Magier Hans Klok

Warum der neue Houdini seine Tricks auch mal vergisst

| Lesedauer: 6 Minuten
Annika Schönstädt
Hans Klok stellt sein aktuelles Programm in Berlin vor

Hans Klok stellt sein aktuelles Programm in Berlin vor

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Hans Klok gilt als der schnellste Magier der Welt. Ein Gespräch über Zaubertricks, wallendes Haar und seine aktuelle Show in Berlin.

„Mein Name ist Hans Klok, ich bin 46 Jahre alt, blond und Single“, stellt sich der niederländische Magier vor und lacht. Im „Magicum: Berlin Magic Museum“ an der Großen Hamburger Straße stellt er seine aktuelle Show „The New Houdini“ vor, die eine Hommage an den großen Illusions- und Entfesselungskünstler Harry Houdini ist.

Vom 20. bis zum 22. Januar ist der Zauberkünstler im Tempodrom zu Gast. Ein Gespräch über gut gehütete Geheimnisse, Gefahren auf der Bühne und volle Haare jenseits der 40.

Berliner Morgenpost : War das eben eine Kontaktanzeige?

Hans Klok: Nein, Quatsch. Aber ich bin wirklich Single. Damit sind doch schon die wichtigsten Fragen geklärt.

Warum sprechen Sie so gut Deutsch?

In Holland lernt man das in der Schule. Und später habe ich in dem gleichen Kloster einen Kurs gemacht, in dem auch Linda de Mol Deutsch gelernt hat. Dort spricht man eine Woche nur Deutsch. Danach bin ich direkt nach Deutschland gegangen und habe ein Interview nach dem anderen gegeben. Das bleibt dann hängen. Und Deutsch ist nicht so weit weg vom Holländischen. Die meisten Holländer verstehen Deutsch, auch wenn sie es nicht sprechen.

Wir befinden uns im Magicum Berlin, einem Museum für Magie. Kennen Sie sich mit der Geschichte der Zauberei aus?

Als ich davon gehört habe, dachte ich erst, hier würden nur Requisiten von bekannten Magiern ausgestellt, aber es geht tatsächlich um die ganze Geschichte, bis zurück zur Hexenverfolgung. Das finde ich sehr spannend. Das erste Zauberbuch „The Discoverie of Witchcraft“, das 1584 erschienen ist, hat der Hexenverfolgung ein Ende gesetzt, weil es aufgedeckt hat, dass alles nur ein Trick ist, dass es nicht echt ist.

Kann man das Publikum heute noch mit Houdini-Tricks begeistern? Muss nicht alles spektakulärer und gefährlicher sein?

Nein, die Houdini-Tricks sind immer noch sehr gut. Und wir wissen bei vielen Tricks bis heute nicht, wie er das gemacht hat. Er hat seine Geheimnisse mit ins Grab genommen.

Schreiben Sie denn Ihre Tricks auf?

Ich habe schon darüber nachgedacht, aber ich habe es noch nie gemacht. Manchmal passiert es, dass ich einen meiner alten Tricks wieder aufführen möchte und mir selbst nicht mehr einfällt, wie ich das gemacht habe. Dann schaue ich mir Videos an und krame in meinem Gedächtnis. Einmal ist es mir wirklich nicht mehr eingefallen.

Hätten Sie gerne einen Schüler, dem Sie Ihre Tricks vererben können?

Vielleicht später. Momentan bin ich noch zu beschäftigt. Und ich bin sehr ungeduldig. Es wäre gut, wenn es eine Schule für Magie gäbe. So sind wir mit dem Nachwuchs ein wenig hinterher.

Tauscht man sich unter Magiern aus?

Nein, nicht sehr viel. Man behält seine Tricks meist für sich.

Haben Sie schon mal bei jemandem abgeschaut? Oder ist das gegen die Berufsehre?

Es kommt vor, dass ich die gleiche Idee habe wie jemand in Afrika oder China. Das kann man nicht kontrollieren. Und wenn ich auf Youtube suche, sehe ich dort natürlich hunderte Videos mit Kopien meiner Tricks. Aber das ist ja auch ein Kompliment. Und man kann sich Tricks nicht schützen lassen. Als ich jung war, habe ich das auch gemacht. Mittlerweile habe ich meinen eigenen Stil entwickelt.

Wie viel wissen Ihre Mitarbeiter?

Sie wissen nicht alles, aber viel. Wenn es nicht notwendig ist, behalte ich die Details für mich. Ich habe einen Trick von Harry Blackstone geerbt, seine Witwe hat ihn mir verraten. Den darf ich gar nicht weitergeben, weil es quasi Familieneigentum ist. Alle meine Mitarbeiter haben lebenslange Schweigeklauseln in ihren Verträgen.

Es kennt also niemand all Ihre Tricks?

David Copperfield vielleicht. Aber er könnte meine Show trotzdem nicht machen und andersherum auch nicht.

Sind einige Ihrer Nummern gefährlich?

Ja. Letztes Jahr habe ich mir auf der Bühne bei einem Sprung das Bein gebrochen. Ich habe danach trotzdem noch 16 Shows gemacht. Statt auf einer Matte bin ich daneben gelandet. Es sind aber nicht nur die Tricks an sich, wenn man beispielsweise bei einer Unterwasserentfesselung lange die Luft anhalten muss. Danach ist auch die ganze Bühne nass, und es kann so glatt werden wie im Badezimmer nach dem Duschen.

Gibt es etwas, das Sie auf keinen Fall machen würden?

Tricks mit wilden Tieren. Das ist auch gefährlich. Ich habe das früher gemacht, aber es ist nicht mein Stil und nicht mehr wirklich zeitgemäß. Siegfried und Roy sind zwar meine Vorbilder, aber nicht wegen der Tiere, sondern weil sie einfach sehr gute Magier sind. Man konnte ja fast darauf warten, dass einmal etwas schiefgeht.

Siegfried und Roy, David Copperfield und Sie: Die Liste der ganz großen Magier ist nicht sehr lang. Kennen Sie sich alle untereinander gut?

Ja, sehr gut. Siegfried und Roy haben mich lange unterstützt. Das sind sehr liebe Leute, die sehr hart gearbeitet haben. Ich habe Siegfried zum ersten Mal getroffen, als ich elf Jahre alt war.

Mit Ihren Vorbildern teilen Sie das wallende Haar. Was hat es damit auf sich?

Ich habe es mal mit kürzeren Haaren versucht. Aber wenn man schon das Glück hat und mit über 40 noch Haare hat (lacht) ... Vielleicht ist auch die Magie in den Haaren.

( Hans Klok )

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