70. Geburtstag

Uschi Glas wird so alt wie Jagger – und bereut fast nichts

Glatter Geburtstag: Die Schauspielerin Uschi Glas wird am heutigen Sonntag 70 Jahre alt. Ein Gespräch über das Alter, absolute Glücksmomente, kleine Sünden und einen jungen Mann, der sie begeistert.

Foto: Kurt Vinion / Getty Images

Uschi Glas ist gut zu verstehen – außer, wenn sie kurz ins Bayerische verfällt. Martin Scholz und Britta Stuff erreichen sie am Telefon, ihr Mann sitzt am Steuer und Uschi Glas sagt, dass sie das Handy nun „ganz eng an Ohr und Mund drückt“, damit man möglichst wenig Auto und möglichst viel Glas hören kann.

Berliner Morgenpost: Frau Glas, Sie werden heute 70 Jahre alt – so alt wie Mick Jagger. Ist das ein angenehmer Vergleich?

Uschi Glas: (lacht) Absolut. Ich finde die Rolling Stones und Mick Jagger klasse. Die machen einfach immer weiter, lassen sich nicht abschreiben. Als der Jagger 70 wurde, hieß es ja auch: „Um Gottes willen, so alt ist der schon?!“ Jetzt bin ich selber 70. Alles kein Problem.

Was machen Sie heute?

Ich bin im Kreis meiner Familie. Es wird eine kleine Feier geben. Damit hat sich’s.

Fühlen Sie sich wie 70?

Nee. Ich weiß auch nicht, wie man sich mit 70 fühlen sollte. Soll ich mich jetzt anders anziehen? Mir geht’s saugut, ich habe Gott sei Dank keine Schmerzen, bin gesund. Ich habe noch viele Wünsche offen, möchte noch viel tun, sowohl beruflich als auch in Bereichen, in denen ich mich sozial engagiere, wie meinem „brotZeit-Verein“, mit dem wir kostenlos Frühstück an mehr als 120 Grundschulen in deutschen Städten anbieten. Das macht mir Spaß, spornt mich an. Und was die Sieben und die Null dahinter betrifft – ich kann es eh nicht ändern. Wenn man nicht 70 werden will, gibt es ja eine andere Lösung.

Nämlich?

Man kann vorher sterben.

Wann waren Sie am glücklichsten?

Ach, das ist schwer zu sagen. Glück kann in vielen Momenten da sein und wieder verschwinden. Die Geburten meiner drei Kinder waren absolute Glücksmomente, wenn du plötzlich so „a Wurschtl“ im Arm hältst, denkst dir: „Was?! Das ist jetzt aus mir rausgekommen?!“ Das ist ein großes Glück. Aber natürlich ist niemand permanent glücklich.

Schauen Sie mit zunehmendem Alter anders in den Spiegel als früher?

Die Vergrößerungsspiegel werden immer größer (lacht). Das ist natürlich ganz schön heftig. Man muss den Blick in den Spiegel vielleicht darauf beschränken, dass man nur so lange hinschaut, wie man sich die Wimpern tuscht. So ist es halt: Im Alter wird man faltiger. Dass ich nicht mehr ausschaue wie mit 25, ist mir auch vollkommen klar.

Bereuen Sie die Bikini-Fotos, die Sie 2003 mit 59 von sich haben machen lassen?

Ich bereue, dass ich nicht schriftlich vereinbart habe, diese Fotos nur in der einen Zeitschrift zum Abdruck freizugeben. Da war ich naiv. Das hatte ich noch per Handschlag ausgemacht. Das reichte nicht – die Fotos wurden überall gezeigt. Die Provokation, die von den Bildern ausging, hat mir gefallen: ich, mit 59 im Bikini und den schwarzen Lippen. Das hat mir einen Riesenspaß gemacht.

Hängen die Fotos bei Ihnen an der Wand?

Nein. Bei mir zu Hause hängen gar keine Bilder von mir an den Wänden.

