Ahzumjot

Wie ein Exil-Hamburger Berlins Rap-Szene aufmischt

Der gebürtige Hamburger Ahzumjot empfindet die Hauptstadt als „das Epizentrum der Musik“. Deswegen hat er hier sein zweites Album produziert – und sich mit Cro und Casper auf Tour begeben.

Foto: Krauthoefer / Jörg Krauthöfer

„Manchmal denke ich, ich bin zu alt für all das“, sagt Alan Julian Asare alias Ahzumjot – und meint die Konsum- und Partywut seiner Mitmenschen. Und dann erinnere er sich, dass er selbst erst 25 Jahre alt ist. Der Rapper will mit seiner Musik die Welt verändern, sagt er, zumindest ein bisschen. Er will seine Hörer aufrütteln, auf Missstände aufmerksam machen. Deshalb handeln die Texte auf seinem zweiten Album „Nix mehr egal“, das in dieser Woche erscheint, von urbanen Hipstern, Perspektivlosigkeit und dem Phänomen, dass in seiner Generation immer alle gegen irgendwas sind. Ohne zu wissen, wer der Gegner ist oder was man besser machen kann.

„Viele Leute beschweren sich über die politische Situation, ohne sich mit Politik auseinanderzusetzen und werfen dann mit gefährlichem Halbwissen um sich. Oder sie gehen in Kreuzberg auf die Straße und demonstrieren gegen Gentrifizierung und danach ins Watergate feiern. Da frage ich mich: Seht ihr nicht, dass ihr selber das Problem seid? Alle ziehen nach Berlin, weil man sich hier angeblich so gut ausleben kann, aber am Ende geht es doch nur darum, viel zu saufen“, sagt Ahzumjot.

Seit zwei Jahren wohnt der gebürtige Hamburger in Berlin. Zuerst in Kreuzberg, jetzt in Schöneberg. Liebe auf den ersten Blick war es bei dem Rapper und der Hauptstadt nicht. „Ich bin hauptsächlich wegen der Musik umgezogen“, sagt er. Ein bisschen fühle er sich deshalb unter seinen Hamburger Kollegen als Verräter. „Viele Leute verstehen das nicht. Als ich mich zum Beispiel mit Jan Delay unterhalten habe, hat er gesagt: Wie kannst du denn aus Hamburg wegziehen? Genau so Samy Deluxe.“ „Doch hier ist einfach von allem mehr. Hier ist das Epizentrum der Musik“, sagt er. Ewig bleiben wird er wohl nicht.

Mit elf Jahren die ersten Songs

Geboren wurde Ahzumjot in Hamburg-Horn als Sohn eines Ghanaers und einer Rumänin. Die Eltern trennen sich, als er acht Jahre alt war. „Das war eine schwierige Zeit. Mein Vater hatte Alkoholprobleme, was dazu geführt hat, dass es der Familie nicht gut ging“, erzählt er. „Ich bin bei Mutter aufgewachsen und hatte lange keinen Kontakt zu meinem Vater.“ Beeinflusst von seinem Vorbild Eminem schrieb er mit elf Jahren erste Songs. Damals noch mit englischen Texten und über Themen, die ihn heute zum Schmunzeln bringen. „Wenn ich mir die Songtitel anschaue, merke ich, ich habe damals wirklich zu viel Gangsterrap gehört. Es gab zum Beispiel einen Song mit dem Titel ‚Dirty Money’. Was soll ein Elfjähriger schon über schmutziges Geld erzählen? Das war alles totaler Quatsch.“

Nach dem Abitur verzichtet Ahzumjot auf Ausbildung und Studium, macht Nebenjobs und produziert in Eigenregie sein Debütalbum „Monty“, von dem er ohne Platten- und PR-Firma 4000 Exemplare verkauft. Dadurch werden auch Berliner Kollegen wie Casper und Cro auf Ahzumjot aufmerksam, mit denen er 2012 auf Tour geht. Obwohl der Kontrast zwischen dem Panda-Rapper und dem nachdenklichen Newcomer kaum größer sein könnte. „Ich finde, das, was Cro macht, macht er gut. Aber es ist einfach nicht mein Ding. Dafür fühle ich mich wirklich zu alt“, gibt er zu. „Sein Publikum war auch recht überfordert mit meiner Musik. Das war ihnen nicht easy genug.“