Öl-Deal

Kevin Costner und Stephen Baldwin kämpfen vor Gericht

Millionenstreit der Hollywoodstars: Die beiden hatten viel Geld mit der Ölpest verdient, die durch die "Deepwater"-Havarie entstanden war.

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Der eine ist eine Leinwandgröße, er spielte in unvergesslichen Filmen, überzeugte als Regisseur und brachte Oscar-Trophäen nach Hause. Der andere ist ebenfalls Hollywoodschauspieler, aber der Durchbruch blieb ihm versagt, und bekannt ist er vor allem als jüngerer Bruder eines Stars der Traumfabrik.

Kevin Costner, der Erfolgreiche, und Stephen Baldwin, der immer am acht Jahre älteren Alec Baldwin gemessen wird, wurden Freunde, versuchten sich als Geschäftsleute – und streiten jetzt vor einem Gericht in New Orleans um etliche Millionen Dollar.

Stephen Baldwin (46) beschuldigt den elf Jahre älteren Costner, ihn aus einer gemeinsamen Firma gedrängt zu haben zu einem Zeitpunkt, als der Partner klammheimlich ein Mega-Geschäft mit dem Ölriesen BP unter Dach und Fach gebracht hatte.

Costner fand neue Investoren

Der Fall hat Drehbuchformat, spielt er doch vor dem Hintergrund der Explosion der Ölplattform „Deepwater Horizon“ im April 2010 und der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko. Aus der Macondo-Ölquelle sprudelte rund einen Kilometer unter der Meeresoberfläche monatelang das Öl. Die BP-Manager suchten händeringend nach Wegen, um das Loch zu stopfen und die Verschmutzungen zu beseitigen.

An dieser Stelle betritt Kevin Costner die Szenerie. Der studierte Marketing-Fachmann hatte 1995 eine Firma gekauft, die Zentrifugen zur Trennung von Wasser und Öl entwickeln und auf den Markt bringen wollte. Costner, der 1990 mit dem politisch korrekten Western „Der mit dem Wolf tanzt“ zu internationalem Ruhm gekommen war, gewann seinen Kumpel Stephen Baldwin als weiteren Investor für das Start-up-Unternehmen.

Angesichts der Ölkatastrophe schlug die Stunde von Ocean Therapy Solutions (OTS). Costner reiste nach New Orleans und warb bei den BP-Verantwortlichen erfolgreich für seine Zentrifugen. Im Juni 2010 wurde ein 50-Millionen-Dollar-Deal vereinbart.

Just zu diesem Zeitpunkt hatten Baldwin und ein weiterer Geschäftspartner, Spyridon Contogouris, ihre Firmenanteile an Costner und Patrick Smith, den vierten Eigner, verkauft. Baldwin und Contogouris erzielten dafür 1,4 Millionen bzw. 500.000 Dollar.

Costner und Smith hätten sie gedrängt, ihre Anteile zu verkaufen, behauptet Kläger Baldwin in dem Prozess, der am vergangenen Montag begann. Doch Costner habe ihnen verschwiegen, dass er bei einem Dinner mit BP-Bossen in seiner Villa, zu dem Baldwin und Contogouris nicht geladen waren, bereits das Geschäft vereinbart habe.

Die Lieferung von zunächst sechs und später 32 Zentrifugen sei dort besiegelt worden, sagen Baldwins Anwälte. 18 Millionen Dollar leistete BP als Anzahlung, insgesamt flossen 50,2 Millionen Dollar in die Kassen von OTS. Costner weist die Vorwürfe zurück. Baldwin und Contogouris hätten ihre Unternehmensanteile aus freiem Willen verkauft, zu einem Zeitpunkt, als die Vereinbarung mit BP noch nicht sicher gewesen sei, versichert er.

Im Gerichtssaal würdigten sich Costner und Baldwin keines Blickes. Am Donnerstag allerdings verlor Costner die Nerven. Unmittelbar zuvor hatte der Filmstar dargelegt, er habe quasi im Alleingang die Zentrifugenfirma aufgebaut. „Kevin und seine verrückte Maschine“, das sei das Image gewesen, gegen das er ankämpfen musste. Baldwin warf dem Ex-Partner an dieser Stelle einen amüsierten Blick zu. Daraufhin wandte sich Costner an Baldwin und fragte: „Findest du das lustig?“ Baldwins Anwalt: „Reden Sie mit mir?“ Der Bezirksrichter forderte Costner auf, keine Fragen an die Klägerseite zu richten.

Hatte Baldwin Geldsorgen?

Costner zeichnete kein gutes Bild von Baldwin, der wohl auch wegen schleppender Engagements als Schauspieler 2009 mit der Abzahlung der Hypothek für seine Villa nicht nachkam und private Insolvenz anmelden musste. „Ich habe ihn nie irgendetwas tun sehen“, sagte Costner über Baldwin. Er, Costner, habe keinen persönlichen Profit im Sinn gehabt, als er die Zentrifugenfirma gründete.

Er sei vielmehr überzeugt gewesen, dass man Technologien zum Schutz des Meereswassers entwickeln müsse. Vor dem Vertragsabschluss mit BP habe er 20 Millionen Dollar in das Unternehmen investiert. Als es zur Katastrophe im Golf von Mexiko kam, sei er nicht dort hingereist, weil er ein Geschäft machen, sondern weil er der Region helfen wollte.

Der Vorstandschef der gemeinsamen Firma, John Houghtaling, habe laut Costner kurz vor dem Abschluss mit BP Baldwin wie Contogouris gebeten, ihre Anteile nicht zu verkaufen. Während die beiden aussteigen wollten, hätten Smith und Houghtaling Geld nachgeschossen, um notwendige, zum Teil erfolglose Testläufe der Zentrifugen durchführen zu können. Bei dem bewussten Dinner habe es noch keine Einigung mit BP gegeben. Die sei erst nach dem Ausstieg von Baldwin und Contogouris zustande gekommen.

In dieser Woche wird Baldwin seine Sicht der Dinge darlegen. Er verlangt von Costner 3,5 Millionen Dollar. Stephen Baldwin, die notorische B-Film-Besetzung aus Hollywood, spielt erstmals eine Rolle, die ihm keinen Oscar, aber eine volle Kasse bringen könnte.