Zurück nach Berlin

Gunter Gabriels Leben war „eine echt harte Nummer“

In seinem Musical „Ich, Gunter Gabriel“, das am Abend Premiere in Berlin im Theater am Kurfürstendamm feiert, zieht der Sänger Bilanz. Berlin war immer und wird wieder ein Ankerort für ihn.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Er humpelt noch ein wenig nach seinem Sturz vor wenigen Wochen, seine Stimme klingt tief und verraucht, das Leben ist ihm ins Gesicht geschrieben. Gunter Gabriel hat in seinen 71 Lebensjahren nur wenig ausgelassen.

Einiges davon ist ab diesem Donnerstag in Berlin im Theater am Kurfürstendamm in dem Stück „Ich, Gunter Gabriel. Mein Leben mit Musik“ zu sehen. Der Countrysänger erzählt darin seine eigene Geschichte: mit 14 vom Vater auf die Straße gesetzt, Nebenjobs als Tankwart und Möbelpacker, schließlich die große Karriere und der große Absturz, Alkohol und Drogen, vier Ehen und unzählige Affären.

„Tendenziell muss ich sagen, mein Leben war eine echt harte Nummer. Ich bin daran nicht kaputt gegangen, aber ich bin ein Ersatzteillager geworden. Im bürgerlichen Sinne bin ich gescheitert“, sagt Gunter Gabriel.

Gerettet hat ihn nur die Musik: „Meine Gitarre hat mir auch in der bittersten Zeit immer geholfen. Wenn ich auf die Songs zurückblicke, die ich geschrieben habe und sehe, wie die Leute dazu heute immer noch abgehen, denke ich: ‚War ja doch nicht so schlecht, was ich gemacht habe‘.“

Einige Szenen rühren ihn zu Tränen

Die Idee, das Leben des gebürtigen Bündeners auf die Bühne zu bringen hatte der Regisseur Volker Kühn, mit dem Gunter Gabriel schon bei dem Bühnenstück „Hello, I’m Johnny Cash“ zusammengearbeitet hat. „Er sagte: ‚Dein Leben ist doch noch viel beschissener als das von Johnny Cash‘”, so Gabriel.

Für ihn selbst sei die Arbeit daran vor allem ein guter Rückblick gewesen. „Einige Szenen rühren mich noch heute zu Tränen“, sagt der Musiker. „Aber das ist gelebtes Leben. Ich bin auch mit den bitteren Erfahrungen, die wehgetan haben, immer ehrlich umgegangen.“

Eine zentrale Rolle in der Karriere von Gunter Gabriel spielt Berlin. 1971 kam er in den Westteil der Stadt, arbeitete bei Hansa Records als Songschreiber und als DJ in der Diskothek „Dachluke“ am Mehringdamm in Kreuzberg, bevor er seinen ersten Song „Freiheit ist ein Abenteuer“ aufnahm und zum Star wurde.

„Ich kam aus der Dunkelheit des Lebens und plötzlich war ich in der Hitparade. Immer wenn ich irgendwo aufgetaucht bin, war ich umringt von Menschen. Ich habe mich plötzlich geliebt gefühlt“, sagt der Sänger. „Sogar von der Polizei. Ich bin mit meiner Harley Davidson ins KaDeWe gefahren und die haben noch applaudiert. Wir haben jeden Scheiß gemacht. Ich habe einen Perserteppich im Hotel ‚Schweizerhof‘ geklaut, da haben sie mich auf dem Tauentzien aufgefischt. Das war Übermut und plötzlich glücklich sein.”

Mit seinen Ex-Frauen Frieden geschlossen

Das Leben auf der Überholspur blieb nicht ohne Folgen. Mitte der 80er-Jahre war Gunter Gabriel pleite und verschuldet. Es folgten Alkoholabstürze, Negativschlagzeilen wegen des Vorwurfes der häuslichen Gewalt und zehn Jahre in einem Wohnmobil. Im Rückblick die beste Zeit seines Lebens: „Ich lebte damals einfach nur von einer Tankfüllung zu nächsten. Ich bin im Nachhinein froh, dass ich so auf die Schnauze gefallen bin.”

Mittlerweile ist Gunter Gabriel ruhiger geworden. Mit seinen Ex-Frauen hat er Frieden geschlossen, dem Alkohol hat er abgeschworen und mit seinem Hausboot ist er in Hamburg vor Anker gegangen. „Ich bin ein sehr melancholischer Mensch, aber das hätte ich mit 30 nie zugegeben. Damals brauchte ich eine Harley, um mich zu definieren. Heute konzentriere ich mich aufs Wesentliche”, sagt er.

Das Wesentliche ist für ihn heute die Möglichkeit, seine Erfahrungen mit seiner Tochter zu teilen und auf seinem Hausboot eine Heimat gefunden zu haben. Diese verlagert Gunter Gabriel Ende September zurück nach Berlin.

Derzeit ist er auf der Suche nach dem perfekten Anlegeplatz für sein Zuhause. „Am liebsten würde ich an den Spandauer Hafen, nach Krumme Lanke oder nach Leest an der Havel“, so Gabriel. „In der ersten Nacht werde ich auf jeden Fall im Vorgarten von Günther Jauch ankern.“