Tatjana Patitz

Supermodel Patitz: Ältere werden heute mehr gefeiert

Das 49-jährige Model über die Erlebnisse in der Modebranche, die Bedeutung von Heimat und das Altern.

Das deutsche Model Tatjana Patitz

Das deutsche Model Tatjana Patitz

Foto: Ursula Düren / dpa

Zusammen mit Cindy Crawford undwar Tatjana Patitz eines der gefragtesten Supermodels der 80er- und 90er-Jahre. Die 49-Jährige erzählt, wie sie es geschafft hat, in der umkämpften Modebranche einen eigenen Charakter zu behalten, was Heimat für sie bedeutet und wie es ist, als Model zu altern.

Braucht es in der Branche überhaupt eine Heimat oder ist alles vollkommen global?

Früher war es viel wichtiger, dass man an einem Ort wohnt, wo alle anderen sind, zum Beispiel in New York oder Paris. Heutzutage ist es dank Internet besser geworden. Man muss mehr reisen, aber man nimmt Heimat auch mehr mit. Man hört immer mehr und mehr: „Ich wohne in Schweden“ oder „Ich lebe in Dänemark.“

Häufig heißt es, die Modebranche sei härter und junge Models würden noch mehr verheizt als früher.

Ich weiß nicht, ob es heutzutage wirklich früher für die Models beginnt. Brooke Shields war auch ein ganz junges Mädchen, auch damals haben Models mit 14 oder 15 Jahren angefangen. Es ist aber alles viel schneller geworden. Wir hatten nicht die Konkurrenz durch andere Promis oder Schauspielerinnen. Wir hatten unsere Verträge und die Titelseiten. Als Supermodels waren wir Mainstream. Heute ist jeder auf den Titeln.

Geht die Modewelt gnädig mit Models um, die altern?

Ich glaube, dass die Menschen Gesichter sehen wollen, die sie kennen. Niemand, der 40 Jahre alt ist, sieht aus wie 20. Wenn man reifer und erwachsener wird, sucht man auch diese erwachseneren Frauen. Wenn ich in eine Zeitung schaue und da ist ein 13-jähriges Mädchen, dann habe ich dazu doch gar keinen Bezug als erwachsene Frau und Mutter. Alles hat seine Phasen und wenn man älter ist, sollte man nicht zur Seite geworfen werden, weil es jüngere Gesichter gibt. Genau das wird jetzt mehr gefeiert.

Wie ist es in diesem lauten Geschäft möglich, seine leise innere Stimme zu hören?

Ich sag das nicht aus negativem Grund, aber: Ich war nie ein Model. Wenn ich meinen Alltag lebe, bin ich ganz normal. Wenn Leute mich fragen, was ich mache, sage ich nur, dass ich „in der Modebranche“ arbeite. Ich will nicht diese ganze Aufmerksamkeit. Mein Leben ist viel größer. Ich bin nicht meine Karriere. Ich habe früh bei mir gemerkt, wo die Grenze ist und ich gedacht habe: Ich kann jetzt nicht. Ich bin sehr naturverbunden, kein Stadtmensch. Man muss das abgrenzen können.

BM