Gastronomie

Chakall – Der Koch mit dem Turban liebt Rindfleisch

Der Argentinier liebt die kulinarische Vielfalt und seine Wahlheimat Berlin. Chakall hat TV-Shows in China und Portugal - und ein Restaurant in Schöneberg. Wir haben ihn dort besucht.

Foto: Krauthoefer / Jörg Krauthöfer

Er baut ein Iglu im verschneiten Österreich, schlägt ein Loch in einen vereisten See, angelt einen Fisch und bereitet noch auf der Eisfläche ein Gericht daraus zu. Er kredenzt mexikanischen Ehrengästen Garnelen und Grillen mit Knoblauch, er bringt in China drei Bücher heraus und präsentiert den Besuchern in Las Vegas seine Kochkünste. Und das Beste daran sei, sagt Chakall, der eigentlich Eduardo Andrés Lopez heißt, dass er dafür auch noch bezahlt werde. „Mein Leben ist ein Traum“, freut sich der Starkoch und -autor, der wegen seiner Augen und seiner Aussprache ein wenig an den gestiefelten Kater aus dem Animationsfilm „Shrek“ erinnert.

Zum Interviewtermin erscheint der gebürtige Argentinier im typischen Chakall-Look: lässige, farbenfrohe Kleidung, gekrönt von seinem Markenzeichen, einem bunten Turban, auf dem Kopf. Gekonnt posiert er für den Fotografen – der Mann weiß, was er tut.

Kaum ein freier Tag

Seine Sendung „Beef Buddies“ auf ZDFneo wurde für den renommierten Grimme-Preis nominiert, sein erstes deutsches Kochbuch gewann den „Gourmand World Cookbook Award“ und in Portugal und China wird er für seine Kochshows gefeiert. Dabei hat es der umtriebige Chakall nie darauf angelegt, berühmt zu werden. „Ich tue einfach das, was mir Spaß macht. Ich lebe in der Gegenwart. Tag für Tag. Jede große Reise beginnt mit einem kleinen Schritt“, rezitiert der 41-Jährige ein chinesisches Sprichwort. „Ich liebe das Reisen! Dafür bezahlen andere viel, 250 Euro am Tag! Ich reise um die Welt, übernachte in Hotels und sie bezahlen mich dafür. Das ist besser als das Leben eines Fußballers! Ich muss nicht trainieren, darf alles essen, trinken... Ein Traum!“

Mehr als hundert Länder hat Chakall, der sechs Sprachen spricht, bisher bereist. Wenn er doch mal länger in einem Land bleibe, dann würde er gerne sein Deutsch und sein Ukulelenspiel verbessern, sagt er. Aber sein Terminkalender ist voll, Fernsehauftritte, Interviews, Kochsendungen, kaum ein freier Tag bis zum Ende des Jahres – so reist der Turbanträger um den Planeten, stets seiner Leidenschaft folgend, oft von Fans und Autogrammjägern verfolgt.

Wenn er seine Koffer doch mal auspackt, tut der Globetrotter das in Berlin, denn dort ist er zu Hause, hat gerade eine neue Wohnung in Friedrichshain bezogen. Vor rund einem Jahr eröffnete Chakall das Restaurant „Sudaka“ in der Schöneberger Goltzstraße und trotzte mit seiner südamerikanischen Küche allen Unkenrufen: „Jeder hat damals gesagt: ‚Um Gottes Willen, Schöneberg?! Du musst ein Restaurant in Mitte aufmachen, in Mitte!’ Ich sage: Wenn das Essen gut ist, dann kommen die Leute. Egal wohin.“

Offen für alle kulinarischen Richtungen

Er hat wohl Recht: Sogar Anna Netrebko und Plácido Domingo kamen schon vorbei, als sie im vergangenen Dezember ein Gastspiel an der Berliner Staatsoper gaben. Aber auch ohne prominente Gäste läuft der Laden. Besonders das Ceviche, ein südamerikanisches Fischgericht, und die argentinischen Steaks kommen an. Und das in einer Zeit, in der fleischlose Ernährung zum Thema Nummer Eins geworden ist.

„Das sind Modeerscheinungen“, sagt Chakall über den Kult um die Gemüse-Küche. „Viele Hollywoodschauspieler ernähren sich gerade vegan, aber das ändert sich auch wieder. Die Leute sagen: ‚Ich würde niemals Fleisch essen.’ Oder: ‚Ich würde niemals Drogen nehmen.’ Und am nächsten Tag essen sie Fleisch und nehmen Drogen oder weiß ich was. Wichtig ist doch, sich ausgewogen zu ernähren. Der Mittelweg ist immer der beste“.

Sich nicht festzulegen, offen für alle kulinarischen Richtungen zu sein und einen Mittelweg zu finden – das könnte, neben der Ähnlichkeit mit dem gestiefelten Kater, einen Teil zur Popularität von Chakall beitragen. Seine Lieblingszutat ist die Vielfalt. „Ich liebe Berlin, ich könnte in keiner anderen deutschen Stadt leben. Allein schon wegen des abwechslungsreichen Essens hier! Nur deutsche Küche, jeden Tag, das könnte ich nicht“, sagt er.

„In 50 Jahren essen die Leute immer noch Rindfleisch“

„Klöße liebe ich. Oder das Schwein in Süddeutschland. Aber Deutschland hat keine kulinarische Tradition wie zum Beispiel Frankreich oder Italien. Eintopf vielleicht, der ist aber entstanden weil es kalt war und es nur landwirtschaftliche Zutaten gab.“

Eintopf findet sich auf der Karte des „Sudaka“ auch. Mit schwarzen Bohnen, Schwein, Reis und Maniokmehl. Nicht, weil Chakall meint, die Deutschen bräuchten Eintopf auf der Karte, sondern weil es ihm schmeckt: „Ich kann nur für mich denken. Ich kann nicht für andere Leute denken.“ Und an die Zukunft denkt er schon gar nicht: „Alles, was geschehen wird, geschieht aus einem Grund.

Und voraussagen kann man sowieso nichts. Damals haben sie gesagt: ‚Im Jahr 2015 werden die Autos fliegen.’ Und nun? Wir haben 2014, wir fahren immer noch mit Benzin. Wer weiß schon, was kommt? Aber Eines kann ich euch sagen: In 50 Jahren werden die Leute immer noch Rindfleisch essen. Glaubt mir!“