ZDF-Film

Ein eingespieltes Team glänzt in schwierigen Rollen

Anja Kling und Benno Fürmann spielen ein Ehepaar, dessen Leben durch ein Gewaltverbrechen zerstört wird. Obwohl die beiden zum ersten Mal gemeinsam drehen, wirken sie bereits sehr vertraut.

Foto: Krauthoefer

Schwer zu glauben, dass Benno Fürmann und Anja Kling für den ZDF-Film „Kein Entkommen“ (Montag, 24. März 2014, 20.15 Uhr) zum ersten Mal gemeinsam vor der Kamera standen. Beim Interviewtermin im Hauptstadtstudio Unter den Linden wirken die beiden Schauspieler so vertraut und eingespielt wie jahrelange Freunde und Kollegen.

Sie möge sich doch bitte für das gemeinsame Foto die flachen Schuhe anziehen, scherzt Benno Fürmann, während sie ihm gönnerisch die Schnittchenplatte rüberschiebt.

Das ernste Thema des Dramas, um das es an diesem Tag gehen soll, scheint den beiden nicht aufs Gemüt geschlagen zu sein. In dem Film von Regisseur Andreas Senn spielen sie ein Ehepaar, dessen harmonisches Familienleben erschüttert wird, als Anna (Kling) abends in der Nähe ihres Hauses brutal von drei Jugendlichen überfallen wird.

Herausforderung für beide Darsteller

Zur Vorbereitung haben sich Kling und Fürmann intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Am Ende sei es jedoch eine Rolle wie jede andere, sagt Kling. „Die Vorbereitung ist immer die gleiche. Meistens funktioniert das über Gespräche mit der Regie. Egal, welche Rolle, das ist immer meine beste Informationsquelle. Denn Andreas Senn hat sich ja vorher mit dem Thema sehr intensiv beschäftigt, mit Trauma-Spezialisten gesprochen”, so die 44-Jährige.

Benno Fürmann stimmt ihr zu, auch wenn er selbst kein Gewaltopfer spiele, sondern nur einen Mann, der für seine Frau da sein will: „Und dafür habe ich 42 Jahre lang trainiert.“ Eine große Herausforderung sei der Film trotzdem gewesen, sind sich die beiden Hauptdarsteller einig. Besonders schwer sei es gewesen, sich in die Rolle des Opfers hinein zu versetzen. Als Anna die Täter schließlich vor Gericht wiedersieht, ist sie aus Scham und Schmerz nicht in der Lage, eine Aussage zu machen. „Ich als Anja Kling denke natürlich: Warum sagt diese Frau nichts, sie kann sich doch an alles erinnern? Das ist für mich so schwer nachvollziehbar“, sagt sie. „Trauma-Experten sagen aber, das ist ein ganz normales Opfer-Verhalten.“

Benno Fürmann hofft, mit dem Film etwas zu bewirken. „Ich fände es schön, wenn wir es schaffen, für dieses Thema zu sensibilisieren. Ich glaube, dass Gewalt im Fernsehen oft leichtfertig dargestellt und die Geschichte der Opfer nicht erzählt wird“, so der Berliner. „Gewalt ist medial unterschätzt.“ Verantwortung würden sie bei diesem Thema nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Eltern tragen – auch wenn sie bisher noch nicht in die Verlegenheit gekommen seien, gewalttätige Computerspiele verbieten zu müssen.

Tochter macht vorbeugend einen Jiu-Jitsu-Kurs

„Ich versuche, nicht jeden Tag den Moralapostel raushängen zu lassen. Aber Erziehung fängt schon damit an, dass man jeden Tag mit gutem Beispiel voran geht“, sagt Fürmann. Seiner elfjährigen Tochter habe er aber vorbeugend einen Jiu-Jitsu-Kurs verordnet: „Ich habe ihr gesagt: Du wirst jetzt älter, und die meisten Menschen sind nett, aber manche eben auch nicht. Man soll sich nicht schlagen, aber wenn es nötig ist, dann muss das auch klappen. Als Frau sollte man da ein paar Sachen wissen.“

Wie der Einzelne und die Gesellschaft am besten mit jugendlichen Straftätern umgehen sollten, können Anja Kling und Benno Fürmann auch nach intensiver Auseinandersetzung mit dem Thema nicht eindeutig beantworten. „Das ist wahnsinnig komplex, denn jedes Mal stehen sich da individuelle Menschen als Opfer und Täter gegenüber, die sich nicht in eine Schablone pressen lassen“, sagt Fürmann. „Aus der emotionalen Opferperspektive fühlt sich eine Strafe natürlich oft zu gering an. Eine objektive Sicht ist einfach wahnsinnig schwierig.“ Ebenso geht es Anja Kling mit der Frage, wie sie sich selbst als Opfer verhalten würde. „Ich glaube, das kann ich nicht beantworten, weil ich ja in einem gesunden Zustand bin. Klar, mein Menschenverstand sagt, ich würde mich anders verhalten“, sagt sie. „Ich hoffe, ich muss das nicht herausfinden.“