Ihr Kollege Joachim Fuchsberger ist 86 und sagte, Altwerden sei nichts für Feiglinge. Können Sie dem Positives abgewinnen?

Man ist im Alter insgesamt gelassener. Als ich jung war, habe ich mich über vieles aufgeregt, bin auf die Barrikaden gegangen. Wenn heute andere auf die Barrikaden gehen, denke ich: „Mein Gott, das ist wie früher.“ Die Katastrophe bleibt dann Gott sei Dank meist aus. Das ist eine Gewissheit, die man erst mit dem Alter hat.

Sie waren 68erin und sind CSU-Wählerin – ziemlich widersprüchlich. Vielleicht können wir das Kontrastreiche in Ihrem Leben in einem Assoziationsspiel austesten. Wir nennen Ihnen zwei gegensätzliche Begriffe, die mit Ihrem Leben zu tun haben – Sie müssen sich spontan für einen entscheiden.

Okay.

Beatles oder Rolling Stones?

Ich bitte Sie – da kann ich mich nicht entscheiden, die finde ich beide toll.

Pierre Brice oder Bully Herbig?

Bully Herbig.

Markus Lanz oder Thomas Gottschalk?

Unfaire Frage. Zwei ganz verschiedene Begabungen. Ich kann dazu nichts sagen. Dazu kenne ich auch beide zu gut.

Facebook oder Twitter?

Beides nicht. Für so was fühle ich mich tatsächlich ein bisschen zu alt. Ich habe keine Lust zu posten, „Ich stehe gerade in der Küche und koche meinen Spinat“. Dieses Allgegenwärtigsein, furchtbar.

Googeln Sie Ihren eigenen Namen?

Nee, das hab’ ich noch nie gemacht. Ich muss mir nicht selbst im Netz begegnen. Ich weiß ja, was ich gemacht habe und wer ich bin.

Sie standen nach Ihrer Äußerung über Ostdeutsche bei Markus Lanz im Zentrum eines Shitstorms. Was macht das mit Ihnen?

Ich habe mich ja für meine missverständlichen Äußerungen entschuldigt. Ich hatte den Mindestlohn kritisiert und in dem Zusammenhang von nicht gut qualifizierten Menschen in Ostdeutschland gesprochen. Das war sehr unglücklich und missverständlich formuliert. Zudem hatte mir Markus Lanz in dem Moment das Wort abgeschnitten. Ich war da nicht clever genug, ihn ebenfalls zu unterbrechen. Was ich hatte sagen wollen, war, dass die ohnehin schon hohe Jugendarbeitslosigkeit in Ostdeutschland durch einen flächendeckenden Mindestlohn womöglich noch zunehmen könnte. Aber es macht mir zunehmend Angst, wenn ich sehe, mit wie viel Hass Menschen im Internet anonym über einen herziehen! Viele schrecken vor nichts zurück – ganz gleich, ob es jetzt um mich oder Lanz oder egal wen geht. Das ist fast wie eine öffentliche Steinigung. Grauenvoll.

Kennen Sie den Film „Harold and Maude“?

Ja, sicher, das ist ja ein Klassiker.

Darin verliebt sich ein lebensmüder 18-Jähriger in eine 79-Jährige. Die beiden haben Sex. Angenommen, man würde Ihnen ein ähnliches Sujet vorschlagen. Welchen der drei Schauspieler würden Sie als jungen Liebhaber wählen: Elias M’Barek, Matthias Schweighöfer oder Daniel Brühl?

E-L-I-A-S! (lacht) Ich verstehe, dass die jungen Mädchen alle ausflippen, wenn sie ihn sehen. Er hat einen Riesencharme. Und er ist ein ganz bo- denständiger, natürlicher junger Mann. Ich hoffe, er bleibt so. Ich finde ihn einfach klasse. Es hat großen Spaß gemacht, mit ihm „Fack ju Göhte“ zu drehen. Ich freue mich immer, wenn ich ihn sehe. Ich find’ den einen Schlaganfall.