Film

Eric Bana ist Arbeiter und Party-Tier zugleich

Der australische Schauspieler Eric Bana ist in dem Horrorfilm „Erlöse uns von dem Bösen“ zu sehen. Mit uns redet er über Übersinnliches, seine Liebe zu schnellen Autos, seine Familie und über Berlin.

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Wenn man mit Eric Bana nur über seine Filme sprechen dürfte, wäre das eine relativ einsilbige Angelegenheit. Dabei kann sich der australische Darsteller durchaus mit dem Horrorthriller „Erlöse uns von dem Bösen“ (ab 4. September im Kino) identifizieren. Aber nichts schlägt seine Obsession für Blech und PS, über die er sich auch gerne wieder bei diesem Termin in Paris auslässt. Da ist es keine Überraschung, dass der 46-Jährige deutsche Gene in sich trägt – wenngleich die mit seiner Autoleidenschaft gar nichts zu tun haben.

Berliner Morgenpost: Ihr neuer Film heißt „Erlöse uns von dem Bösen“. Glauben Sie an das Böse?

Eric Bana: Wir unterscheiden im Film zwischen dem primären Bösen – also einer übernatürlichen Macht – und dem sekundären Bösen, das von Menschen vollbracht wird. An das erste glaube ich nicht, das zweite durchaus. Das sehen wir ja jeden Tag in den Nachrichten.

Sind Sie auch solchen Menschen mal real begegnet?

Klar. Das tut doch jeder mal.

Und wie schützt man sich gegen deren negative Ausstrahlung?

Einfach die Tür zumachen und Musik auflegen. Nur nicht die Doors – wie man im Film sehen kann. Ich persönlich bevorzuge jede Art von klassischer Musik. Die bringt mich in gute Stimmung.

Sie klingen so pragmatisch. Glauben Sie an nichts Übernatürliches?

Nein, ich bin Skeptiker. Es ist mir auch nie etwas passiert, was ich nicht mit natürlichen Gründen hätte erklären können. Aber man weiß nie. Der Film beruht ja auf den Erlebnissen eines New Yorker Cops, der nach seiner Versetzung in den Ruhestand Dämonologe wurde. Weil er uns beim Dreh beraten hat, hatte ich ausführlich Gelegenheit, mit ihm zu sprechen.

Er hat Sie aber nicht von der Existenz des Teufels überzeugt?

Das nicht, aber ich bin jetzt gegenüber solchen Themen aufgeschlossener. Wir machen es uns etwas leicht, wenn wir das als Humbug abtun. Was ich durch den Film über Exorzismen erfahren habe, fand ich sehr interessant.

Gibt es denn etwas, was Ihnen Angst macht?

Auf Anhieb fällt mir nichts ein. Und ich bin auch von wirklich schrecklichen Erlebnissen verschont geblieben.

Sie fahren seit vielen Jahren Autorennen. Ist das eine Extremerfahrung?

Nein, für mich ist das ein sehr beruhigendes Gefühl. Das beschleunigt nicht meinen Herzschlag, ich genieße das. Für mich ist das zwar eine Obsession, aber eine sehr gesunde, denn dadurch bekomme ich eine Distanz zu meinem Job. Und ich jage den ganzen Stress aus meinem System. So halte ich mich geistig gesund.

Gibt es nicht ungefährlichere Methoden dafür?

Ich empfinde meine Rennen nicht als gefährlich.

Aber vor sieben Jahren leisteten Sie sich bei der ein Wochen langen Rallye durch den Staat Tasmanien einen spektakulären Crash.

Nach Rallye-Maßstäben war der nicht spektakulär. So etwas kommt da häufiger vor. Aber ich gebe zu: Damit ist schon Risiko verbunden. Nur um gut fahren zu können, darfst du nicht daran denken. Das ist wie bei der Schauspielerei. Theoretisch kannst du furchtbar auf die Nase fallen, aber wenn du spielst, dann ignorierst du das.

Nur dass Sie bei der Schauspielerei nicht physisch Kopf und Kragen riskieren.

Stimmt, dass meinem Co-Piloten und mir nichts passiert ist, war schon großes Glück. Aber damals war ich mir schon vorher ziemlich sicher, dass ich mit den Rallyes aufhören würde. Jetzt fahre ich auf normalen Rennstrecken, und das ist ziemlich sicher. Ich mag es auch nicht, wenn ich einen Beifahrer habe, denn ich will mir nicht um jemand anders noch Sorgen machen müssen.

Macht sich denn Ihre Frau keine Sorgen um Sie?

Sie kennt es nicht anders. Ich bin schon Rennen gefahren, bevor wir heirateten. Also haben wir nie darüber diskutiert, abgesehen von meiner Rallye-Zeit. Da war sie schon besorgt. Aber auf den Rennstrecken ist das kein Problem. Da gab es keine Unfälle.

Haben Sie beide überhaupt gemeinsame Interessen?

Doch, doch auf jeden Fall. Wir spielen viel Tennis zusammen. Wir mögen Sport. Es gibt viele Gemeinsamkeiten – nur das Auto nicht.

Sie wollten ursprünglich sogar Automechaniker werden, aber Ihr Vater riet Ihnen davon ab.

