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Schauspielerin Rooney Mara findet Liebesszenen unsexy

Seit man sie als Lisbeth Salander in der Stieg-Larsson-Verfilmung „Verblendung“ sehen konnte, gilt Rooney Mara in Hollywood als Ausnahmetalent. Ein Gespräch über lästige Journalisten und Schüchternheit.

Foto: sr / Getty Images

Schon für ihre erste große Hauptrolle bekam Rooney Mara eine Oscar-Nominierung. Doch die 28-Jährige findet nicht selbst die Worte, um über diese Erfahrung zu sprechen. Lieber zitiert sie dazu ein paar Banalitäten, die ihr Kollege Jude Law dazu formulierte: Dass es schön sei, die Anerkennung der Standesgenossen zu bekommen.

Ihre Körpersprache und Ausstrahlung bei diesem Termin im Berliner Adlon Hotel sind unverkennbar schüchtern, selbst wenn ihr Erscheinungsbild sehr gestylt ist, inklusive eines extravagant großen Goldrings. Gleichzeitig ist in ihrem Blick und Tonfall eine unterschwellige Verschmitztheit zu erkennen – wie bei jemandem, der viele Geheimnisse verraten könnte, wenn er nur wollte. In ihren Rollen zeigt die New Yorkerin dagegen keine Zurückhaltung, auch nicht in ihrem intrigenreichen Thriller „Side Effects“, der kommende Woche startet.

Und etwas kann sie auch in diesem Gespräch nicht verbergen: die Intelligenz einer Person, die die Mechanismen eines Interviews genau durchschaut.

Berliner Morgenpost: Mögen Sie es, über sich selbst zu sprechen?

Rooney Mara: Offen gestanden: nein. Aber das trifft wohl auf die meisten Leute zu.

Nur dass die meisten Leute keine Filmstars wie Sie sind. Sie müssen sich also daran gewöhnen.

Das habe ich auch bis zu einem gewissen Grad getan. Bei „Verblendung“ war das noch viel schwieriger. Ich kann es mir in der Tat nicht aussuchen. Als Schauspieler hast du keine andere Wahl, als diese Pressetermine zu absolvieren. Ich habe jetzt versucht von meinem Kollegen Jude Law zu lernen, den ich bei den Interviews zu „Side Effects“ erlebt habe. Ich war sehr beeindruckt, wie großzügig und aufmerksam er als Antwortgeber ist. Künftig will ich versuchen, auch etwas offener zu sein.

Würden Sie sich als schüchtern beschreiben?

Ich würde sagen: reserviert. Das heißt auch, ich halte gerne Informationen über mich zurück.

Andererseits spielen Sie ziemlich extreme Charaktere – angefangen mit Lisbeth Salander. Auch in „Side Effects“ gibt es sehr intensive Szenen. Da müssen Sie doch etwas von sich preisgeben.

Das tue ich, aber ich fühle mich nicht ungeschützt, denn ich bin da nicht ich selbst, sondern eine fiktive Figur. Und es hat natürlich etwas Kathartisches an sich, wenn du so extreme Emotionen ausleben kannst.

Es hat Sie in Ihrem neuen Film auch nicht gestört, als Sie Ihre Partnerin Catherine Zeta-Jones küssen mussten?

Nein, es war einfach nur Arbeit. Ich meine, es war so angenehm, wie ein Filmkuss sein kann. Vielleicht war’s in diesem Fall weniger unbeholfen als in anderen Filmen. Wobei ich es grundsätzlich unsexy finde, Liebesszenen zu drehen.

Es macht also auch keinen Unterschied, ob mit Mann oder Frau?

Nicht für mich. Das Entscheidende ist, wie erwachsen dein Partner damit umgeht. Manche Leute im Drehteam mögen die Szene in „Side Effects“ vielleicht als aufreizend oder komisch empfunden haben, aber ich selbst habe das nicht so erlebt.

Die Figuren in dem Film machen einander viel vor – ganz besonders die Frauen. Können die besser schauspielern als Männer?

Nein. Ich finde, Männer sind auch gute Lügner, wenn sie nicht sogar häufiger als Frauen lügen. Ich zum Beispiel bin keine gute Lügnerin. Frauen sind aber nach meiner Erfahrung viel begabter darin, die Dinge schönzureden. Und sie können eine Situation besser in ihrem Sinne manipulieren. Aber das ist natürlich eine Verallgemeinerung; jede Person ist anders.

