Interview

Barbara Becker - „Berlin wird einfach nicht erwachsen“

Barbara Becker im Interview über lange Nächte in der Hauptstadt, ihren Sohn Noah und was sie stets neu entdeckt.

Barbara Becker an ihrem Stand auf der Panorama Mode-Messe.

Barbara Becker an ihrem Stand auf der Panorama Mode-Messe.

Foto: Amin Akhtar

Auf der „Panorama“-Messe der Modewoche hat Barbara Becker kürzlich ihr gleichnamiges Label in Berlin präsentiert. Zur deutschen Hauptstadt hat die 48-Jährige eine ganz besondere Beziehung. Nicht nur enge Freunde wie Udo Walz leben hier, auch ihr Sohn Noah, der unter anderem als DJ arbeitet. Im Interview spricht Barbara Becker über Kleidung als Uniform, Feiern im „Kater Blau“ und was Berlin für sie ausmacht.

Berliner Morgenpost: Sie sprechen gut Deutsch, dafür, dass Sie die meiste Zeit in Amerika leben.

Barbara Becker: Ehrlich gesagt, kann ich die ersten beiden Tage, wenn ich nach Deutschland zurückkomme, nie sehr gut sprechen. Ich war gerade in einer Talkshow, da holperte es noch sehr. Doch nun habe ich mich eingesprochen und bin wieder im Rhythmus.

Ihr Ex-Mann Boris Becker hat zugegeben, dass er mit ihren gemeinsamen Kindern Englisch spricht, weil sie ihn sonst nicht verstehen. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Ich probieren mit Ihnen Deutsch zu sprechen, aber vor allem rede ich mit meinen Label-Kollegen Deutsch. Doch das sind meistens nur Fragen wie „Hast Du das schon erledigt?“ oder „Wo ist diese E-Mail?“. Also kurze Sätze und nicht über das Leben. Daher vergesse ich schnell Wörter, die nach ein paar Tagen in Deutschland dann aber wieder zurückkehren.

Ihre Mode sieht eher bequem aus. Ich hätte mehr Glitzer und Hippie-Chic erwartet.

Ich mag Klassiker aus Naturstoffen wie Wolle, Seide oder Kaschmir. Ich verliebe mich regelrecht in Kleidungsstücke und halte dann lange an ihnen fest. Das ist mir sehr wichtig, da wir heute in Zeiten leben, wo sich dauernd alles verändert, da braucht man Lieblingsstücke, die einen begleiten, die für sich stehen. Aber meistens trage ich doch eher eine Uniform.

Eine Uniform? Wie sieht die aus?

Bequeme natürliche Stoffe und auch mal gerne Oversized-Sachen, weil die nicht klemmen. Für mich ist es wichtig, dass man sich bewegen kann.

Für Hauptstädterinnen auch? Wie würden Sie die Berliner Frauen beschreiben?

Ich finde sie sehr raffiniert, unaffektiert und praktisch. So bin ich auch! Einen Abend ziehe ich in einem besonderen Kleid schon mal den Bauch ein, aber für jeden Tag ist das nichts für mich.

Sie besuchen Berlin seit Jahrzehnten regelmäßig. Wie empfinden Sie die Stadt heute?

Sie wird einfach nicht erwachsen, das finde ich super. Wenn ich irgendwo in der Welt „Berlin“ sage, dann leuchten die Augen. Es ist ungefähr der coolste Ort, wo man gerade sein kann – und das schon seit Jahren. Mich faszinieren diese Brüche, dieses Sich-ausprobieren-Dürfen, dieses Alles-Geht und das Gestalterische in der Stadt. Hier ist doch jeder ein versteckter Maler, Künstler oder eine Primaballerina. In Berlin hat man das Gefühl, dass die Leute ihre Leidenschaft leben.

Was haben Sie kürzlich in der Stadt entdeckt?

Ich habe eine Spreefahrt gemacht, die ich wunderbar fand. Da habe ich Berlin noch mal neu kennengelernt. Außerdem war ich im Spreewald. Ich bin wahnsinnig verliebt in Natur – und hier kann man so viel mit dem Fahrrad machen.

Fahren Sie mit Helm?

Ja, immer. Wenn ich ihn nicht trage, kann ich es von den Kindern auch nicht verlangen.

Ihr Sohn Noah wohnt seit einiger Zeit in Kreuzberg.

Meistens wohnt er zwar in London, aber er ist sehr viel hier. Er ist gerade umgezogen, aber ich weiß noch nicht, wohin. Berlin ist für Musiker wie ihn eine tolle Stadt.

Waren Sie bei einem seiner Auftritte in der Stadt dabei?

Wir waren im „Kater Holzig“, ich glaube, es heißt jetzt „Kater Blau“, zum Essen, und anschließend ist er mit seinen Freunden von The Bakery aufgetreten. Er spielt dabei den Bass und mixt. Als wir nach Hause gingen, ging schon die Sonne auf.

Standen Sie in der ersten Reihe und tanzten zu seiner Musik?

Absolut, zum Glück ist er nicht mehr in dem Alter, wo er seine Eltern peinlich findet. Das war nur in der Pubertät so. Inzwischen werde ich so angenommen, wie ich bin. Kürzlich waren wir zusammen auf einer Party, da hat er mein Outfit gelobt – es war alles von meinem eigenen Label. Ich bin froh, wenn meine Kinder stolz auf mich sind.

Sind Sie stolz auf Noah, ein Fan von seiner Musik?

Ich bin wahnsinnig stolz. Ich sehe ihm so gerne dabei zu, wenn er etwas macht, das er liebt. Das ist das Wichtigste, dass die Kinder Sachen mit Leidenschaft und Freude machen.

War es schwer für ihn mit dem Tennisstar Boris Becker als Vater seinen eigenen Weg zu finden?

Ich glaube, das ist ihm gut gelungen. Wenn man in sich reinhorcht und seinem Herzen folgt, dann ist das machbar.

Erkennen Sie die Berliner eigentlich auf der Straße und sprechen Sie an?

Ich spreche die Leute doch auch an. Ich mag das Zwiegespräch und Kontakt zu Menschen.