Interview

Warum Schauspieler Oliver Wnuk mit Revolverheld auf Tour ist

Schauspieler Oliver Wnuk hat viele Rollen gespielt. Im Interview erzählt er von seinem spannenden Künstlerleben und kalten Filmdrehs.

Oliver Wnuk lebt mit Sängerin Yvonne Catterfeld und dem fast zweijährigen Sohn in Berlin.

Oliver Wnuk lebt mit Sängerin Yvonne Catterfeld und dem fast zweijährigen Sohn in Berlin.

Foto: imago stock&people / imago/Seeliger

Berlin.  Gerade an diesem Montag ist er im ZDF zu sehen gewesen, in der Krimiserie „Nord Nord Mord“ mit Robert Atzorn. In Krimis wirkt Oliver Wnuk besonders oft mit – doch ist der 40-Jährige in den 20 Jahren, in denen er vor der Kamera steht, schon in viele Rollen geschlüpft. So war Wnuk in der Serie „Stromberg“ und im Film „Der Schuh des Manitu“ dabei. Privat lebt der Schauspieler mit Sängerin Yvonne Catterfeld und dem fast zweijährigen Sohn in Berlin.

Karoline Beyer: Bringen Sie Job und Familie eigentlich gut unter einen Hut?

Oliver Wnuk: Das ist bei uns nicht anders als bei Millionen anderer Familien, in denen die Eltern beide Arbeitnehmer sind. Natürlich gibt es mal Zeiten, in denen der Organisationsbedarf etwas größer ist. Aber unser Vorteil ist ja, dass wir nicht jeden Tag arbeiten müssen, sondern etwas länger am Stück und dann mal ganz lange nicht.

„Nord Nord Mord“ spielt auf Sylt. Sind Sie ein Nordsee-Typ?

Wnuk: Eigentlich gar nicht. Ich bin ja eine Bodensee-Pflanze, also aus dem tiefsten Süden. Aber interessanterweise wurden drei Viertel der Filme, die ich gemacht habe, meist in Hamburg gedreht. Ich werde wohl nordisch verbucht. Damit habe ich meinen Frieden geschlossen.

Mögen Sie Kälte und Außendrehs?

Wnuk: Nein, ich mag eher die Wärme. Vergangene Woche haben die Dreharbeiten zum neuen „Der Schuh des Manitu“ begonnen. Ich habe mich daran erinnert, wie ich vor 16 Jahren, als ich bei Teil eins selbst mitspielte, bei 40 Grad in Lederkluft durch die Gegend ritt. Das hat mir überhaupt nichts ausgemacht. Aber Kälte kann ich überhaupt nicht vertragen. Ich bin total verfroren. Ich trage beim Dreh manchmal diese Wärmegürtel, die sich selbst erhitzen. Wenn man die ganz eng macht, dienen sie auch gleich als Bauchweg-Gürtel, was sehr praktisch ist (lacht). Außerdem habe ich Handwärmer und wärmende Sohlen in den Schuhen. Und ich trinke literweise Ingwertee.

Sie haben zwei Romane, „Wie im richtigen Leben“ und „Luftholen“, geschrieben, und es sind Hörbücher erschienen. Sie haben einen Zugang zur Kunst.

Wnuk: In erster Linie langweile ich mich recht schnell. Ich brauche Beschäftigung. In zweiter Linie glaube ich, dass es in der heutigen Zeit immer falsch ist, sich auf einen Beruf festzulegen – und auf gar keinen Fall auf einen künstlerischen. Wenn ich sage, ich will nach vielen Jahren noch von dem einen Beruf leben, werde ich mit ziemlicher Sicherheit irgendwann ein finanzielles Problem kriegen. Der dritte Grund ist, dass ich mir nicht vorstellen kann, bis an mein Lebensende Text auswendig zu lernen und den – in gekonnter Form, weil ich den Beruf jetzt nicht abwerten will – vor der Kamera darzustellen. Ich brauche mehr produzierende Energie. Als Schauspieler reproduziere ich ja eher. Etwas Eigenes zwischen zwei Buchdeckeln im Schrank stehen zu haben, ist vielleicht befriedigender als eine DVD von einem Film von sich, wo ich ja nur ein Mosaikteil eines Ganzen bin. Ein Buch hat alles von mir. Ich kann auch gar nichts anderes, als kreativ denken.

Apropos Kreativität – spielen Sie ein Instrument?

Wnuk: Ich kann fast jedes Instrument für zwei, drei Minuten gut bluffen. Ich habe schon mal einen Saxofonisten, einen Schlagzeuger und einen Pianisten gespielt.

Und jetzt sind Sie auch mit Musikern auf Tour.

Wnuk: Mit der Band Revolverheld, ja, sozusagen meine Texte. Letztes Jahr habe ich ihr MTV-Unplugged-Konzert mit philosophischen Worten in drei Akte unterteilt, also gewissermaßen moderiert. Jetzt bin ich, zwar nicht persönlich, aber als Video auf Großeinwänden bei ihren Konzerten dabei. Literatur, Theater und Rockmusik, das ist toll. Vor zigtausend Leuten in irgendeinem Stadion, wo so ein Spiel eigentlich gar nicht hingehört. Demnächst mache ich so etwas Ähnliches mit den Bremer Philharmonikern zu Eric Satie. Das alles ist eine Form des Über-den-Tellerrand-Guckens, das reizt mich.