Sind Sie denn eine gute Manipulateurin?

Ja. Auf jeden Fall kann ich besser manipulieren als lügen.

Wann zum Beispiel müssen sie das tun?

Das ist jetzt genau ein Thema, über das ich nicht so gerne reden möchte (lacht).

Vielleicht, wenn Sie eine Rolle bekommen wollen?

Nein, dann nicht.

Hätten Sie sich eigentlich einen anderen Job vorstellen können als die Schauspielerei?

Ich hatte keinen Plan B, aber mir wäre sicher etwas eingefallen.

Haben Sie je mit dem Gedanken gespielt, wieder auszusteigen?

Den gab es tatsächlich. 2010 drehte ich den Horrorfilm „A Nightmare on Elm Street“, und diese Erfahrung war sehr frustrierend. Eigentlich wollte ich die Rolle gar nicht, aber ich nahm dann trotzdem beim Vorsprechen teil und bekam sie prompt. Ich dachte mir: Wenn ich künftig nur solche Filme bekomme, dann interessiert mich dieser Beruf nicht mehr. Zum Glück bekam ich danach das Angebot für „Social Network“, und diese Erfahrung weckte meine Begeisterung wieder.

Wie kommt ein sehr zurückhaltendes Mädchen zu einem Beruf, bei dem sie so im Rampenlicht steht?

Ich habe diese Welt einfach immer geliebt. In meiner Kindheit hat meine Mutter meine ältere Schwester, die auch Schauspielerin geworden ist, und mich ständig an den Broadway ins Theater mitgenommen. Und sie hat uns alte Filme gezeigt – wie „Vom Winde verweht“, „Leoparden küsst man nicht“ oder „Rebecca“. Ich besuchte dann so kleine, lächerliche Theaterkurse; ich wusste einfach, dass ich das machen wollte. Allerdings nicht gleich beruflich, ich wollte erst mal die Schule abschließen, was ich auch getan habe.

Fing Ihre Schwester vor Ihnen an?

Ja, ich habe gesehen, wie sie vor mir Rollen bekam. Dass ich Schauspielerin geworden bin, ist auch ein bisschen so eine Trotzreaktion ‚Sie macht das, und ich tue es nicht.’

Ist Ihre Schwester genauso verschlossen wie Sie?

Nein, wir stehen und zwar sehr nahe und es ist auch sehr angenehm, dass ich mich mit ihr austauschen kann, aber sie ist ganz anders als ich – offener und freundlicher. Wahrscheinlich würden Sie sie sympathischer finden (lacht).

Sie sind die Düstere von Ihnen beiden?

So könnte man das sagen. Ich bin ziemlich negativ und zynisch drauf (lacht). So ist meine Lebenseinstellung.

Woher kommt die? Immerhin stammen Sie aus einem wohlhabenden Familienclan, der mit American Football ein Vermögen machte.

Sie müssen doch einfach nur die Nachrichten einschalten. Dann sehen Sie: Die Welt ist ein ziemlich düsterer Ort.

Manche Leute nehmen Medikamente, um die Welt rosiger zu sehen – auch ein Thema von „Side Effects“. Was halten Sie davon?

Die Gesellschaft versucht immer, einfache Lösungen zu finden. Das fängt schon bei diesem Interview an. Ihr iPhone, mit dem Sie das Gespräch aufnehmen, hat ein Mikrofon, damit Sie nicht zwei Geräte mit sich rumschleppen müssen. Und so suchen die Leute immer nach etwas, damit sie sich schneller, besser und stärker fühlen. Wir leben in einer Gesellschaft, die mit Arztrezepten überschwemmt ist. Wobei ich aber nicht bestreiten möchte, dass es Leute gibt, die wirklich solche Medikamente brauchen. Für die kann das das lebensrettend sein.

Aber Sie würden keine Stimmungsaufheller nehmen?

Ich versuche überhaupt keine Medikamente zu nehmen – grundsätzlich nicht.

Es kann doch mal sein, dass Sie Antibiotika brauchen.

Auch die nicht. Denn ich habe sie haufenweise bekommen, als ich ein Kind war. Und das hat mir ein sehr schwaches Immunsystem beschert. Ich habe meinem Körper nie eine Chance gegeben, sich selbst zu heilen. Und das hat die Konsequenz, dass ich heute sehr leicht krank werde.

