Moderator

Für Dieter Kronzucker ist mit 80 die Welt gerade genug

Dieter Kronzucker, Journalist und Erfinder der unterhaltsamen Nachrichtensendung, wird 80 Jahre alt. Würdigung eines Unermüdlichen.

Dieter Kronzucker ist eine Journalisten-Legende. Er berichtete von den Brennpunkten der Welt und moderierte das „heute-journal“.

Dieter Kronzucker ist eine Journalisten-Legende. Er berichtete von den Brennpunkten der Welt und moderierte das „heute-journal“.

Foto: GRABKA,THOMAS / action press

Essen.  Er steht nicht mehr ganz so oft vor der Kamera. Doch alles, was in den Medien passiert, das interessiert ihn nach wie vor. Auch mit 80 Jahren. Er beobachtet, wie die Kollegen ihre Nachrichten präsentieren. Wenn das „heute-journal“ im ZDF läuft, wenn Marietta Slomka und Claus Kleber vom Guten und vom Schlechten dieser Welt berichten. Diese Sendung ist eines seiner Meisterstücke. 1978 hat er sie mitentwickelt. Das Video zeigt ihn in einer Sendung im Februar 1987.

„Die Nachrichten sind heute viel didaktischer aufgebaut als früher“, sagt der einstige Moderator des „heute-journals“. Und mahnt gleichzeitig an, Nachricht und Meinung auch weiterhin sauber zu trennen. Denn das ist eines der Grundprinzipien von gutem Journalismus.

„Heute fließt in den Beitrag eines Reporters viel schneller dessen persönliche Meinung ein“, sagt er und zitiert den 1995 verstorbenen ARD-„Tagesthemen“-Kollegen Hanns Joachim Friedrichs: „Die Nachricht ist ehern.“ Um ihm hinzuzufügen: „Sie wird gebeugt und gebeutelt.“

Das Schmähgedicht des ZDF-Moderators Jan Böhmermann über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hält Kronzucker übrigens „für bewusst verletzend und schäbig“. Den zuvor in der NDR-Sendung „extra 3“ verbreiteten Song über Erdogans Umgang mit den Medien „fand ich noch ganz lustig“. Doch mit dem Gedicht habe Böhmermann „alle Tugenden über den Haufen geworfen, die Satire und Karikatur haben kann“.

Eine Kindheit mitten im Zweiten Weltkrieg

Dieter Kronzucker kann auf eine bedeutende Karriere zurückblicken, er schrieb Bücher wie „Kuba in der Klemme“ oder „Mein Europa“, dozierte als Hochschullehrer und berichtete von vielen Brennpunkten der Welt und fand dabei früh zu seinem ganz eigenen Stil des Erzählens.

Begonnen hatte sein Leben in Bayern. Geboren im Jahr 1936, fällt seine Kindheit mitten in den Zweiten Weltkrieg, er wird deshalb häufig „landverschickt“. Meistens an den Tegernsee, diese Idylle, sagt er, habe er sein ganzes Leben nicht vergessen. Heute ist dort sein Hauptwohnsitz.

Nach seiner Promotion 1962 an der Universität in Wien arbeitete Kronzucker als freier Mitarbeiter bei der Deutschen Welle und dem Westdeutschen Rundfunk. Schon ab 1965 moderierte er den „Weltspiegel“ und setzte damit auch ein Zeichen: Ihn interessierten die Dinge außerhalb von Deutschland. Er wollte hinaus in die Welt, wie seine Kollegen Peter Scholl-Latour und Hanns Joachim Friedrichs vor ihm.

Dieter Kronzucker verbrachte denn auch die 68er-Zeit nicht in Deutschland, sondern berichtete von den Frontlinien des Vietnamkrieges. Das Gefühl, der Erste vor Ort zu sein, habe er geliebt. Er sei damals auch auf Schlachtfelder gekommen, die noch eben umkämpft waren. Hatte er keine Angst? „Doch, die Kämpfer hätten jeden Moment zurückkommen können.“ Heute sei im Grunde jeder Experte, der nur vor Ort sei, und die Agenturen bringen in Echtzeit die Nachricht in die Redaktionen.

Als Korrespondent einmal um die Welt

In den Jahren darauf war Kronzucker Korrespondent in Spanien, Nordafrika, Asien, Nord- und Lateinamerika – erst für die ARD und ab 1978 für das ZDF.

Als er gerade das „heute-journal“ als Moderator übernommen hatte, im Jahr 1980, wurden seine Töchter und ein Neffe in der Toskana entführt. Die Entführung endete nach Zahlung mehrerer Millionen D-Mark glücklich. Die Entführer wurden fünf Jahre später verurteilt. Noch heute ist die Entführung das dramatische Erlebnis seines Lebens: „Aber Sabine und Susanne sind glücklich verheiratet, jede hat zwei Kinder“, sagt der Großvater. Susanne Kronzucker ist ebenfalls Journalistin. Sie moderierte zuletzt das ZDF-Frauenmagazin „ML mona lisa“. Um dem Medienrummel zu entgehen, wurde Kronzucker Korrespondent in Washington.

Die 90er-Jahre waren für Kronzucker dann ein Abschied: von den Öffentlich-Rechtlichen. Jetzt rief das Privatfernsehen. Und er entwickelte Formate für ein neues Segment: Infotainment. Nicht umsonst gilt er als einer der Väter der Verbindung von Information und Unterhaltung. Heute moderiert er beim Sender N24 „Kronzuckers Kosmos“ und zeigt, was in der Welt noch passiert, jenseits der tagesaktuellen Debatten.

Seinen Geburtstag will er am Tegernsee verbringen, seinem Rückzugsort.