Fernsehshow

„Wenn sie so weitermacht, wird Larissa Dschungelkönig“

Tag 2 der RTL-Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“: Im Dschungelcamp kreisen die Kameras fast nur um Model Larissa Marolt aus Österreich. Sie belegt gleich ein Dutzend der beliebtesten Rollen.

Tag 2 im australischen Dschungel, das ist traditionell der Tag der Rollenfindung. Obwohl, eine war ja schon am ersten Tag von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ vorgeprescht. Larissa Marolt, „Next Topmodel“ aus Österreich mit Sprechdurchfall, die kraftvoll die Rolle des Dschungel-Biestes übernahm. Und die der Dschungel-Diva. Der Dschungel-Intrigantin. Der Dschungel-Verweigerin. Nicht schlecht für einen Sendetag, und von den Zuschauern konsequent belohnt mit der Wahl in die nächste Dschungelprüfung.

Viel Platz für Profilierung blieb den anderen zehn Mitstreitern da nicht. Allein Schlagersänger Michael Wendler konnte an seiner Figur arbeiten, blieb aber etwas unentschieden zwischen zupackend und weinerlich stecken.

Nun also die Chance für jede und jeden, sich in den Vordergrund zu spielen, vor den Kameras die Rolle zu finden und Sendezeit für sich herauszuholen. Wer von den elf Kandidaten nutzte das konsequent? Larissa Marolt. Sie sicherte sich gleich noch ein paar weitere Lieblingsrollen der vergangenen Staffeln. Die Heulsuse. Die Rebellin. Die Außenseiterin. Die Gemobbte. Die Unverstandene.

Den Spott gewonnen

Das schreit nach Kommentaren der Moderatoren. „Wer hätte gedacht, dass jemals jemand aus Österreich in Deutschland so unbeliebt sein könnte?“ Und: „Wo kommt sie eigentlich her?“ „Aus Klagenfurt.“ Wer den Schaden hat, gewinnt den Spott von Sonja Zietlow und Daniel Hartwich.

Moderatoren–Kandidaten–Zuschauer: So heißen die Ecken des magischen Dreiecks der RTL-Show. Als Verlierer ziehen die viertelprominenten Kandidaten ins Camp ein, mindestens der Häme, höchstens des Bedauerns wert. Es fehlt ihnen notorisch an Geld und Ausstrahlung, die Dschungelbühne ist ihre letzte Chance.

Die Zuschauer können jetzt wechselnde Koalitionen schließen. Die Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich können Schwester und Bruder im Geiste werden, gemeinsam mit ihnen kann man sich über die Kandidaten erheben und eine Stunde lang auf deren Kosten amüsieren.

Reis-und-Bohnen-Leid

Die Daheimsitzenden können sich aber auch lossagen von der australischen Schadenfreude und mit den Kandidaten verbünden. Anteilnahme und Solidarität sind angesagt, und aus dieser Perspektive entwickeln die elf Dschungelbewohner in ihrem lächerlichen Reis-und-Bohnen-Leid auf einmal so etwas wie Würde – Menschen, die sich in feindlicher TV-Umgebung individuell behaupten.

Dieses ständige Wechselspiel wird befeuert durch die Frage: Was ist hier echt, was ist inszeniert? Sind Moderatoren und Kandidaten die wahren Verbündeten, weil sie genau einstudierter Rollenverteilung folgen? Oder sind die erniedrigten Dschungelbewohner die über alles Erhabenen, weil sie ihr eigenes Drehbuch schreiben und nach Staffel-Schluss ihre Rollen ab- und neue Gagen für Platten-, Show- und Werbeverträge einstreichen? Oder, schlimmste aller Annahmen: Sind die vielleicht doch alle wirklich so?

Vier Sterne im Erdloch

Womit wir wieder bei Larissa Marolt wären. Und bei ihren zehn Mitspielern, die erst mal zum Reagieren verdammt sind. Sie unterstellen ihr, alles im Camp nur zu spielen. Eine Taktik der Diskreditierung, die nicht verfangen kann. Denn geschickte und ungeschickte Inszenierungen, sie sind nun mal ein Kern der Show und vergrößern nur die Frage, was da wirklich echt ist an den Kandidaten.

Larissa Marolt hat außerdem das Potenzial, den Hebel umzulegen. Am Tag 2 noch Schreikönigin bei der Dschungelprüfung, die aus Angst vor Spinnen mit nur vier Sternen aus dem Erdloch kriecht, könnte sie bald als Einzelkämpferin diejenige sein, der alles Mitleid der Zuschauer gehört. Oder sie könnte sich bei der nächsten Dschungelprüfung sportlich und diszipliniert zeigen. Denn auch an Tag 3 schicken die Zuschauer wieder Larissa zur Dschungelprüfung – ein neuer Sieg im Kampf um Sendezeit.

Künftig müssen schärfere Geschosse der anderen Kandidaten her. „Larissa ist wohl als Baby vom Wickeltisch gefallen“, sagt Erotikmodel Melanie Müller. „Sie hat einen total nervigen Lebensentwurf“, sagt Schauspieler Winfried Glatzeder.

Berliner Fraktion im Urwald

Wie aber selbst punkten? Die Berliner Fraktion ist dieses Jahr zahlreich im Dschungel, und sie bleibt noch blass. Sängerin „Gabby“ Christina De Almeida Rinne, Model und Ex-Frau Corinna Drews, Schauspieler Winfried Glatzeder und Designer Julian F.M. Stoeckel, sie alle kommen aus der Hauptstadt. Eine große Berliner Koalition zeichnet sich da aber noch nicht ab. Zu verschieden sind die vier, um Richtung Finale gemeinsame Sache zu machen.

Aber auch den anderen lässt Larissa Marolt kaum Raum. Immerhin redet Michael Wendler von sich in der dritten Person und munkelt von Verschwörungen gegen „den Wendler“ – königliches Gebaren, zu dem noch die Gefolgschaft fehlt. Melanie Müller versucht sich als Gegenspielerin von Larissa, zieht jedoch schnell den Kürzeren.

Moderator Mola Adebisi gibt den Vermittler im Camp – und scheint den Glauben schon jetzt verloren zu haben: „Wenn sie so weitermacht, wird Larissa Dschungelkönig“, sagt er. Das klingt wirklich echt. Echt resigniert.