Walt-Disney-Tochter

"Mein Vater dachte, er könnte den Krebs besiegen"

Walt Disney war ein Antik-Freak, er liebte das Basteln und Zaubertricks. Seine Tochter Diane spricht über Geheimnisse der Familie, die Entstehung der Figuren und die "Ich gebe niemals auf"-Attitüde.

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Morgenpost Online: Woran denkt eine Tochter von Walt Disney zuerst, wenn Sie den Namen Disney hört?

Diane Disney Miller: An meinen Vater. Er ist immer der erste Gedanke, wenn ich den Namen höre.

Morgenpost Online: Für Millionen war und ist Walt Disney eine Legende. Was war er für Sie?

Diane Disney Miller: Ein guter Vater, ein liebevoller Vater, ein verspielter Vater. Er war ein Gigant, aber zu Hause hat er sich immer zuerst um seine Kinder gekümmert.

Morgenpost Online: Viele sagen, Micky Maus war nichts weiter als die animierte Version von Walt Disney, stimmt das?

Diane Disney Miller: Ja, da ist was dran. Sogar meine Mutter hat das immer gesagt. Er hat zu Hause immer Mickys Stimme nachgemacht. Und Micky hat sich, genau wie mein Vater, mit zunehmender Berühmtheit leicht verändert. Er war nicht mehr nur der kleine Draufgänger, er wurde mit der Zeit ein bisschen erwachsener. Das war der direkte Einfluss meines Vaters.

Morgenpost Online: Wurden deshalb auch die anderen Disney-Charaktere erfunden?

Diane Disney Miller: Zum Teil schon. Goofy und Donald zum Beispiel haben dann die Aufgaben übernommen, die mein Dad für Micky Maus nicht mehr für angebracht hielt. Also einfach nur dumme Sprüche klopfen, wirres Zeug reden. Mein Vater wollte, dass Micky Maus ein bisschen mehr Stil bekommt, ein bisschen mehr Gentleman wird auf seine alten Tage.

Morgenpost Online: Was hat Ihren Vater für Sie so besonders gemacht?

Diane Disney Miller: Er war einfach immer da für mich und meine Schwester. Er hat uns jeden Morgen zur Schule gebracht. Jeden Samstag und Sonntag war immer „Daddy’s Day“. Da hat er uns Mädchen immer ausgeführt. Wir waren da in einem Park, haben Picknick gemacht, sind Karussell gefahren. Bei jeder Schulveranstaltung war er dabei. Er hat nie etwas verpasst.

Morgenpost Online: Ihr Vater hat immer bereut, dass er nicht mehr Kinder in die Welt gesetzt hat, stimmt das?

Diane Disney Miller: Ja, er hat Kinder geliebt. Er wollte viel mehr. Und ich habe sie dann alle bekommen. Ich habe sieben Kinder. Leider hat mein Dad nicht mehr alle meine Kinder kennenlernen können.

Morgenpost Online: Glauben Sie, dass Ihr Vater wirklich wusste, was für ein Imperium er sich da aufgebaut hat?

Diane Disney Miller: Er wusste schon, dass er an etwas ganz Besonderem bastelte. Ich kann mich dran erinnern, als er mir sagte, dass ich seine Briefe aufbewahren sollte, weil die eines Tages mal viel Geld wert sein würden. Und damit hatte er ja auch recht. Seine Briefe sind heute viel Geld wert.

Morgenpost Online: Was wissen wir noch nicht über Walt Disney?

Diane Disney Miller: Er war ein totaler Antik-Freak. Und er liebte es, Miniaturen zu basteln. Er war ein großer Anhänger vom Rasenbowling (Boccia), und er war ganz vernarrt in Zaubertricks.

Morgenpost Online: Er starb schnell, nachdem die Ärzte Lungenkrebs festgestellt hatten.

Diane Disney Miller: Ja, manchmal wünschte ich, er hätte noch zehn Jahre weiterleben können. Er hatte doch noch so viel vor. Ich glaube übrigens, dass mein Vater dachte, er könnte den Krebs besiegen. Er hatte einfach immer diese „Ich gebe niemals auf“-Attitüde. Und er war ja auch bis zu seinem letzten Tag voller Lebenskraft.

Morgenpost Online: Ist es eigentlich immer nur schön oder manchmal auch nervend, eine Disney zu sein?

Diane Disney Miller: Oh, nein. Es ist immer nur schön. Ich bin sehr stolz auf meinen Nachnamen. Und irgendwie finde ich ihn auch heute noch lustig. Disney. Das hört sich so Englisch an, oder? Aber ich heiße heute ja auch Miller. Das fällt nicht so auf.

Morgenpost Online: Haben Sie eigentlich einen Lieblingsfilm von Disney?

Diane Disney Miller: Ich mag viele Filme sehr gerne. Aber „Susi und Strolch“ ist schon ein ganz besonderer Film für mich. Deshalb freue ich mich auch, dass dieser Film jetzt als DVD und Blue Ray neu aufgelegt wurde. Und ich liebe „Fantasia“. Es gibt so viele Filme, die mir gefallen. Ich gebe es gerne zu, ich bin ein echter Disney-Fan.

Morgenpost Online: Wie haben Sie die Disney-Filme ihren Kindern nähergebracht?

Diane Disney Miller: Oh, das war ganz natürlich. Sie hatten natürlich jederzeit Zugriff auf all diese Filme. Wir haben sie uns gemeinsam als Familie angeschaut. Aber es war niemals so, dass wir unseren Kids die Disney-Streifen aufgedrückt haben.

Morgenpost Online: Sie waren niemals so wirklich involviert im Disney-Imperium. Bereuen Sie das?

Diane Disney Miller: Nein, nicht wirklich. Ich habe sieben Kinder großgezogen. Das war Arbeit genug. Ich wollte immer gerne Mutter sein. Und ich bin sehr stolz auf meine Kids.

Morgenpost Online: Wann waren Sie das letzte Mal in Disneyland ?

Diane Disney Miller: Es war 2005, zum 50. Jubiläum. Ich bin ein großer Fan dieser Parks, aber ich kann mir nicht vorstellen, in Disneyland zu heiraten. Das ist selbst für mich ein bisschen zu viel.

Morgenpost Online: Sie sind vor Jahren in den Norden von Kalifornien gezogen. Warum?

Diane Disney Miller: Oh, mein Mann und ich haben uns ein Weingut gekauft und guten Chardonnay angebaut. Es hat sich halt so ergeben. Und heute betreibe ich ja in San Francisco das Disney-Museum. Das macht mir große Freude. Es ist eine schöne Erinnerung an meinen Dad. Ich schwelge gerne in den alten Zeiten. Ich vermisse meinen Vater sehr.