.

Welches war Ihr größter Fahndungserfolg?

Das war der Mordfall Lolita Brieger, der 2011 dank unserer Sendung geklärt werden konnte. Die junge Frau verschwand 1982 spurlos. Die Kripo Trier appellierte bei „XY“ an das Gewissen möglicher Mitwisser und wies darauf hin, dass eine derartige Hilfe verjährt ist. Tatsächlich konnte über den Hinweis eines Mitwissers die Leiche von Lolita Brieger gefunden und der Fall endlich geklärt werden.

Bedanken sich Opfer oder Angehörige bei Ihnen?

Ja, das kommt häufig vor. Die Mutter der ermordeten Lolita Brieger zum Beispiel hat uns über den zuständigen Kommissar ihren Dank ausrichten lassen. Sie hat sich dafür bedankt, dass sie jetzt endlich ein Grab hat, an dem sie trauern kann.

Wurden Sie selber schon mal Opfer eines Verbrechens?

Ja, als mir 1985 oder 86 in Südfrankreich mein Auto gestohlen wurde. Ich war damals als Eiskunstläufer mit „Holiday on Ice“ unterwegs und hatte meinen neuen BMW in Carcassonne geparkt, wo er nachts vom hell erleuchteten Parkplatz geklaut worden ist.

Haben Sie selber schon einmal gegen das Gesetz verstoßen?

Nicht dass ich wüsste. Also abgesehen davon, dass ich mal zu schnell gefahren bin und solche Dinge. Einmal war sogar der Führerschein für einen Monat weg. Ansonsten bin ich in der Hinsicht relativ unspektakulär. Ich bin allerdings mal festgenommen worden.

Wie das?

Das war im Dezember 1978, als mich die Polizei mit dem damals gesuchten Top-Terroristen Christian Klar verwechselt hat, dem ich in jungen Jahren tatsächlich ähnlich sah. Ich flog nach Düsseldorf, und im Flugzeug glaubte jemand, in mir Christian Klar erkannt zu haben. Als ich in Düsseldorf aus dem Flugzeug stieg, kamen gleich Polizisten mit vorgehaltener Waffe auf mich zu und haben mich festgenommen. Zum Glück war das Missverständnis schon nach ein paar Minuten aufgeklärt.

Ihrer Sendung wurde immer wieder mal vorgeworfen, reale Verbrechen für Unterhaltungszwecke zu instrumentalisieren. Was sagen Sie dazu?

Dazu kann ich nur sagen, dass mit unserer Hilfe schon viele Verbrechen aufgeklärt worden sind. Wir wollen die Öffentlichkeit zur Mithilfe mobilisieren, und das geht nun mal nur, wenn wir die Emotionen der Zuschauer wecken. Dabei sind wir so zurückhaltend wie möglich. Viele Fernsehkrimis sind brutaler als „Aktenzeichen XY“.

Gucken Sie sich gerne Fernsehkrimis an?

Ja, das tue ich, ich würde mich sogar als TV-Junkie bezeichnen. Ich habe früher sehr gerne amerikanische Krimis geschaut, heute dann schon lieber deutsche Sachen wie „SOKO Leipzig“ oder „Der Staatsanwalt“ und den „Tatort“. Dabei halte ich es aber genauso wie mit Büchern auch: Wenn es nicht sofort klick macht und mich das Ganze nach spätestens einer Viertelstunde nicht fesselt, dann schalte ich wieder ab.

„Aktenzeichen XY... ungelöst“-Spezial – Sendetermin: Mittwoch, 29. Juni, 20.25 Uhr, ZDF