Nach Ski-Unfall

Schumacher-Akte gestohlen - Verdächtiger erhängt sich

Der mutmaßliche Dieb von Michael Schumachers Krankenakte hat sich in seiner Zelle in einem Züricher Gefängnis das Leben genommen. Der Mitarbeiter der Rettungsflugwacht sollte erneut vernommen werden.

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Einen Tag nach seiner Festnahme ist im Züricher Polizeigefängnis ein Mann tot aufgefunden worden, der möglicherweise an der Weitergabe der Krankenakte von Michael Schumacher beteiligt war. Er hatte sich erhängt.

Der Leichnam des hochrangigen Mitarbeiters der Schweizerischen Rettungsflugwacht (Rega) wurde am Mittwochmorgen in der Zelle entdeckt, wie die Zürcher Staatsanwaltschaft mitteilte. Die Behörde geht von einem Suizid aus. Eine Dritteinwirkung könne nach ihren Erkenntnissen ausgeschlossen werden.

Die Staatsanwaltschaft hatte wegen Verletzung des Berufsgeheimnisses ein Strafverfahren gegen den Mann eröffnet, nachdem die Rega sowie die Familie Schumacher Anzeigen eingereicht hatten.

Krankenakte den Medien angeboten

Der Rega-Mitarbeiter soll sich den Ermittlungen zufolge Auszüge aus den Krankenakten von Schumacher beschafft und dann versucht haben, sie für hohe Summen verschiedenen Medien zu verkaufen. Der medizinische Bericht enthält Angaben zur Behandlung des 45-Jährigen in der Uniklinik Grenoble. Bestimmt war er für die Uniklinik in Lausanne, in die Schumacher im Juni zur Rehabilitation verlegt worden war.

Der siebenfache Formel-1-Weltmeister Schumacher war am 29. Dezember beim Skifahren in den französischen Alpen abseits der Piste mit dem Kopf gegen einen Felsen geprallt. Dabei erlitt er ein schweres Schädel-Hirn-Trauma.

Bei der gestohlenen Akte handelt es sich um einen etwa zwölf Seiten langen Arztbericht. Dieser war einigen französischen, Schweizer und deutschen Journalisten für 60.000 Schweizer Franken (49.000 Euro) angeboten worden. Französische Behörden hatten die IP-Adresse des Computers, von dem die Akte per E-Mail zum Kauf angeboten worden war, einer Schweizer Helikopterfirma mit Sitz in Zürich zugeordnet. Diese Firma hat ihre Beteiligung an dem Vorgang allerdings vehement bestritten.

Ermittlungen werden eingestellt

Auch der Verdächtige wies die Vorwürfe zurück. Laut Staatsanwaltschaft sollte er am Mittwoch erneut dazu vernommen werden. Nun sollen die Ermittlungen der Behörde zufolge eingestellt werden. Zur Begründung hieß es, der Staatsanwaltschaft würden keine Erkenntnisse über einen anderen Tatverdächtigen vorliegen. Unabhängig davon gelte auch für den Verstorbenen die Unschuldsvermutung.

Rega-Chef Ernst Kohler zeigte sich betroffen vom Tod des Mitarbeiters: „Dieses tragische Ereignis macht uns traurig und sprachlos. Unsere Gedanken und unser aufrichtiges Beileid gelten in diesem Augenblick den Angehörigen des Verstorbenen und den Personen aus seinem Umfeld“, sagte er.

Schumacher war Mitte Juni aus dem Universitätsklinikum Grenoble in ein Krankenhaus in Lausanne verlegt worden. Zuvor hatte sein Management mitgeteilt, dass der Rekordweltmeister knapp sechs Monate nach seinem Skiunfall nicht mehr im Koma liege und seine lange Phase der Rehabilitation nun fortsetzen werde.