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Warum Berlin Senta Bergers zweites Zuhause ist

Die österreichische Schauspielerin Senta Berger wohnt in Charlottenburg in einer Zweitwohnung. Neben München sei Berlin seit ihrem Karriere-Beginn eine gefühlte Heimat gewesen, sagt sie.

Foto: Reto Klar

Sie ist gebürtige Wienerin und lebt in München. Doch ihre dritte Heimat lautet: Berlin. „Mit Berlin bin ich für immer verbunden durch meine Biografie”, sagt Senta Berger.

Erst neulich Nacht, als sie nicht schlafen konnte, erzählt sie, habe sie wieder an diese Zeit im Oktober 1960 denken müssen, als sie zuerst in einer Pension an der Schlüterstraße, dann im „Parkhotel Zellermayer” an der Meinekestraße gewohnt habe. Zusammen mit anderen jungen Schauspielern. Es sei ihr Anfang gewesen.

Senta Berger wurde 1941 in Wien geboren, machte dort ihre ersten Schritte auf der Theaterbühne und schaffte es in den 60er-Jahren bis nach Hollywood. Heute sind es nicht mehr Charlton Heston, Frank Sinatra oder Kirk Douglas, mit denen die mittlerweile 72-Jährige vor der Kamera steht.

Und dennoch ist Senta Berger noch immer eine der bekanntesten Schauspielerinnen Deutschlands und hat sich mit ihrer Rolle als Kriminalrätin Dr. Eva Maria Prohacek in der ZDF-Krimireihe „Unter Verdacht“ einen festen Platz erspielt.

Als Ermittlerin ist sie ruppig und unbequem

Seit elf Jahren steht sie als etwas ruppige und unbequeme Ermittlerin an der Seite von Gerd Anthoff und Rudolf Krause vor der Kamera. Eine Rolle, an der sie selbst und die Zuschauer sich reiben sollen. Das liegt nicht nur an den politischen Themen bei „Unter Verdacht”, sondern vor allem an Eva Prohacek selbst. „Sie hat eine gewisse Selbstgefälligkeit und eher ein schroffes, abweisendes Wesen”, sagt Senta Berger. „Man darf sich nicht verführen lassen zu denken, dass man vom Publikum gemocht werden muss. Eva darf nicht plötzlich sympathischer oder weiblicher werden.”

Trotz ihrer Begeisterung für Eva Prohacek denkt Senta Berger auch an ein Ende der Reihe. Am kommenden Sonnabend (20.15 Uhr, ZDF) ist sie bereits zum 20. Mal in München und Umgebung im Einsatz. „Es kommt ja irgendwann der Punkt, wo eine wirkliche Kriminalrätin pensioniert werden müsste und das ist doch auch schon wieder ein paar Jahre her”, sagt sie. Vor einem echten Schlusspunkt möchte sie sich deshalb am liebsten drücken. „Ich kann immer sehr schwer Abschied nehmen”, sagt die Schauspielerin. „Ich bin eher eine ‚Flieherin’. Vielleicht fände ich es gar nicht schlecht, mich einfach ohne eine vorher angekündigte letzte Folge heraus zu schleichen.”

Der Mutter wegen drehte sie lieber in Süddeutschland

Dass die Serie ohne sie selbst oder einen ihrer beiden Kollegen weitergeführt wird, hält sie für undenkbar. „Unter Verdacht“ wurde 2003 von Drehbuchautor Alexander Adolph ganz auf Senta Berger zugeschnitten. So kam es auch, dass die Handlung, die zunächst in Berlin angesiedelt war, an die Isar verlegt wurde. „Es hatte tatsächlich private Gründe, dass wir uns am Ende für München entschieden haben. Damals lebte meine Mutter noch, aber niemand wusste, wie lange noch. Sie war damals 98 Jahre alt und ich hätte München nicht verlassen können”, sagt die Hauptdarstellerin.

Dennoch ist Berlin eine Konstante im Leben von Senta Berger. Die Stadt ihrer Anfänge als Filmschauspielerin, der „allerersten großen Aufregung“, wie sie sagt. Am Steinplatz hätten damals die Stars gewohnt. Lilli Palmer und Bernhard Wicki. „Und im ‚Parkhotel’ wohnten die Jungen”, erinnert sich Senta Berger. Dort habe sie auch ihren Ehemann Michael Verhoeven kennen gelernt.

Noch heute denkt Senta Berger mit Wehmut an diese ersten Schritte, aber auch die Einsamkeit und die Angst vor der großen Stadt. Vor allem der Bahnhof Zoo sei für sie ein Sehnsuchtsort geblieben. „Jede Woche bin ich zum Bahnhof Zoo gelaufen, um mit meiner Mutter zu telefonieren. Damals bekam man eine Nummer, musste sich aufs Bänkchen setzen und dann wurde man aufgerufen”, sagt sie. „Immer wenn ich dort vorüberfahre, muss ich daran denken, das ist immer da.“

In ihrem Herzen ist Senta Berger Berlin bis heute treu geblieben. Seit beinahe 50 Jahren ist sie mit einem gebürtigen Berliner verheiratet. Seit 25 Jahren haben die beiden eine Wohnung an der Mommsen-, Ecke Wielandstraße. Und wenn sie das Heimweh nach dem Kurfürstendamm packt, nimmt sie ihren Koffer – und reist schnell in ihre dritte Heimat.