Neues Album

So ehrlich war Sängerin Andrea Berg noch nie

Auf ihrem neuem Album „Seelenbeben“ behandelt die 50-Jährige existenzielle Themen. Ein Gespräch über Tod, Demenz und One-Night-Stands.

 Schlagersängerin Andrea Berg hat ein neues Album namens „Seelenbeben“ herausgebracht

Schlagersängerin Andrea Berg hat ein neues Album namens „Seelenbeben“ herausgebracht

Foto: Gabo / sonymusic

Andrea Berg hat im Laufe ihrer gut 20-jährigen Karriere zehn Millionen Alben verkauft. Dass Schlager nicht nur Themen wie Herz und Schmerz behandeln, sondern auch existenzielle Themen aufgreifen, zeigt sie mit ihrem neuem Album „Seelenbeben“. Mit der Berliner Morgenpost sprach die 50-Jährige über Liebe, aber auch über Krankheit und Tod.

Berliner Morgenpost: Im Song „Sternenträumer“ nehmen Sie zum ersten Mal in ihrer Karriere das Wort „Tod“ in den Mund, das üblicherweise tabu ist in einem Schlagertext. Hat das Überwindung gekostet?

Andrea Berg: Ich habe mich das vorher nie getraut, weil ich diese Frage immer offen lassen wollte. Ich weiß, dass dieser Song demnächst auf ganz vielen Beerdigungen gespielt werden wird – weil er tröstet und weil er Hoffnung macht.

Haben Sie Angst vor dem Tod?

Ich habe vor dem Tod keine Angst. Das Problem, das wir als Gesellschaft haben, ist der richtige Umgang mit dem Sterben. In den letzten Jahren hat sich zum Glück vieles gebessert. Heute setzt sich die Erkenntnis durch, dass der Tod Teil des Lebens ist wie die Geburt, und für die Mediziner ist es kein persönliches Versagen mehr, wenn ein Mensch stirbt. Loszulassen, wenn man alles besprochen hat, das kann auch für einen Angehörigen eine erfüllende Erfahrung sein.

„Solange die Erde sich dreht“ ist eine zu Herzen gehende Ballade über die Liebe in schweren Zeiten, wie etwa der Demenz des Partners. Wirft man dem Schlager etwa zu Unrecht vor, oberflächlich zu sein?

So ehrlich wie auf „Seelenbeben“ war ich noch nie. Ich habe auf diesem Album Lieder, zu denen kannst du am Ballermann jemanden aufreißen. Und dann gibt es Lieder, die ich gerne „Gummibärchen für die Seele“ nenne. Es erfüllt mich mit Stolz, dass die Leute auch meine tieferen, ernsteren Stücke annehmen. Alles zu haben und miteinander auf die Malediven zu fahren, das ist nicht das, was die Liebe für mich ausmacht. Die Liebe ist das, was man miteinander aushalten kann. Was ist, wenn mein Partner krank wird, pflegebedürftig, mich nicht mehr erkennt? Ist die Liebe dann so stark, dass ich bei ihm bleibe, ihn füttere und wasche? Man kann sich nie sicher sein, aber wenn ich meine, ich habe den Menschen gefunden, der mich auch über die Oberfläche hinaus liebt, dann ist das eine neue, vielleicht reifere Form als so eine Schönwetterliebe.

Wie gerührt ist Ihr Mann, wenn Sie ihm solche Songs vorspielen?

Der Uli ist Schwabe.

Und das bedeutet?

Er geht mit Gefühlen sehr pragmatisch und zurückhaltend um. Wenn er sieht, dass ich am Schreibtisch sitze und beim Textschreiben weine, dann irritiert ihn das.

Wie findet er die Single „Diese Nacht ist jede Sünde wert“?

Affären sind nicht meine Abteilung, das weiß er. Ich bin nicht der Mensch, der seine Beziehung um eines One-Night-Stands willen riskiert.

Und könnten Sie einen Seitensprung ihres Mannes verzeihen?

Ich würde mir wünschen, dass ich das verzeihen kann. Ich weiß, dass unsere Beziehung weit über das Sexuelle hinausgeht, aber wenn es dann wirklich passieren sollte, wüsste ich nicht, ob ich zur Tagesordnung übergehen könnte.

Ihre Musik und Ihre Texte könnten mitunter auch von Silbermond, Frida Gold oder David Guetta stammen. Unterscheiden Sie überhaupt noch, ob Sie Schlager oder Popmusik machen?

Ich mache Volksmusik. Musik für Menschen. Ob ich nun ein Popstar bin oder eine Schlagersängerin, das ist mir völlig egal. Was macht denn zum Beispiel eine Taylor Swift? Für mich ist das auch Volksmusik.

Konzerte in Berlin: 4. Juni 2016, 16 Uhr, in der Waldbühne (Schlagernacht des Jahres); 5. November, 20 Uhr, und 6. November 2016, 18 Uhr, in der Mercedes-Benz Arena

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos

Beschreibung anzeigen