Nach Kümmert-Eklat

ARD erteilt Wiederholung des ESC-Vorentscheids eine Absage

Weil Andreas Kümmert die Wahl zum Sieg des ESC-Vorentscheids nicht angenommen hat, fährt nun Ann Sophie nach Wien. Viele Fans halten das für ungerecht. Doch eine Wiederholung scheint ausgeschlossen.

Nach dem Live-Rückzug von Sänger Andreas Kümmert als Sieger des Vorentscheids für den Eurovision Song Contest kochen in den sozialen Netzwerken weiter die Emotionen hoch. Viele Nutzer verlangen von der ARD, die Show zu wiederholen. Doch dieser Forderung hat der ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber eine klare Absage erteilt.

Im Interview mit der taz sagte Schreiber: „Das wäre schon aus logistischen Gründen nicht möglich. Zum Beispiel hätten wir keine zweite Location in der Kürze der Zeit bekommen.“ Außerdem sagte Schreiber, die ARD habe mit der Sängerin Ann Sophie „eine würdige Siegerin“.

Zum Verzicht von Sänger Andreas Kümmert sagte Schreiber, er habe „öffentlich eine große Schwäche eingestanden“. Dies habe eine „gewisse Größe“, hätte aber auch für viele Enttäuschungen bei den Fans gesorgt.

Kümmert sagt Konzerte via Facebook ab

Unterdessen hat Kümmert seine Konzerte abgesagt. Auftritte vom Sonnabend sowie an diesem Montag „werden den Umständen entsprechend verschoben“, schrieb der fränkische Sänger und 2013-Gewinner der Castingshow „The Voice of Germany“ am Sonnabend bei Facebook. „Weitere Infos folgen.“ Etwa 48 Stunden nach seinem im Internet oft als #Kuemmertgate bezeichneten Nein zum Sieg in der ARD-Show „Unser Song für Österreich“ war es die erste öffentliche Meldung des Musikers.

Kümmert hatte am Donnerstag die Musikshow in Hannover vor 3,2 Millionen TV-Zuschauern klar gewonnen, dann aber überraschend auf der Bühne erklärt, er wolle – oder könne – im Mai in Wien nicht für Deutschland antreten, die Zweitplatzierte Ann Sophie (24) sei besser geeignet. Es handelt sich um einen einzigartigen Rückzieher in der Geschichte des Song Contests, den man früher Grand Prix nannte.

>> Die Diskussion der Morgenpost-Leser bei Facebook

Laut Plattenfirma Universal war es Kümmerts einsame Entscheidung („Andreas hat seine Entscheidung, nicht am ESC-Finale teilnehmen zu wollen, alleine gefällt“). Er hatte auf der Bühne auch gesagt, er sei „nur ein kleiner Sänger“ – gerade beim rummelreichen ESC geht es aber auch um viele Interviews, Fan-Kontakte und unzählige Durchläufe.

Sängerin Ann Sophie erhielt nur ein Fünftel der Voting-Stimmen

Ann Sophie war von Moderatorin Barbara Schöneberger kurzerhand zur deutschen ESC-Hoffnung erklärt worden, auch wenn die Sängerin laut NDR bei der Publikumswahl nur etwa ein Fünftel der Voting-Teilnehmer hinter sich hatte. Sie hatte dazu gesagt: „Ich hoffe, Deutschland ist damit zufrieden, dass ich da jetzt hin darf. Ich habe großen Respekt vor Andreas und seiner Entscheidung und bin ihm auch dankbar.“

Die in London geborene Sängerin („Black Smoke“) war bei einem Clubkonzert als Quereinsteigerin zum Vorentscheid gestoßen. Die anderen Kandidaten hatten die Musikbranche sowie ARD-Experten aufgestellt. Internationale Erfahrung hat die Hamburgerin: Sie ging mit 20 nach New York. Neben einem Schauspielstudium startete sie dort auch eine Musikkarriere.

Der Eurovision Song Contest wird seit 1956 ausgetragen. Deutschland gewann bisher zweimal: 1982 mit Nicole („Ein bißchen Frieden“) und 2010 mit Lena („Satellite“). Im vergangenen Jahr war das Frauentrio Elaiza für Deutschland angetreten und nur auf Platz 18 gelandet.

2015 geht der ESC in Wien über die Bühne, weil 2014 die bärtige Dragqueen Conchita Wurst („Rise Like A Phoenix“) gewonnen und so den Wettbewerb in ihre Heimat geholt hat.