Schauspieler

Lektionen fürs Leben mit dem Berliner Samuel Finzi

Der 48-Jährige probt momentan am Deutschen Theater „Warten auf Godot“. Um dem Bühnenklassiker gerecht zu werden, brauche man Lebenserfahrung - ebenso wie für den Film „Die Erfindung der Liebe“.

Foto: Krauthoefer

Samuel Finzi sitzt vor dem Deutschen Theater und blinzelt in die Sonne. Seit ein paar Tagen probt der Schauspieler in dem Haus an der Schumannstraße in Mitte „Warten auf Godot“ unter der Regie von Ivan Panteleev. Für heute hat er Feierabend. „Ich habe Beckett noch nie gespielt. Ich finde, es wurde aber Zeit“, sagt er. Immerhin gelte das Stück als ein Meilenstein der Theaterliteratur. Finzi spielt den Wladimir. Einen von zwei Landstreichern, die in einer verlassenen Landschaft, vor einem kahlen Baum, vergeblich auf einen gewissen Godot warten.

Um dem Bühnenklassiker gerecht zu werden, brauche man als Schauspieler ein bisschen Lebenserfahrung, glaubt der gebürtige Bulgare – auch wenn das vielleicht pathetisch klinge: „Man muss ein bisschen was erlebt haben, ein paar Rückschläge eingesteckt und Glücksmomente erlebt haben – es hilft zu wissen, was auf dieser Welt alles möglich ist.“

Ein solches Stück Lebenserfahrung dürfte Samuel Finzi auch durch seine Mitwirkung an dem Film „Die Erfindung der Liebe“ gesammelt haben, der seit dem 1. Mai im Kino läuft. Die Hauptdarstellerin Maria Kwiatkowsky verstarb während der Dreharbeiten, so dass Regisseurin Lola Randl das Drehbuch komplett umschreiben musste. „’Die Erfindung der Liebe’ ist unfreiwillig auch ein Stück Lebensgeschichte geworden“, sagt Finzi. „Doch ist es ein Glück, dass der Film so gut geworden ist.“

Moralische Bedenken, den Film trotz der Umstände weiterzudrehen, hatte der 48-Jährige nach eigenen Angaben nicht. “Keiner der Schauspieler hat nur einen Moment darüber nachgedacht, nach dem Tod von Maria aus dem Projekt auszusteigen”, sagt er. “Das Leben ist eben manchmal unangenehm, auch für die, die am Leben bleiben. Wenn jemand kritisiert, dass wir das Projekt trotzdem weitergeführt haben, dann sage ich ihm: Ich bin am Leben, was soll ich machen. Es hört nicht auf.”