Vergewaltigung

Hat Bill Cosby sich bei Missbrauchsvorwürfen verrechnet?

Der Entertainer Bill Cosby geht gegen einige Frauen vor Gericht, die ihn einen Serien-Vergewaltiger nennen. Aber nicht gegen alle.

Nach zahlreichen Missbrauchsvorwürfen wird Bill Cosby vom Großteil der Show-Industrie gemieden.

Nach zahlreichen Missbrauchsvorwürfen wird Bill Cosby vom Großteil der Show-Industrie gemieden.

Foto: Frank Franklin Ii / Pool / dpa

Washington.  In amerikanischen Internet-Foren wird über den in Ungnade gefallenen Star-Komödianten Bill Cosby eine interessante Rechnung aufgemacht: „Wenn 50 Frauen Cosby des heimlich mit Drogen beschleunigten sexuellen Missbrauchs beschuldigen und er sieben von ihnen mit Gegenklagen wegen Verleumdung überzieht – heißt das, er gibt in 43 Fällen die Vergewaltigung zu?“.

Eine Antwort auf diese Frage könnte es demnächst in öffentlicher Verhandlung geben. Nach hartnäckigem Schweigen hat sich der bis hin zu Präsident Obama in Misskredit geratene 78-Jährige nun erstmals für eine Teil-Gegen-Offensive entschieden. In einer über 80 Seiten langen Anklage lässt der Entertainer gegen sieben Frauen, die seit Monaten in der Öffentlichkeit moralische Wiedergutmachung von dem Multi-Millionär fordern, über seine Anwälte schwere Geschütze auffahren.

Es geht um Geld und Karrieren

Danach wollten sich Barbara Bowman, Joan Tarshis, Louisa Moritz, Angela Leslie, Tamara Green, Therese Serignese und Linda Traitz finanziell bereichern und Cosbys Ruf „demontieren“. In der Klageschrift von Cosbys Anwälten heißt es, die Vorwürfe hätten Cosby tief verletzt, seinem Ansehen geschadet und geschäftliche Vorhaben zunichtegemacht. Die Frauen seien darauf aus, ein TV-Comeback des quer durch alle Lager in der Unterhaltungs-Industrie nur noch mit ganz spitzen Fingern angefassten Künstlers zu hintertreiben. Cosby verlangt deshalb nicht nur, dass die besagten Frauen per Gericht gezwungen werden, ihre Anschuldigungen öffentlich zurückzunehmen. Es will auch finanzielle Entschädigung in nicht genannter Höhe.

In Juristen-Kreisen hat der bisher offensivste Schritt des in den 80er-Jahre durch die „Bill Cosby Show“ berühmt gewordenen Afro-Amerikaners für Aufsehen gesorgt. Denn es geht de facto nicht um die Cosby unterstellten Taten an sich. Sie sind, bis auf den Fall der zur angeblichen Tatzeit noch minderjährigen Judy Huth in Los Angeles, strafrechtlich verjährt.

Fälle weisen viele Gemeinsamkeiten auf

Die sieben jetzt ins Visier genommenen Frauen hatten sich vor einigen Wochen in einer Zivilklage gegen die konstant herablassenden und rufschädigenden Äußerungen des Cosby-Lagers gewehrt. Dort werden die Frauen zwischen den Zeilen als rachsüchtige und psychisch gestörte Lügnerinnen dargestellt. Ein Vorgehen, das Barbara Bowman, die nach detaillierten Schilderungen 1985 als 17-Jährige mehrfach von Cosby missbraucht worden sein soll, „wie eine zweite Vergewaltigung empfindet“.

Auch deshalb gingen im Oktober 27 Cosby-Opfer zur besten Sendezeit ins Studio des renommierten NBC-Magazins „Dateline“ und erzählten teilweise unter Tränen ihre erstaunliche Parallelen aufweisenden Geschichten. Danach empfahl sich Cosby den heute im Großmütter- und Mütter-Alter befindlichen Frauen meist als Mentor für eine Karrier im Showgeschäft und gewann so das Vertrauen der damals ehrgeizigen jungen Frauen. Am Ende, so der Vorwurf, machte er sich seine Opfer mit Hilfe von starken Beruhigungsmitteln gefügig.

Für Cosbys sind die seit Herbst 2014 immer zahlreicher gewordenen Anschuldigungen prekär. Der Fernsehsender NBC sagte die Vorbereitungen zu einer neuen Serie ab. Wiederholungen der beliebten „Cosby Show“ wurden gestrichen, einen Sitz im Kuratorium der Temple University in seiner Heimatstadt Philadelphia hat der Komiker abgegeben. Bei Auftritten wurde Cosby beschimpft, etliche Veranstalter setzten ihm aus Sorge vor einem Eklat den Stuhl vor die Tür.