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Warum Demenz für Hannelore Hoger ein Thema ist

Hannelore Hoger und Frederick Lau spielen in einem Film über Demenz. Für beide Schauspieler ist es ein wichtiges Thema, für die Grimme-Preisträgerin sogar ein ganz persönliches.

Foto: ARD Degeto/Frank Dicks

Grimme-Preisträgerin Hannelore Hoger, 71, und der mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnete Frederick Lau, 24, spielen in „Nichts für Feiglinge“ (Freitag, 20.15 Uhr, ARD) erstmals gemeinsam. Hoger spielt eine in die Demenz abgleitende Ex-Lehrerin, Lau den naiven, Musik studierenden Enkel, der die Großmutter widerwillig zu sich in die Studenten-WG holt, weil sie nicht mehr allein leben kann, aber nicht ins Altersheim will.

Berliner Morgenpost: Herr Lau, warum haben Sie als junger Mensch bei diesem Film mitgemacht?

Frederick Lau: Ich habe das Drehbuch gelesen und musste an meinen Vater denken. Der ist auch schon älter, und man merkt, dass er ein paar Zipperlein hat, dass sich etwas verändert. Allerdings hat es nichts mit Demenz zu tun. Aber das Thema ist wichtig, weil es eine Entwicklung ist, die viele Menschen betrifft, wenn sie älter werden. Deshalb muss man sich aus meiner Sicht darauf vorbereiten.

Frau Hoger, Ihre Mutter war im hohen Alter dement. Fällt es leichter, in einem Film mit diesem Thema mitzuspielen, wenn man ein persönliches Erleben dazu hat?

Hannelore Hoger: Ob man es leichter spielen kann, ist eine andere Frage. Aber mit der Problematik war ich sehr beschäftigt. Meine Mutter war fast 90 Jahre alt und drei Jahre im Heim, weil sie rund um die Uhr betreut werden musste – was wir Kinder nicht hingekriegt haben. Wir standen alle in Arbeitsprozessen, und bei vier Geschwistern waren natürlich nicht alle Beziehungen nur rosig. Im Nachhinein sage ich, es wäre besser gewesen, wir hätten es mit vereinten Kräften geschafft. Haben wir aber nicht.

Herr Lau, Tod ist für Sie als junger Mensch kein Thema, oder?

Lau: Nee, das blendet man komplett aus. Deswegen war es auch ein komisches Gefühl, als während des Drehs der Leichenwagen im Altersheim vorfuhr, um einen Toten abzuholen. Obwohl ich mich an den Tod meiner Oma mütterlicherseits gut erinnern kann. Die ist mit 82 Jahren gestorben. Aber klar ist es für jemanden, der jung ist, schwer zu realisieren, was da passiert und wie. Für das Nachvollziehen braucht man wahrscheinlich eine gewisse Reife.

Die hatte ja Frau Hoger?

Hoger: Tod ist für jeden ein Thema!

Lau: Typisch Hannelore. Ich mag Leute, die eine gewisse Schnodderigkeit an den Tag legen. Ich weiß noch, wie Hannelore mir gleich zu Beginn der Dreharbeiten gesagt hat, ich solle lauter und deutlicher sprechen ...

Hoger: Ja, er saß neben mir, und ich hab ihn nicht verstanden.

Und dann?

Lau: Dann habe ich gesagt, das mache ich schon, Frau Hoger. Damals haben wir uns noch nicht geduzt. Man muss ja auch sehen, sie ist eine gestandene Schauspielerin, und dann kommt so ein junger Kerl! Natürlich musste ich ihr schauspielerisch erst mal zeigen, dass ich was kann. Ich musste die Rolle erst einmal annehmen, und sie hat geguckt, was der Junge daraus macht. Anfangs hatte ich großen Respekt vor ihr!

Kann man sagen, Sie hatten Spaß miteinander?

Lau: Definitiv!

Hoger: Es war ein sehr angenehmer Dreh! Wir haben viel gelacht.

Ein gewisser Spaß kommt auch im Film rüber. Am Ende hat er sogar etwas Tröstliches. Gibt es eine Botschaft?

Lau: Ich sehe in dem Film ganz klar eine Botschaft: Wir müssen uns wieder mehr umeinander kümmern. In Deutschland werden Menschen zu schnell weggegeben, in Altersheime beispielsweise, weil die meisten glauben, keine Zeit zu haben, um sich zu kümmern. Wir müssen uns bewusst machen, wie einsam es macht, allein gelassen zu werden. Vor allem, wenn man sich nicht mehr mitteilen kann. Deshalb nehme ich meinen Vater auch gern in den Arm.

Haben Sie Angst vor der Krankheit?

Hoger: Ja. Und damit bin ich nicht alleine. Ich finde den Gedanken, abhängig zu sein, sich nicht wehren zu können, nicht erhebend.