Promi-Trennungen

Die PR-Strategie der Silvie van der Vaart

Der Marktwert von Prominenten vor allem der Art „Bekannt-als-Gattin“ wird nach einer Trennung neu bestimmt. Silvie van der Vaart überlässt daher jetzt nichts dem Zufall. Sie betreibt Eigen-PR.

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa /picture alliance

In den ersten Minuten der RTL-Sendung "Let's Dance" schaute Moderatorin Silvie van der Vaart am Freitagabend schon ein bisschen ernst. Ihr Lächeln wirkte leicht verkrampft. Sogar ihr gespielter Flirt mit dem kanadischen Sänger Michael Bublé wirkte nicht überzeugend, auch wenn sie ihm schmachtend zuflüsterte: "Ich finde dich so toll." Nur ihre Begrüßung des Publikums ließ einen Seitenhieb auf ihren Ex, HSV-Star Rafael van der Vaart, vermuten. Neben "Guten Abend" grüßte sie nämlich auch auf Französisch: "Bon Soir."

Und wem galt das wohl? Zufall oder nicht, ihr neuer Freund soll jedenfalls der französische Unternehmer Guillaume Zarka sein. Diesen präsentierte sie der Medienöffentlichkeit, gerade einmal nur einen Tag nachdem ihr Ex seine Affäre mit ihrer ehemals "besten Freundin" und ebenfalls Fußballer-Gattin Sabia Bouhlarouz bekannt gab.

Jetzt könnte man sagen: Wo die Liebe hinfällt. So ist es halt. Alle sind wieder glücklich. Schwamm drüber. Doch für eine Medienfrau wie Silvie van der Vaart ist es extrem wichtig, wie so eine Trennung verläuft. Eigentlich kann sie da nichts dem Zufall überlassen. Und sie tut es auch nicht.

"Das wirkt alles sehr strategisch. Das ganze Hin und Her der vergangenen Woche ist eine wunderbare kostenlose Eigen-PR für Silvie van der Vaart", bestätigt Medienwissenschaftler Christian Schicha, Professor an der Mediadesign-Hochschule Berlin am Standort Düsseldorf, der Berliner Morgenpost.

Ein kleiner Rückblick: Da gab es diese unselige Silvesterfeier im Loft der van der Vaarts in Hamburg. Dort kam es zu einer Auseinandersetzung des Paares, der Ehemann soll seine Frau sogar geschubst haben. Das wurde öffentlich. Rafael van der Vaart bereute. Dann gaben die beiden ihre Trennung bekannt. Silvie van der Vaart gab zu, dass es ihr nicht so gut gehe. Dann gab es wohl den Versuch, wieder zusammenzukommen. Dann die endgültige Trennung. Schließlich, Anfang dieser Woche, die Bilder von Rafael van der Vaart mit besagter Sabia Bouhlarouz, die früher mit dem Fußballer Khalid Bhoularouz liiert und der zeitweise sogar ein Teamkollege van der Vaarts in Hamburg war.

Die Liebe ein Schloss

So. Und hier wird es interessant. Besagte 24 Stunden später zaubert Silvie van der Vaart einen Franzosen an ihre Hand. Paparazzi-Fotos zeigen die beiden verliebt in der Normandie, wurden sogar dabei abgelichtet, wie sie ein Vorhängeschloss als Zeichen ihrer Liebe an eine Brücke klemmten. Wieder nur ein Zufall?

"Es kann natürlich durchaus sein, dass sie verletzt ist und mit ihrem neuen Freund jetzt gegenhalten will. Aber sie zeigt damit auch: Mir geht es gut, sogar noch besser als vorher. Mein neuer Partner ist noch schöner und noch reicher!", sagt Medienwissenschaftler Schicha. Und genau das eben steigere sogar noch ihren Marktwert in der Medienbranche. Denn auch wenn Skandale, Tränen, bisweilen sogar schmutzige Wäsche die Öffentlichkeit immer sehr interessieren, neue Moderationen oder Werbeaufträge erhalte niemand per Rosenkrieg und Skandal. "Man erinnere sich da nur an Bettina Wulff, nach ihrem Buch der Kategorie 'Nachgetreten und nicht loyal' will so wirklich keiner mehr etwas von ihr wissen", so Schicha.

Hingegen steige der Marktwert zum Beispiel von einer Stephanie zu Guttenberg gerade – unabhängig von ihrem in der Öffentlichkeit gefallenen Mann –, eben weil sie sich nach dessen Abgang loyal gezeigt habe.

"Silvie van der Vaart hat natürlich im Moment noch nicht den Status einer Heidi Klum, aber immerhin den einer Michelle Hunziker. Gerüchteweise soll sie ja auch im Gespräch sein für deren Nachfolge beim 'Supertalent'", meint der Medienexperte. Jetzt als schlechte Verliererin dazustehen und sich negativ über das Glück ihres Noch-Gatten zu äußern, hätte nur ein schlechtes Image zur Folge. Im Gegenteil: Sie schweigt nicht nur, sie liefert gleich die bessere Story: mit Guillaume Zarka. Er kommt aus einer reichen Familie, hat ein eigenes Elektronikequipmentunternehmen, und wie sich in Videos im Internet anschauen lässt, ist er auch noch sehr charmant. Nun nichts gegen Rafael van der Vaart, der ist aber eben im Vergleich dazu – Fußballer.

So weit, so gut, hat sie also alles richtig gemacht. Sich von der nur in den Niederlanden bekannten Moderatorin über ihre Zeit als Fußballergattin in Deutschland zur Moderatorin mit einer gewissen Größe gemausert.

Der Klum-Effekt droht

Doch schon droht ein anderer Medieneffekt ihr positives Image zu beschädigen: der Klum-Effekt oder, wie es in der Werbesprache heißt, die "Reaktanz". "Heidi Klum war und ist so präsent, dass ihr einst hoher Marktwert schon leicht gekippt ist. Wer zu präsent ist und für zu viele Produkte wirbt, der verliert an Glaubwürdigkeit", sagt Schicha. Für Silvie van der Vaart würde das bedeuten, sich jetzt mit ihrem Privatleben tunlichst aus der Öffentlichkeit rauszuhalten. Denn ein großes Angebot bedeutet eben nicht gleich eine große Nachfrage. Das Interesse an der Person lässt nach.

Und natürlich hat sie schon reagiert. Gleich Freitagabend, als in "Let's Dance" kurz für die App zur Sendung geworben wurde, sagte sie: "Da können Sie über alles mitdiskutieren, auch über mein Privatleben. Das machen doch alle Leute im Moment, oder nicht?" Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Sicherlich hat sie niemanden jemals zur Debatte aufgefordert. Aber gesteuert hat sie sie irgendwie schon.

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