Stil in Berlin

Jazzmusiker Till Brönner modelt im Anzug und mit Trompete

Der Trompeter Till Brönner gehört nicht nur zu den bekanntesten Jazzmusikern der Welt, sondern macht auch als Model eine gute Figur. Ein Gespräch über Männermode, italienische Lebensart und seine Liebe zu Berlin.

Foto: Eduard Dressler

Er gehört zu den bekanntesten Jazztrompetern der Welt, stand mit Dave Brubeck, Monty Alexander und Klaus Doldinger auf der Bühne, begleitete Sängerin Carla Bruni und saß mit Sarah Connor als Juror in der Castingshow „X-Faktor“: Till Brönner.

Jetzt modelt der 42-Jährige für die Anzugmarke Eduard Dressler. Die Berliner Morgenpost sprach mit ihm über Männermode, italienische Lebensart und seine Liebe zu Berlin.

Berliner Morgenpost: Wie kam Ihr Job als Model für die Kampagne zustande?

Till Brönner: Die Firma hat sich in der Vergangenheit schon gezielt Charaktere ausgesucht, die nicht aus der Welt der Mode stammen, wie zum Beispiel das Berliner Architektenteam von Graft. Das hat mir gut gefallen, weil es ein anderer Ansatz ist. Es geht bei der Kampagne ebenso um den Inhalt wie um die Verpackung. Deshalb habe ich mich sehr über die Anfrage gefreut. Ich hatte das Gefühl, in guter Gesellschaft zu sein. Zudem gefällt mir die klassische Männermode, für die das Label steht. Ich habe über die Jahre gemerkt, dass ich mich musikalisch auch immer wieder auf das Wesentliche, auf meine Wurzeln, konzentrieren möchte. Das gefällt mir auch bei der Mode: Die Konzentration auf das Wesentliche.

Sie tragen auch auf der Bühne meistens Anzug - freiwillig oder notgedrungen?

Meine öffentlichen Auftritte sind schon sehr „Anzug-gesteuert“. Die Musik ist der Mittelpunkt, meine Kleidung soll davon nicht ablenken. Im besten Fall sollten Mode und Musik auf Augenhöhe sein - das Outfit die Musik unterstreichen. Ich würde mich nie in einem bunten Disco-Outfit auf die Bühne stellen, weil das nicht meinen Stil widerspiegelt.

Jazz ist nicht nur Ihre musikalische Stilrichtung, sondern hat auch mit Ihrem persönlichen Stil zu tun. Wie würden Sie diesen beschreiben?

Das ist ein eleganter, männlicher Stil, der sicher auch daher rührt, dass der Bruch zwischen einem Musikinstrument und klassischer Kleidung in meinen Augen ein sehr reizvoller ist. Wenn ein Schlagzeuger eine Lederjacke trägt, dann ist das keine große Überraschung. Aber schauen Sie sich Charlie Watts an, den Schlagzeuger der Rolling Stones: Der trägt Anzug und schmale Krawatten und spielt Rock´n`Roll. Das ist ein Bruch – und Brüche sind interessant. In der Musik ebenso wie in der Mode oder der Kunst. Ich halte das für essenziell, dass man beim Jazz eine gewisse Ausstrahlung oder Lässigkeit auch modisch unterstreicht.

Sind Sie jemand, der sich selbst gern auf Fotos sieht – oder denken Sie dann: Wie sehe ich denn aus?

Nein (lacht). Ich kann mich inzwischen ganz gut sehen. Es ist ja auch nicht so, dass ich keine Erfahrung mit Abbildungen habe. Ich werde oft für meine CD-Cover fotografiert. Aber das hat sich über die Jahre auch geändert. Es gab Aufnahmen, gerade zu Beginn meiner Karriere, wenn ich mich da heute sehe - mit einem zu weiten Anzug und Schuhen, die nicht dazu gepasst haben – dann denke ich schon: „Meine Güte, das würde ich nicht mehr anziehen!“ Aber es gibt auch zeitlose Klamotten, die konnte man vor 40 Jahren anziehen ebenso anziehen wie heute. Schauspieler Cary Grant ist da für mich ein Vorbild: Der trug Anzüge, die toll aussahen und nie aus der Mode gekommen sind. So könnte man heute noch 1:1 auf die Straße gehen und würde größten Respekt für diesen Stil bekommen.

Aufgewachsen sind Sie in Rom. Inwiefern hat Sie das geprägt?

Man hat in Italien ein ganz anderes Lebensgefühl. Die Männer haben ein anderes Selbstverständnis – auch in Sachen Mode. In Italien kann man wunderbar im edlen Anzug aus einem verbeulten Cinquecento aussteigen und trotzdem „Bella Figura“ machen. Auch eine Schramme im teuren Schuh ist da ein Bekenntnis zum Leben. Das ist eine ganz andere Lässigkeit. Die fehlt den deutschen Männern. Die wollen leider oft zu perfekt sein.

Sie sind beruflich sehr viel unterwegs, trotzdem ist Berlin ein fester Anlaufpunkt. Was mögen Sie an der Stadt?

Die beste Technik ist, Berlin immer wieder zu verlassen und dann zurückzukommen. Das verändert die Perspektive, und zwar zum Positiven. Die Nachteile kennt jeder, der hier länger lebt. Irgendwann läuft man Gefahr, nur noch zu nörgeln . Wenn man Berlin verlässt und dann wiederkommt, ist es wunderbar! Die Stadt gibt Individuen ein Zuhause. Künstler, Musiker, Kreative finden hier Platz, um sich auszuprobieren.

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