Schönheitsideal

Plus-Size-Model Ashley Graham ist schön, aber nicht perfekt

| Lesedauer: 3 Minuten
Petra Koruhn
Ashley Graham zierte trotz Übergröße das Cover der „Sports Illustrated“.

Ashley Graham zierte trotz Übergröße das Cover der „Sports Illustrated“.

Foto: Gustavo Caballero / (Credit too long, see caption)

Übergrößenmodel Ashley Graham hat es trotz ihrer Maße in die „Sports Illustrated“ geschafft. Ist die Zeit der Hunger-Models nun vorbei?

Berlin.  Rundungen statt Hüftknochen, De­kolle­té statt Schlüsselbein – so zeigt sich eine junge Frau auf dem Titelbild eines renommierten amerikanischen Modemagazins. Ist ein Schönheitsideal im Wandel begriffen? Die positiven Reaktionen, die Ashley Graham (28) jetzt erreichen, lassen hoffen: Millionen Fans haben ihr in diesen Tagen zum Titelbild auf der neuesten Ausgabe von „Sports Illustrated“ gratuliert, berichtet sie. „Danke für alle, die sich für Kurven starkgemacht haben“, sagt sie. Auf dem Titelbild räkelt sich das Übergrößenmodel im knappen Bikini am Strand – in Größe 44. Eine Revolution in der Modewelt.

Hat es die Schönheitsindustrie also endlich begriffen und sich vom Idealbild der Frau verabschiedet, das bei Größe 36 aufhört? Ja, es gibt eine Trendwende, sagt jedenfalls der Schönheitschirurg Werner Mang. „Botox-Fratzen und Magermodelle sind out.“

„GNTM“-Juror hält nichts vom Schlankheitswahn

Selbst Modedesigner wie der Berliner Michael Michalsky, der auch als Juror in der Castingshow „Germany’s next Topmodel“ junge Mädchen benotet, hält nichts von Size Zero: „Ein Model muss auch überhaupt nicht dünn sein. Heutzutage ist es extrem wichtig, als Model fit zu sein. Und das hat absolut nichts mit mager oder knochig zu tun. Ich dachte, das hätte sich inzwischen herumgesprochen.“

Hat es das? Wird es ein Umdenken geben, und wird der Satz, dass Kleider an dünnen Frauen schöner aussehen, endlich eingemottet?

Für die Modebranche sei Ashley Graham kein Vorbild, sagt Andrea Ketterer, Chefredakteurin der „Glamour“ in Deutschland. Auch in der Vergangenheit habe es immer wieder Beispiele für erfolgreiche Models mit Kurven gegeben. Standard werde dieser Look aber für die Modebranche auch in Zukunft nicht werden.

„Imperfekte Gesichter“ werden häufiger

Ähnlich lautet das Urteil aus den Modelagenturen. „Man wehrt sich gegen die harten Anforderungen, ganz wegkommen wird man davon aber nicht“, sagt die Modelagentin Vlada Mättig aus Berlin. Zwar seien im Werbesegment immer öfter „imperfekte Gesichter“ zu sehen – „an einer Trendwende liegt das aber nicht, sondern eher daran, dass sich Frauen nicht mehr veralbern lassen“, so Mättig. Wer im High-Fashion-Bereich mitmischen will, der muss wohl auch in Zukunft rank und schlank sein: „Wir können keine ins Ausland schicken, die nicht eine 90er-Hüfte hat“, sagt Mättig, und damit sind die Modelmaße gemeint, die im besten Fall inzwischen sogar bei 80-59-89 liegen.

Ashley Graham, 1,75 Meter groß und über 80 Kilo schwer, setzt dem Standard ihre individuellen 107-76-117 entgegen. Eine ganz normale Frau. Doch für die Modewelt war sie eine Zumutung. „Du bist zu hässlich. Deine Arme sind zu dick, deine Brüste zu groß“, so hätten Agenten mit ihr geredet. Auch über die nicht zu übersehende Cellulite an ihren Oberschenkeln mokierten sie sich. Gelitten habe sie unter dem Satz: „Du bist einfach zu fett für den Job.“ Meist gekoppelt mit einem „gut gemeinten Rat“: „Mach erst einmal eine Diät und komm dann wieder!“

Doch daran dachte Graham nicht. Sie verzichtet auf Hungerattacken und hofft, dass sich die neue Vorstellung von Schönheit durchsetzen wird. (mit dpa)

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