Analyse

Prozess gegen Prinzessin erschüttert Spaniens Monarchie

Die Veruntreuungs-Vorwürfe gegen Spaniens Prinzessin Christina wiegen schwer. König Felipe könnte das Ansehen des Königshauses retten.

Prinzessin Christina wird unter anderem Steuerbetrug vorgeworfen. Deshalb sitzt sie nun auf Mallorca auf der Anklagebank.

Prinzessin Christina wird unter anderem Steuerbetrug vorgeworfen. Deshalb sitzt sie nun auf Mallorca auf der Anklagebank.

Foto: imago stock&people / imago/ZUMA Press

Berlin.  Von Amtsträgern, und erst recht von den Spitzenrepräsentanten, dürfen die Bürger Beispielhaftigkeit erwarten. Das gilt auch für königliche Staatsoberhäupter und ihre Familienmitglieder. Spaniens Königshaus hat sich jedoch in den letzten Jahren alles andere als vorbildlich benommen. Eine Serie von Fehltritten hat die spanischen Royals viel Glaubwürdigkeit gekostet und die Monarchie in eine tiefe Krise gestürzt.

Dass Prinzessin Cristina und ihr umtriebiger Ehemann Iñaki Urdangarin nun auf Mallorca auf der Anklagebank sitzen, ist ein weiterer trauriger Tiefpunkt dieses königlichen Verfalls. Cristina und Urdangarin sollen ihre hoheitlichen Beziehungen missbraucht haben, um unlautere Geschäfte zu machen und sich öffentliche Gelder unter den Nagel zu reißen. Zudem wird ihnen Steuerbetrug vorgeworfen.

Juan Carlos mischte in dunklen Geschäften seiner Tochte mit

Der Skandal hatte bereits im Sommer 2014 den alten König Juan Carlos und Vater Cristinas gezwungen, den Thron zu räumen und seinem Sohn Felipe Platz zu machen. Denn Juan Carlos war nicht nur durch Frauenaffären und luxuriöse Großwildjagden in Ungnade gefallen. Sondern vieles spricht dafür, dass er von Cristinas fragwürdigen Deals wusste und sogar dabei mitmischte.

In Spanien, wo die Korruption seit Jahrzehnten blüht, war übrigens niemand über diese Vorwürfe der Selbstbereicherung erstaunt, die viele hohe Politiker und nun sogar das Königshaus erreichten. Schon eher wunderten sich die Bürger, dass sich endlich einmal ein Untersuchungsrichter traute, auch gegen Spaniens Hoheiten zu ermitteln, deren Leben hinter den Palastmauern bislang als unantastbar galt.

Dass nun also Prinzessin Cristina und ihrem Angetrauten der Prozess gemacht wird, ist letztlich ein positives Zeichen dafür, dass sich im Königreich Spanien, in dem die Korrupten lange Zeit nichts zu befürchten hatten, doch etwas bewegt. Und dass der neue König Felipe es ernst meint mit seiner versprochenen Erneuerung der Monarchie, die dem Bürger nach seinen Worten zu Diensten sein soll – und nicht umgekehrt.

Image-Verbesserung durch König Felipe

Felipe und seiner erfrischend modernen Königin Letizia ist es auch zu verdanken, dass sich das Ansehen der spanischen Monarchie, die vorübergehend die Mehrheit des Volkes gegen sich hatte, nun langsam wieder erholt. Er hat sich glaubwürdig von Cristina distanziert und sie öffentlich abgestraft, indem er ihr den Titel „Herzogin von Palma“ entzog und ihre Apanage aus der Schatulle des Hofes strich.

Dies alles hat eine läuternde Wirkung und trägt dazu bei, dass der wichtige Grundsatz aller demokratischen Rechtssysteme, wonach vor dem Gesetz alle gleich sind, auch in Spanien wieder Gültigkeit bekommt.

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