Und wenn es mal wirklich ernst werden sollte?

Wenn ich irgendwann in einer abgrundtiefen Depression stecken sollte, aus der ich psychisch und physisch selbst nicht mehr aus eigener Kraft hinauskomme, dann hätte ich wohl keine Wahl, als etwas zu nehmen. Aber ich will gar nicht an den Fall denken, dass mal eine schlimme Grippe grassiert, weil eben kein Antibiotikum bei mir anschlägt. Ich kann nur sagen: Gott bewahre. Die einzige Lektion ist: Medikamente sollten nur zum Einsatz kommen, wenn es absolut keine andere Option gibt.

Lassen Sie uns lieber über etwas Positiveres reden. Zum Beispiel den großen Sport Ihrer Familie – American Football. Haben Sie selbst eine Affinität dazu?

Klar, bin ich da leidenschaftlich interessiert. Aber mit meiner Familie hatte ich auch keine andere Wahl. Schon als Kind habe ich viele Spiele besucht – damals allerdings nicht freiwillig.

Der eine Ihrer Urgroßväter gründete die New York Giants, der andre die Pittsburgh Steelers – welcher der beiden Vereine ist Ihr Favorit?

Diese Frage kann ich leider nicht beantworten. Denn damit würde ich eine Familienfehde auslösen.

So sind wir schon wieder bei einem schwierigen Thema gelandet. Trotz Ihrer Skepsis wollen Sie die Welt auch positiv verändern. Sie haben eine eigene Wohltätigkeitsorganisation gegründet, die in Afrika aktiv ist.

Ja, das ist aber eine sehr kleine Organisation. Unsere ganzen Aktivitäten beschränken sich auf Kibera, einen Slum im Südwesten von Nairobi. Wir haben da ein Gemeinschaftszentrum und organisieren Freizeit- und Weiterbildungsprogramme für Kinder. Ein ganzer Haufen von Kids geht da nach der Schule hin, was ihnen dann bessere Chancen gibt, etwas aus ihrem Leben zu machen. Das läuft momentan ziemlich gut.

Wie häufig sind Sie selbst vor Ort?

Leider nicht so oft, wie ich mir das vorstelle. Mit meinem Beruf habe ich nicht die Zeit, aber immerhin habe ich es im Dezember wieder einmal geschafft.

Wäre das Ihr Ding – einmal mehrere Monate dort zu leben und sich nur darum zu kümmern?

Ich kann es nicht sagen. Die Organisation entstand durch die Fusion zwischen meiner eigenen Initiative „Faces of Kibera“ und der NGO Uwetra, die von Jen Sapitro gegründet wurde. Jen lebt jetzt die ganze Zeit vor Ort und betreut alles als Geschäftsführerin. Das ist viel härter als jeder meiner Schauspieljobs. Ich würde gerne von mir glauben, dass ich dazu imstande wäre – aber wer weiß das schon.

Sie gründeten Ihre Initiative schon mit 21. Wie kommt eine junge Schauspielerin aus einer High Society-Familie zu so einem Engagement?

Aus lauter Langeweile. Ich war erst auf einer normalen Universität, aber ich konnte es nicht ertragen, im Seminarraum zu sitzen – schon in der Schulzeit hatte ich damit Probleme. Also ging ich auf eine Hochschule, wo der Unterricht beim Reisen abgehalten wird. Wenn du etwas über die Inka lernst, dann bist du dabei in Machu Picchu. Und als ich ein Afrika-Seminar hatte, entschloss ich mich spontan, nach Kenia zu fliegen. So entdeckte ich dieses Land für mich und beschloss mich zu engagieren, auch weil ich gesehen hatte, dass die Hilfe anderer Wohltätigkeitsorganisationen nicht ankommt.

Nach all den positiven und negativen Erfahrungen Ihres Lebens – gibt es auch mal Phasen, wo Sie einfach nur mal herumalbern?

Schon. Ich glaube, ich habe einen guten Sinn für Humor. Nicht, dass ich der Klassenclown wäre, aber ich kann auch lustig sein.

Können Sie zum Schluss einen Witz erzählen?

Aber sicher.

Und?

Der ist leider für die Öffentlichkeit nicht geeignet (lächelt vielsagend).