Mit 46 Jahren

Oscar-Preisträger Philip Seymour Hoffman tot aufgefunden

Hollywood trauert um Philip Seymour Hoffman: Der amerikanische Filmschauspieler ist in seiner New Yorker Wohnung tot aufgefunden worden. Medien zufolge steckte eine Injektionsnadel in seinem Arm.

Der Oscar-Preisträger Philip Seymour Hoffman ist tot. Er starb in seiner Wohnung in New York. Laut der Zeitung „Wall Street Journal“, die als erste den Tod vermeldete, fand ein Drehbuchautor den Schauspieler in dessen Badezimmer.

Der überraschende Tod des 46-Jährigen wirft viele Fragen auf. Am Montag sollte eine Autopsie gemacht werden, teilte einer Sprecherin der New Yorker Gesundheitsbehörde, die Todesfälle untersucht, dem Sender CNN mit.

US-Medien berichteten unter Berufung auf Polizeikreise, dass der Schauspieler an einer Überdosis Drogen gestorben sei. In seinem Arm habe eine Injektionsnadel gesteckt, hieß es bei CNN. Zudem seien Beutel mit einer Substanz gefunden worden, bei der es sich um Heroin handeln soll. Dies berichtete auch die „New York Times“ am Sonntagabend (Ortszeit).

Ein Freund und Kollege, Drehbuchautor David Bar Katz, habe Hoffmans leblosen Körper gefunden und die Polizei alarmiert, meldete die Zeitung.

In der Wohnung des 46 Jahre alten Oscar-Preisträgers seien Pergamentpapier-Umschläge gefunden worden, in denen vermutlich Heroin gewesen sei. Diese Beweismittel würden noch untersucht, hieß es. Hoffman hatte offen über seine Drogenprobleme gesprochen. 2013 sagte er in Interviews, nach 23 Jahren ohne Drogen habe er wieder ein Heroin-Problem entwickelt, das zu einem Reha-Aufenthalt geführt habe.

„Dies ist ein tragischer und plötzlicher Verlust“, hieß es in einer Mitteilung von Hoffmans Familie. Nach dem Tod ihres „geliebten Phil“ sei sie am Boden zerstört. Die Angehörigen baten um Respekt und Wahrung ihrer Privatsphäre während der Trauerphase. Mit seiner langjährigen Partnerin, der Kostümbildnerin Mimi O'Donnell, hatte Hoffman drei Kinder.

Oscar für „Capote“

Philip Seymour Hoffman bewies, dass Männer nicht gut aussehen müssen, um interessant zu sein. Er spielte mit Brad Pitt, Tom Cruise und George Clooney. Und doch war es so, dass man auf Philip Seymour Hoffman schaute. 2006 bekam er den Oscar als bester männlicher Hauptdarsteller. Es gab keine Zweifel daran, dass dies eine gute Entscheidung war – obwohl er mit Heath Ledger („Brokeback Mountain“) und Joaquin Phoenix („Walk the Line“) zwei starke Konkurrenten hatte. Hoffman bekam den wichtigsten Filmpreis für „Capote“.

Hoffmans Tod ist etwas mysteriös und erinnert an das Ende von Heath Ledger. Es scheint ein bisschen so zu sein wie im Motto von Truman Capotes Roman-Fragment „Erhörte Gebete“: „Es werden mehr Tränen über erhörte Gebete vergossen als über nicht erhörte.“ Der Ruhm kann einen auch fertig machen.

In „Capote“ geht es um den US-Schriftsteller, der nach seinem großen Erfolg „Frühstück bei Tiffany“ an einem neuen Buch über einen grausamen Mord arbeitet („Kaltblütig“). Truman Capote ist Anfang der 60er-Jahre von seiner eigenen Genialität regelrecht besoffen. Er fährt von New York in eine kleine Stadt nach Kansas, um dort alles über die tote Familie und ihre Mörder herauszufinden. Capote will darüber das „Sachbuch des Jahrzehnts“ schreiben. An einer Stelle sagt er im Film: „Wenn ich daran denke, wie gut mein Buch werden kann, stockt mir der Atem.“ Hoffman spielte den exzentrischen, selbstverliebten, offen schwulen Truman Capote, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Eigentlich spielte er nicht Capote. Er war Capote.

Von dieser Kategorie Schauspieler gibt es eigentlich nur einen weiteren. Auch Daniel Day Lewis kann das, vielleicht sogar noch ein bisschen besser: einen Charakter so vollkommen annehmen, dass der Schauspieler dahinter verschwindet. 2006 war Philip Seymour Hoffman ein Wunderkind, wie Truman Capote in den 50er-Jahren eines war. Und er hatte noch lange nicht genug: Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, das Hoffman ein neues Regie-Projekt übernehmen wollte. Die beiden Hollywoodstars Amy Adams und Jake Gyllenhaal sollten in dem übernatürlichen Drama „Ezekiel Moss“ die Hauptrollen spielen, berichtete das US-Branchenblatt „Hollywood Reporter“ am Freitag. Sein Regiedebüt gab Hoffman 2011 mit der Theateradaption „Jack in Love“, in der er auch die Hauptrolle eines introvertierten Mannes spielte.

Außergewöhnliche Rollen

Zu Beginn seiner Hollywood-Karriere hatte Hoffman mit kleinen, aber außergewöhnlichen Rollen die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Er war der speichelleckende Butler in „The Big Lebowski“ oder der verkappte Homosexuelle in der Porno-Komödie „Boogie Nights“. Es waren außergewöhnliche Rollen, und sie waren nicht nur künstlerisch halbwegs anspruchsvoll, Hoffman hat in diesen Filmen die Menschen auch grandios unterhalten. Es war schon zu erkennen, dass dieser Mann eine besondere Gabe hat. Und womöglich auch eine große Zukunft.

Nach dem Oscar spielte Hoffman dann in „Die Iden des März“ einen Wahlkampfberater an der Seite von George Clooney, in „Moneyball“ einen knurrigen Baseball-Trainer neben Brad Pitt und in „The Master“ einen Sektenführer. Alles tolle Rollen, alles tolle Filme. Und doch war es so, dass etwas fehlte. Dass man von ihm noch etwas erwartete. Noch zwei, drei richtig große Filme. Vielleicht erwartete er das auch von sich selbst, vielleicht ist er auch an diesem Druck zerbrochen.

So war es am Ende auch bei Truman Capote. Er schnupfte Kokain und soff Wodka. Er sagte: „Ich trinke, um es überhaupt auszuhalten.“ Kurz vor seinem Tod, als eine Freundin ihn ins Krankenhaus fahren wollte, sagte er: „Nein, keine Krankenhäuser mehr.“ Es scheint so zu sein, dass Philip Seymour Hoffman auch im Moment seines Todes Truman Capote war.