Komiker

Sacha Baron Cohen: „Schockieren allein wäre mir zu billig“

Sacha Baron Cohen als Langzeitarbeitsloser: Der Komiker setzt in dem neuen Film „Der Spion und sein Bruder“ wieder auf Brachialhumor.

Sacha Baron Cohen als Fußballfan und Schwachkopf Nobby, den er in seinem neuen Film spielt.

Sacha Baron Cohen als Fußballfan und Schwachkopf Nobby, den er in seinem neuen Film spielt.

Foto: imago stock&people / imago/ZUMA Press

London.  Es passiert nicht oft, dass man einen Interviewpartner hat, der im Schlabberlook vor einem sitzt. Und mit seinen 70er-Jahre-Koteletten plus Staubwedelfrisur aussieht wie eine Mischung aus Fußballhooligan und Liam Galla­gher von Oasis. Oder kurz: Zum Davonlaufen!

Aber diese Maskerade ist natürlich Sacha Baron Cohens neuem Film „Der Spion und sein Bruder“ (ab 10.3. im Kino) geschuldet. Der Fußballfanatiker und Vollpfosten Nobby ist nach den schrägen TV-Reportern Borat und Brüno die neuste Identität, die der Brite annimmt. Ausgerechnet Nobby hilft nun seinem Bruder, einem Geheimagenten, dabei, die Welt zu retten. Ulrich Lössl sprach mit Sacha Baron Cohen in einem Londoner Luxushotel.

Frage: Den Humor in Ihren Filmen „unflätig“ zu nennen, wäre eine grobe Untertreibung, finden Sie nicht?

Sacha Baron Cohen: Wie würden Sie ihn denn bezeichnen?

Frage: Vulgär, sexistisch, anstößig, pervers und meistens sehr unter der Gürtellinie.

Sacha Baron Cohen: Damit kann ich leben. Der Humor in meinen Filmen geht ganz bewusst ins Extreme. Und ich habe eine Menge Spaß daran, die sogenannten Grenzen des guten Geschmacks zu verletzen und übers Ziel hinauszuschießen. Gleichzeitig empfinde ich aber bei jedem Gag eine große Verantwortung gegenüber dem Publikum. Ich frage mich immer: Warum mache ich das? Was will ich damit bewirken? Etwas zu machen, allein um Leute zu verletzen oder zu schockieren – das wäre mir zu billig. Es muss schon einen Sinn ergeben.

Frage: In „Der Spion und sein Bruder“ nehmen Sie vor allem die Arbeitslosen der nordenglischen Stadt Grimsby aufs Korn … Sie nennen sich und die anderen sogar „sozialen Abschaum“. Haben Sie keine Angst, dass man Ihnen das dort sehr übel nimmt?

Sacha Baron Cohen: Oberprolet Nobby ist sicher die Extremversion des schlimmsten Albtraums der Unterschicht. Aber ich identifiziere mich ja im Film voll und ganz mit ihm. Andersherum wird ein Schuh draus: Ich habe für den Film sehr intensiv in Grimsby und anderen heruntergekommen englischen Städten recherchiert. Und dabei festgestellt, dass dort sehr viele Leute schon in der zweiten Generation arbeitslos sind.

Nicht etwa, weil sie faul wären – sondern weil man die Industrie dort schon vor vielen Jahren kaputt gemacht hat. Wenn die Leute also nicht wegziehen wollen, um in einer anderen Stadt Arbeit zu suchen, dann bleibt ihnen kaum eine andere Wahl, als vom Arbeitslosen- und Kindergeld zu leben. Das ist der eigentliche Skandal.

Frage: Und der Grund dafür, dass viele Familien zehn oder mehr Kinder haben?

Sacha Baron Cohen: Ganz genau. Dann bekommen sie auch mehr Geld vom Staat. Aber mein Film ist ja keine Milieustudie, sondern vor allem ein Actionfilm und eine echte Bond-Persiflage.

Frage: Bei Bond hat man wenig zu lachen – Nobby ist immer für einen Lacher gut.

Sacha Baron Cohen: Und dass es in meinen Filmen immer viel zu lachen gibt – das ist mein erstes Gebot. Meine Filme müssen vor allem Spaß machen, müssen lustig und witzig sein.

Nehmen Sie Ihre Filmfiguren zu sich nach Hause mit?

Sacha Baron Cohen: Nein, da würde sich meine Frau schön bedanken.

Frage: Der Film ist doch eigentlich eher etwas für die männlichen Zuschauer. Wie würden Sie ihn den Frauen denn schmackhaft machen?

Sacha Baron Cohen: Das ist ein Film über den Wert der Familie. Und das ist doch eine sehr süße Botschaft.

Frage: Erinnern Sie sich eigentlich noch, wann Sie Ihren ersten Gag geschrieben haben?

Sacha Baron Cohen: Ja, da war ich gerade mal sieben Jahre alt. Zwar hat damals niemand darüber gelacht – aber ich fand ihn ganz toll. Und seitdem habe ich nicht aufgehört, mir witzige Situationen oder Sketche auszudenken und sie aufzuschreiben. Als mich dann mein Bruder auf Monty-Python-Filme gebracht hat, wollte ich Komiker werden.