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Jasmin Tabatabai: Jazz ist die Oase im turbulenten Leben

Jasmin Tabatabai kennt man sonst als erfolgreiche Schauspielerin. Jetzt hat sie ihr zweites Jazz-Album veröffentlicht. Ein Gespräch.

Kinostar, TV-Kommissarin („Letzte Spur Berlin“) und ja, sie singt auch noch: Jasmin Tabatabai.

Kinostar, TV-Kommissarin („Letzte Spur Berlin“) und ja, sie singt auch noch: Jasmin Tabatabai.

Foto: Reto Klar

Berlin.  In Sachen Social Media ist Jasmin Tabatabai ein Spätzünder. Erst seit Ende April hat sie eine eigene offizielle Facebook-Seite. Mit den sozialen Medien habe sie „lange gehadert“, sagt die Schauspielerin und Musikerin beim Interview im „Hotel Zoo“. „Ich hatte auch immer jemanden, der eine ausführliche Fanseite gemacht hat.“ Auf Facebook postet sie nun auch schon mal einen Kuss für Freund Andreas Pietschmann (47) oder ein Selfie mit Nena.

Und natürlich auch mal eine Plattenkritik. Denn die 48-Jährige, die eher als Schauspielerin bekannt ist („Letzte Spur Berlin“ im ZDF), veröffentlicht an diesem Freitag ihr zweites Jazz-Album. „Was sagt man zu den Menschen, wenn man traurig ist?“ heißt es. Sie hat es erneut mit David Klein produziert. Es klingt jedoch reduzierter und intimer als der Vorgänger. Viele neu interpretierte Stücke aus ihrem Filmhit „Bandits“ sind darauf, außerdem Kurt Tucholskys „Tamerlan“ und das persische Volkslied „Gole Sangam“. „Das ist ein Liebeslied, es erinnert mich an meine Kindheit, mein Vater hat das immer gehört“, sagt Jasmin Tabatabai.

Sie hat Sehnsucht nach dem Iran

1979, damals war sie zwölf, ist ihre Familie nach Deutschland gekommen. Seitdem ist die gebürtige Teheranerin nicht mehr in den Iran gereist. „Ich würde wahnsinnig gern mal wieder hinfahren, ich habe wirklich Sehnsucht danach“, sagt sie. Jeder habe einen „Sehnsuchtsort“ – so, wie es in „Youkali“ beschrieben würde. Einem Kurt-Weill-Stück, das sie vor mehr als einem Jahr auswählte, und dessen Text angesichts weltweiter Flüchtlingsbewegungen aktueller nicht sein könnte. „Ich habe kein Flüchtlingsschicksal, ich würde es niemals vergleichen“, betont die Wahlberlinerin, die mit deutschem Pass einreiste und durch ihre deutsche Mutter die Sprache beherrschte. „Aber ich weiß, was es heißt, von einem Tag auf den anderen mit einem Koffer in ein anderes Land zu gehen und neu anzufangen. Sich dort heimisch zu fühlen, ist ein langer und auch schmerzhafter Prozess“, sagt Jasmin Tabatabai, „weil er begleitet ist von Heimatverlust.“

Ein bisschen bedeutet der Jazz für sie Heimat. Die „Oase, auf die ich mich in meinem turbulenten Leben zurückziehen kann“, wie sie sagt. Ein Genre, in dem alles erlaubt sei, und das Covern von Songs kein Nasenrümpfen hervorrufe. Mit „dem Ego“ und „dem Dünkel“ möchte Tabatabai nichts zu tun haben, wie sie mehrfach betont.

Das schließe auch einen Ausflug auf den Regiestuhl aus. „Es interessiert mich nicht, Leute nach meiner Pfeife tanzen zu lassen“, sagt Jasmin Tabatabai.

Für die Familie verzichtet sie auf Karriereschritte

Seit elf Jahren ist Tabatabai mit ihrem Schauspielkollegen Andreas Pietschmann zusammen. Aus der Beziehung stammen die Kinder Helena (6) und Johann (2); Tochter Angelina (13) ist aus ihrer Ehe mit Musiker Tico Zamora. Vereinbarkeit von Familie und Beruf bedeutet für die Kommissarin aus der ZDF-Serie „Letzte Spur Berlin“ nicht, für jedes ihrer Kinder ein Au-pair-Mädchen zu haben, wie sie sagt. Sondern schlicht Verzicht zu üben. „In unserem Fall auf weitere Karriereschritte.

Natürlich wäre es aufregender, in Rom, Mailand oder Paris zu drehen“, sagt Jasmin Tabatabai. „Aber dann wäre ich weg, das geht nicht.“ Auch „spontan mal einen Liebesurlaub im Wellnesshotel – da ist nicht dran zu denken“. Partys hat sie etliche gefeiert, wie sie erzählt, mit Menschen, „die nur um sich selbst kreisen“, habe sie genug geschwatzt. Heute ist sie „überzeugt davon, dass ein Abend zu Hause mit meinen Kindern unterhaltsamer ist“. Tabatabai schätzt das Familiäre. Bei ihr zu Hause säßen schnell mal 20 Leute am Esstisch, erzählt sie, noch immer werde auch das persische Neujahrsfest gefeiert. Von ihrer „persischen Seite“ sprach sie schon, als sie 2011 ihr erstes Jazzalbum vorlegte.

Und was sagt man nun zu den Menschen, wenn man traurig ist, um mal den neuen Albumtitel aufzugreifen? Am besten, man sagt gar nichts und hört Tabatabai. So unaufgeregt und entschleunigt wie sie singt, das hat auch etwas Tröstliches.