75. Geburtstag

Jürgen Prochnow: Mit dem U-Boot fuhr er nach Hollywood

| Lesedauer: 4 Minuten
Oliver Stöwing
Jürgen Prochnow feiert seinen Geburtstag im Filmmuseum in Düsseldorf, der Stadt, der er seine Karriere verdanke.

Jürgen Prochnow feiert seinen Geburtstag im Filmmuseum in Düsseldorf, der Stadt, der er seine Karriere verdanke.

Foto: Federico Gambarini / dpa

Jürgen Prochnow ist einer der Deutschen, die auch in den USA auf der Straße erkannt werden. Den 75. Geburtstag feiert er in der Heimat.

Berlin.  „Der Alte“ wurde Jürgen Prochnow in seiner Rolle als U-Boot-Kommandant in „Das Boot“ genannt. Prochnow war gerade 40 Jahre alt, als er den klaustrophobischen Film drehte. Aber er hatte damals schon dieses Gesicht, das nach Spuren erfahrenen Leids aussieht, auch wenn es in Wahrheit Narben einer Pubertätsakne waren.

„Der Alte“ war ein wortkarger Mann, der sich und seine Vergangenheit nicht erklärt, eine Respektsperson, präzise und zuverlässig, hart zu sich und zu anderen. Es wurde die Rolle, mit der sich dieses kantige Gesicht mit seinen eisblauen Augen ins kollektive Gedächtnis brannte. Eine Rolle, die er auch in seinem späteren Werk variierte. Und deren Bugwelle ihn nach Hollywood spülte. „Ich hatte unglaubliches Glück, die Hauptrolle in einem Film zu spielen, der unglaublichen Erfolg in Amerika hatte“, sagte er einmal.

Mit 50 Jahren dachte er, sein Leben sei vorbei

„Der Alte“ feiert jetzt, 35 Jahre nach Wolfgang Petersens Welterfolg, seinen 75. Geburtstag. „Als ich 50 wurde, dachte ich, dass mein Leben schon vorbei ist“, sagt Prochnow. „Bei 75 jetzt bin ich relativ entspannt.“ Er wohnt in Los Angeles, ist seit 2003 sogar US-Bürger. Seinen Geburtstag aber feiert er in Düsseldorf.

Das dortige Filmmuseum widmet ihm bis zum 30. Juni eine Filmreihe, Prochnow will an dem Abend über sein Leben und Werk sprechen und mit alten Wegefährten feiern. „Ich verdanke der Stadt meinen Beruf“, sagt er. „Ich finde, es ist eine gute Idee, an einem Ort zu feiern, der mich geprägt hat.“ Hierhin zog der gebürtige Berliner mit seiner Familie, der Vater war Ingenieur, als Elfjähriger. Er machte nach der Schule zunächst eine Banklehre („Ich war sogar sehr gut“), ehe er im Düsseldorfer Schauspielhaus als Statist und Beleuchter jobbte. Die Anziehungskraft des Theaters ließ ihn nicht mehr los. Also studierte er an der Essener Folkwangschule.

Meistens spielte er die Fieslinge

Seine Karriere hätte schon drei Jahre vor „Das Boot“ vorbei sein können. Jürgen Prochnow spielte 1977 in dem Drama „Die Konsequenz“ einen Homosexuellen, damals ein großes Risiko. Der Bayerische Rundfunk klinkte sich aus der Ausstrahlung aus. Prochnow: „Ich hatte große Bedenken, dass ich von dem Moment an nur als Schwuler besetzt wurde.“ Wolfgang Petersen, Regisseur beider Filme, entzog ihm sogar die schon zugesagte Rolle für „Das Boot“. Geldgeber hätten sich beschwert: Jemand, der einen Schwulen gespielt hätte, könne keinen U-Boot-Kapitän mehr spielen.

Die Rolle bekam er schließlich doch. Dann also Hollywood. Meistens verkörperte er Fieslinge, etwa einen Nazi in „Der englische Patient“ oder einen osteuropäischen Gangsterboss in der Krimiserie „24“. Er drehte mit David Lynch, Tom Hanks, Marlon Brando und Madonna. Hauptrollen waren kaum dabei. „Oft hat man mir bedeutet: Du bist kein Amerikaner“, sagte er über die Grenzen, die Hollywood ihm setzte.

Dritte Ehe im Alter von 73 Jahren

Privat überstand Prochnow eine unvorstellbare Tragödie. Seine frühere Freundin Antonia Reininghaus vergiftete die gemeinsame siebenjährige Tochter, nahm dann selbst Tabletten. Die Mutter überlebte, wurde für nicht zurechnungsfähig erklärt. Es folgten zwei lange Ehen, aus der ersten gingen zwei Kinder hervor. Im Lebensherbst wurde er noch einmal von Frühlingsgefühlen überrascht: Vor einem Jahr heiratete er seine rund 20 Jahre jüngere Kollegin Verena Wengerl – in seiner Geburtsstadt Berlin.

Er arbeitet auch wieder vermehrt in Deutschland. An den Ruhestand verschwendet der noch 74-Jährige keinen Gedanken. Solange er interessante Rollenangebote erhalte, wolle er weitermachen, sagt er. Im Januar war er mit Moritz Bleibtreu in „Die dunkle Seite des Mondes“ im Kino, Im April stand er in Kiel für einen „Tatort“ vor der Kamera. Aktuell dreht er in Brandenburg „Leanders letzte Reise“, in dem er einen 92-Jährigen spielt. Sich nach Drehschluss 17 Jahre abzuschminken – wahrscheinlich die beste Art, sich mit 75 jung zu fühlen.

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