Promi-Doppelgänger

Warum Gorbatschows Double diesen Honecker meidet

Sie sehen aus wie Julia Roberts, Amy Winehouse oder Prince Charles. Doch wie sehr färbt das Original auf die Kopie ab? Ein Fotograf zeigt 80 Doubles ganz privat.

Morgenpost Online: Herr Spoerri, Sie haben für Ihr Buch „Who is Who?“ fast 80 Doubles fotografiert. Welches hat Sie am meisten beeindruckt?

Niklaus Spoerri: Prince Charles fand ich wahnsinnig gut.

Morgenpost Online: Wirklich? Der sieht ganz anders aus als der Echte.

Spoerri: Ja, sagen alle, aber der hat mich einfach umgehauen mit seinem Auftritt. Sein Englisch, und wie er vor der Kamera seine Position bezogen hat, da bin ich fast ein bisschen zusammenzuckt vor Respekt.

Morgenpost Online: Wieso beschränken Sie sich eigentlich freiwillig auf Kopien?

Spoerri: Ich fand’s einfach faszinierend, dass es Menschen gibt, die genauso aussehen wie andere. Ich wollte wissen, wie das für sie ist, sie haben sich das ja schließlich nicht ausgesucht. Ernst August von Hannover, zum Beispiel, hat mir gesagt, er würde auch lieber aussehen wie Brad Pitt, aber habe halt nehmen müssen, was kam.

Also habe ich mich nicht nur auf das Double konzentriert, sondern versucht, den Menschen dahinter zu porträtieren. Deshalb sitzen die auch alle in ihren Wohnzimmern.

Morgenpost Online: Wer ist das erfolgreichste Double?

Spoerri: Wahrscheinlich die Queen. Die macht das seit den 70er-Jahren und hat inzwischen in ganz vielen Filmen mitgespielt, "Nackte Kanone", zum Beispiel, und in Musikvideos von The Who, Status Quo und natürlich Queen.

Morgenpost Online: Was ist wichtiger – wem man ähnlich sieht oder wie sehr?

Spoerri: Schon wer das Vorbild ist. Das Erstaunliche ist, je gefragter eine Person ist, desto mehr Doubles gibt es.

Morgenpost Online: Sie haben auch Doppelgänger von Verstorbenen fotografiert. Pavarotti, zum Beispiel, oder Michael Jackson.

Spoerri: Der Tod des Vorbilds bedeutet nicht automatisch das Ende der Double-Karriere, im Gegenteil. Denken Sie nur an all die Marilyn Monroes und Elvis Presleys. Das sind Klassiker, auch als Doubles. Schließlich kennt die weltweit fast jeder.

Morgenpost Online: Warum haben Sie auf beide verzichtet?

Spoerri: Bei den Elvissen habe ich nie einen gefunden, der mich von der Ähnlichkeit her überzeugt hat. Marilyn hatte ich eine in London, aber die hatte nie Zeit. Nach 50 Telefonaten habe ich dann irgendwann aufgegeben.

Morgenpost Online: Viele Ihrer Doubles kommen aus England.

Spoerri: Ja, da gibt es so viele Magazine und Privatsender, Prominente spielen eine Riesenrolle, und dadurch steigt auch die Nachfrage nach Doubles. Das erklärt übrigens auch, warum es in der Schweiz kaum Doppelgänger gibt. Da decken die Originale ab, was man braucht.

Morgenpost Online: Was fasziniert die Menschen an Doppelgängern?

Spoerri: Uns faszinieren einfach die Prominenten, und ein Double kommt da schon recht nah dran.

Morgenpost Online: Wie sehr färbt das Original auf die Kopie ab?

Spoerri: Unterschiedlich. Der Maradona hatte seine ganze Wohnung voller Bilder vom Echten, das ist ein richtiger Fan. Bei David Beckham hatte ich auch das Gefühl, dass er sich in die Rolle ziemlich eingelebt hat. Er hat fast so viele Tattoos wie sein Vorbild. Dafür kann er auch Vollzeit als Double arbeiten.

Aber Amy Winehouse ist so ziemlich das genaue Gegenteil vom Original. Kommt aus einem kleinen Dorf, lebt in Karlsruhe. Ein Landei, das weder trinkt noch raucht. Die Zigaretten hat sie extra fürs Fotoshooting gekauft, und die Whisky-Flasche haben wir aus den Altglaskisten des Restaurants unter ihrer Wohnung geholt.

Morgenpost Online: Übernehmen die Doubles eigentlich die Allüren der Originale?

Spoerri: Einige wenige wissen irgendwann nicht mehr, wie wichtig sie selbst sind. Aber wer will schon ein Double, das ein Fünf-Sterne-Hotel verlangt? Die sollen auftreten, sich ansonsten normal verhalten, sonst werden sie nicht lange gebucht.

Die Julia Roberts, eine Deutsche übrigens, sagt sogar, genau das ist das Schöne am Doublen. Einen Abend läuft man mit vier Leibwächtern über den Roten Teppich und alle kreischen, aber am nächsten Tag lassen die Menschen einen wieder in Ruhe.

Morgenpost Online: Also keine Spezialwünsche?

Spoerri: Gorbatschow will nicht mit Honecker auftreten. Wenn er alleine kommt, schafft er es, dass sich die Leute zumindest fragen, ob er es ist. Aber wenn sie zu zweit sind, wissen alle: Die können nicht echt sein.

Morgenpost Online: Gibt es einen echten Prominenten, den sie gerne fotografieren würden?

Spoerri: Hmm. Ich weiß nicht. Nachdem ich so viel mit den Doubles zu tun gehabt habe, denke ich jetzt immer, wenn ich die Originale sehe: Die sind gar nicht so gut.

Who is Who? von Niklaus Spoerri. Fotodokumentarisches Nachschlagewerk der internationalen Double-Szene, netthoevel & gaberthüel, Institut für moderne Kunst, 208 S., 152 Abb., ISBN 978-3-86984-176-2; 38,– Euro .

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