Wofür ich ihm heute noch dankbar bin. Dabei wäre ich als Mechaniker sicher genauso glücklich, ich hätte bloß weniger Geld. Und wenn ich noch 20 wäre und mich zwischen einer Karriere als Schauspieler oder als Rennpilot entscheiden müsste, dann käme ich schon ins Grübeln.

Woher kommt diese Leidenschaft eigentlich?

Mein Vater war derjenige, der mich zum Fahren gebracht hat. Als ich noch ein Kind war, ließ er mich an den Wochenenden auf einem abgetrennten Platz üben. Seither genieße ich das. Das ist für mich so natürlich wie Fahrradfahren, was du ja auch als Kind lernst. Und Autos waren immer Teil meiner Welt. Bevor ich fahren konnte, hatte ich Matchbox-Autos. Ich war von Rennautos besessen, hatte Renn-Spiele. Ich habe mich nie bewusst dafür entschieden. Es gehört einfach zu mir und hält mich geistig gesund. Jedes Mal, wenn ich einen Film anfange, freue ich mich schon aufs nächste Rennen.

Haben Sie Ihren 15-jährigen Sohn schon an Ihre Obsession herangeführt?

Nein, denn das würde bedeuten, dass er jetzt schon Autofahren kann. Was nicht der Fall ist. Er muss da noch warten. Und ich versuche meine beiden Kinder nicht großartig zu ermuntern. Dieses Hobby ist nicht für jedermann geeignet.

Sie basteln auch noch an Autos herum. Was genießen Sie daran?

Dass ich etwas mit meinen Händen mache. Je mehr sich die Zeiten ändern, desto weniger tun wir das. Ich liebe es, wenn ich etwas anschauen kann, das ich selbst gebaut habe. Ich genieße das Gefühl von Werkzeug in meiner Hand. Da spürst du eine richtige Verbindung mit einem Gegenstand. Abgesehen davon ist es ziemlich nützlich. Ich rase gerne auf Motocross-Rädern durch die Natur, auch wenn mir das ein wenig peinlich ist, das zuzugeben, und da ist es schon passiert, dass meine Maschine mitten in der Wildnis den Geist aufgegeben hat. Wenn du da mit einem Schraubenzieher umgehen kannst, hat das seine Vorteile.

Und was ist das Besondere am Rennen fahren?

Dass hier keiner Scheiße erzählen kann. Du kannst dein Talent oder deine fehlenden Fähigkeiten nicht verstecken. Da geht es total ehrlich zu. Und du weißt, wann du besser wirst. Bei der Schauspielerei gibt es solche Vergleichsmöglichkeiten. Abgesehen davon mag ich die ganze Gemeinschaft. Viele meiner jahrelangen Freunde sind aus der Rennszene.

Sie sind ja halb Deutscher. Glauben Sie, dass diese Autofixiertheit damit zu tun hat?

Nein, denn ich habe sie ja von meinem Vater, und der ist gebürtiger Kroate.

Spüren Sie noch eine Verbundenheit zu Ihren deutschen Wurzeln?

Doch, auf jeden Fall, auch wenn ich praktisch kein Deutsch spreche. Meine Mutter stammt aus Mannheim, und als ich aufwuchs, waren auch meine Großeltern und Onkel mütterlicherseits sehr bei uns präsent. Die Sprache und das Essen kenne ich. Wenn ich also im Land bin, dann sind mir Klänge und Gerüche sehr vertraut.

Wie häufig waren Sie schon dort?

Schon einige Male, unter anderem in Stuttgart, München, wovon ich leider nicht viel gesehen habe, und am Nürburgring. Wir haben in Bayern auch noch Burgen besichtigt, meine Kinder lieben das. Und vor vier Jahren konnte ich mit meiner Familie bei Dreharbeiten ein paar Monate in Berlin verbringen. Ich war zwar schon auf ein paar Pressetouren und Festivals dort gewesen, aber da bekommst du kein echtes Gespür für die Stadt. Wir haben alles genossen – von der Geschichte bis zum Essen. Seither ist Berlin eine meiner Lieblingsstädte. Leider sind wir inzwischen nicht mehr dort gewesen.

Was von Deutschland hat sich Ihnen denn besonders eingeprägt?

Ich war richtig erstaunt, wie sehr mich das an Zuhause erinnerte. Wir lebten damals in Berlin-Mitte, und vor allem als das Wetter besser wurde und sich die Leute ins Freie trauten, war das ganz ähnlich: Die Menschen genossen das Leben, saßen mit ihren Drinks draußen, schauten sich Kunst an. Vor allem die junge Generation hat mich beeindruckt – die Stimmung war wie in Melbourne.

Aber Sie würden nicht nach Deutschland auswandern?

Nein, ich würde Australien nie verlassen.

Was sind denn typisch australische Eigenschaften?

Das gibt es einen gewissen Widerspruch. Australier arbeiten sehr hart, aber sie schätzen auch Lebensqualität. Eigentlich wäre es ihnen lieber, wenn man sie als ehrliche Arbeiter ansehen würde, aber gleichzeitig haben sie das Image von Partytieren.

Und diese beiden Seelen schlagen auch in Ihrer Brust?

Absolut. Ich bin Arbeiter und Partytier. So können Sie mich beschreiben.