Callgirl-Affäre

Strauss-Kahn zu Partys mit Prostituierten verhört

Ex-IWF-Chef Strauss-Kahn hat neuen Ärger. Nach der Dienstmädchen-Affäre muss er zur Teilnahme an Sex-Partys mit Prostituierten aussagen. Ihm droht eine Anklage wegen Beihilfe zur Zuhälterei.

Über eine Sex-Affäre in einem New Yorker Hotel gestrauchelt, politisch im Abseits – und nun neues Ungemach mit der Justiz wegen einer Callgirl-Affäre: Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn kommt aus den Negativ-Schlagzeilen kaum noch heraus. Am Dienstag folgte er einer Vorladung und wurde in Lille für ein Verhör offiziell in Polizeigewahrsam genommen. Dem gescheiterten Hoffnungsträger der Sozialisten für das Präsidentenamt in Frankreich droht unter anderem eine Anklage wegen Beihilfe zur Zuhälterei.

Der ehemalige IWF-Direktor soll in den Jahren 2010 und 2011 unter anderen in einem Pariser Luxushotel und in einem Restaurant Sex mit Prostituierten gehabt haben. Wie Prostituierte bei polizeilichen Vernehmungen aussagten, soll Strauss-Kahn auch in Washington derartige Dienste in Anspruch genommen haben. Der Franzose war bis Mai 2011 Chef des Währungsfonds, dessen Hauptsitz in Washington ist.

Vorwurf der Beihilfe zur Zuhälterei

Strauss-Kahn wird Beihilfe zur Zuhälterei und Veruntreuung öffentlicher Gelder vorgeworfen. Bei ihren Ermittlungen zur Callgirl-Affäre waren die Behörden im Herbst 2011 auf den Namen Strauss-Kahn gestoßen. Ein Anwalt des 62-Jährigen hat erklärt, sein Mandant habe nicht gewusst, dass es sich bei den Frauen, die bei Orgien anwesend waren, an denen Strauss-Kahn teilnahm, um Prostituierte handelte. „Bei solchen Partys ist man nicht immer angezogen“, argumentierte Anwalt Henri Leclerc im Dezember 2011 im Radiosender Europe 1. „Und ich fordere sie heraus, eine nackte Prostituierte von jeder anderen nackten Frau zu unterscheiden.“

Insgesamt vier Ermittler werden sich nach Medienberichten bei der Vernehmung des früheren IWF-Chefs in einer Gendarmerie-Kaserne der Stadt Lille ablösen. Sie sollen unter anderem herausfinden, ob „DSK“, wie er kurz in seiner Heimat genannt wird, bei der Teilnahme an den Sex-Partys in Paris und Washington von unterschlagenen Firmengeldern profitiert hat. Denn die Spesen - einschließlich der Entlohnung von Prostituierten – sollen von befreundeten Unternehmern übernommen worden sein. Es gibt bereits Anklageverfahren gegen acht Personen im Zusammenhang zu der nach einem Luxushotel benannten „Carlton“-Affäre, bei der ein Zuhälterring Kunden belgische Callgirls vermittelt hatte.

Strauss-Kahn ist in dieser Affäre um Hotelmanager, Polizeichefs und dubiose Konzernmanager keine Schlüsselfigur, aber der mit Abstand prominenteste Name. Er selbst bestreitet die Teilnahme an den Partys nicht. Allerdings will er nicht gewusst haben, dass die netten, freizügigen Damen Prostituierte waren. Sie kamen sozusagen „frei Haus“ nach Washington. Die letzte derartige Reise soll unmittelbar vor der spektakulären Verhaftung des 62-Jährigen Politikers am 14. Mai 2011 in New York stattgefunden haben.

Damals hatte ihn das Zimmermädchen eines Hotels der sexuellen Aggression beschuldigt – es war der Anfang des öffentlichen Niedergangs des einstigen Polit-Stars, der als Folge der Vergewaltigungsvorwürfe von seinem IWF-Posten zurücktrat. Zwar wurde das Strafverfahren in den USA wegen Zweifeln an der Glaubwürdigkeit des Zimmermädchens später eingestellt. Auch in der Heimat entging er einem Verfahren, nachdem er von der jungen Autorin Tristane Banon einer mehrere Jahre zurückliegenden Vergewaltigung bezichtigt worden war. Das Gericht bewertete den Vorwurf als sexuelle Belästigung und verjährt.

Vorbei sind dennoch die Zeiten, als er als aussichtsreichster Kandidat fürs höchste Amt im Staate galt. Karikaturisten, Komiker und andere Kulturschaffende machen sich öffentlich über ihn lustig, aufgebrachte Frauen demonstrieren vor seiner Haustür. Seine Frau Anne Sinclair – die seit neuestem eine Chefin der französischen Ausgabe der Internetzeitung „The Huffington Post“ ist – hat ihm als eine der wenigen unbeugsamen Getreuen demonstrativ die Treue gehalten.

Nach immer neuen Enthüllungen in der „Carlton“-Affäre Ende vergangenen Jahres hatte er selbst darum gebeten, so schnell wie möglich als Zeuge vernommen zu werden. Die Vernehmung könnte für ihn jedoch riskant werden: Kommen die Ermittler zu dem Schluss, dass ihm die Hintergründe der freizügigen Sex-Gelage bewusst waren, drohen ihm Anklageverfahren. Und damit auch heftige Strafen: Allein auf Beihilfe zur Zuhälterei stehen bis zu fünf Jahre Haft und eine Geldstrafe von 375.000 Euro.