Jubiläum

Glück auf, Herbie: Herbert Grönemeyer wird 60 Jahre alt

Seine Karriere begann spät – aber dafür richtig. Mit seinen 60 Jahren ist Herbert Grönemeyer der vielleicht größte deutsche Pop-Star.

Heimspiel: Herbert Grönemeyer singt im vergangenen Juni im Bochumer Rewirpowerstadion seinen Hit „Bochum“.

Heimspiel: Herbert Grönemeyer singt im vergangenen Juni im Bochumer Rewirpowerstadion seinen Hit „Bochum“.

Foto: Felix Heyder / Funke Foto Services

Essen.  Da war er im Februar also zum ersten Mal seit 2006 wieder bei einem Heimspiel des VfL, dessen Mitglied er ist – natürlich mit der Nummer 4630 – , und dann musste Herbert Grönemeyer gleich eine glatte Niederlage seines Vereins mitansehen. Bochum 0, Bayern München 3. Tausende von Fans stimmten sein Lied an, „Bochum“. Das tun sie immer, schon seit vielen Jahren. Außer dem Vereinslied läuft bei jedem Heimspiel des Zweitligisten VfL Bochum Herberts Hymne – und alle singen mit: „Bochum ich komm‘ aus dir/ Bochum ich häng‘ an dir/ Glück auf.“

Streng genommen ist er gar kein Bochumer

Dabei ist dieser Herbert Arthur Wiglav Clamor Grönemeyer, der auch mit 60 Jahren lieber ein „Herbert“ sein will, streng genommen gar kein Bochumer. In Clausthal-Zellerfeld lebten die Eltern, Herbert kam als jüngster von drei Brüdern in Göttingen zur Welt, doch noch bevor er laufen lernte, zogen die Grönemeyers nach Bochum. „Ich bin ein Kind des Ruhrgebiets“, sagt er heute, „immer gewesen, immer geblieben.“

1984 erschien das Album, das diesen immer etwas tapsig wirkenden Mann wohlhabend und berühmt machte. „4630 Bochum“ verkaufte sich mehr als zweieinhalb Millionen Mal, den heiter-melancholischen Hit „Männer“ kennt bis heute jedes Kind, und mit dem Quasi-Titelsong „Bochum“ setzte er sich mit 28 sein eigenes Denkmal. Weshalb dieses Lied so übermenschlich groß wurde, das weiß er auch nicht. „Ich hatte damals bloß nach Themen gesucht, über die ich singen konnte“, erklärte Grönemeyer dem „Stern“, „und in Bochum kannte ich mich eben aus.“ Hauptberuflich hatte er bis dahin als Schauspieler gegolten, er drehte mit Wolfgang Petersen „Das Boot“, spielte Theater unter Peter Zadek und tanzte – jawoll! – unter Pina Bausch.

Was Grönemeyer durchlebt, durchleben fast alle früher oder später, in dieser Hinsicht ist er nicht speziell. Seine Einzigartigkeit liegt darin, diese Erlebnisse, Erfahrungen und Beobachtungen in Musik und Texte zu kleiden, die den Menschen viel bedeuten. Grönemeyers Lieder sind weder perfekt noch jedermanns Sache, aber eins sind sie nie gewesen: belanglos. Im Gegensatz zu vielen Kollegen schafft er es zudem, bei jeder Platte an seinen kreativen Schräubchen zu drehen: „Ich will im Alter nicht das Gefühl haben, ich hätte mich ausgeruht“ sagt er.

Sein größter Verlust war der Tod seiner Frau

Grönemeyer war seit 1978 mit der Schauspielerin Anna Henkel zusammen, wurde Vater zweier Kinder. Die Familie zog 1998 nach London, es hätte so weitergehen können. Kam aber alles anders. Anna starb im November 1998 an Brustkrebs. Tage zuvor war bereits sein Bruder der Leukämie zum Opfer gefallen. Plötzlich war Herbert Grönemeyer nicht mehr die kritische Frohnatur, sondern ein trauernder, alleinerziehender Vater. Er habe sich der Frage stellen müssen, wie man es schafft, „sich nach so einem Trauma wieder dem Leben zuzuwenden“.

Er hat es geschafft, aber es hat gedauert. Erst 2002 kam er zurück und brachte mit seinem Album „Mensch“ ein ganzes Land zum Weinen. „Mensch“ verkaufte sich noch häufiger als „4630 Bochum“, es ist sein erfolgreichstes Album.

Seit Jahren klingt jedes neue Album trotziger, beherzter, optimistischer als das vorherige. Seit dreieinhalb Jahren ist er wieder liiert, Josha heißt die Dame.

Klar, dass dieser Mann noch einiges vorhat. Ein Album mit den Berlinern Philharmonikern und ein Musical sind in Planung. Das nächste reguläre Album soll in zwei Jahren rauskommen. „Popmusik ist nach wie vor ein Jugendgeschäft“, so Grönemeyer zur Schweizer Zeitung „Blick“. „Ich denke, ich habe noch zehn gute Jahre.“ Seinem runden Geburtstag will Herbert Grönemeyer keineswegs aus dem Weg gehen. Der Mann flüchtet nicht, er stellt sich. Und das mit einiger Vorfreude. „Ich feiere ja generell gerne meinen Geburtstag.“