US-Fernsehen

Drei Töchter der Macht laufen zur vierten Gewalt über

Der Sender MSNBC hat Chelsea Clinton, Jenna Bush und Meghan McCain verpflichtet. Damit arbeiten nun gleich drei Töchter von ranghohen US-Politikern als Journalistinnen.

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Chelsea Clinton macht es den Skandaljournalisten nicht leicht. Die mittlerweile 31-jährige Tochter eines ehemaligen amerikanischen Präsidenten und der amtierenden Außenministerin wurde noch nie gesichtet, wie sie torkelnd aus einer Bar kam; sie nimmt nicht an wilden Partys teil, auf denen weißes Zeugs durch gerollte Hundert-Dollar-Noten in Nasenlöcher gezogen wird; auch von aufregenden Affären ist hieramts nichts bekannt.

Chelsea Clinton, die in Stanford und Oxford studiert hat, lebt mit ihrem Ehemann Marc Mezvinsky zurückgezogen in der Nähe des Gramercy Park in Manhattan. Unbestätigten Zeugenberichten zufolge ist ihre gemeinsame Wohnung von oben bis unten mit Büchern angefüllt.

Doch nun tritt Chelsea Clinton doch ins Rampenlicht – der linksliberale Fernsehsender MSNBC hat sie als Reporterin gewonnen. Ihr erster Fernsehbeitrag (fünf kleine Minuten gefolgt von einem ebenso langen Interview) wurde gerade eben ausgestrahlt. Es handelte sich um eine Reportage aus Pine Bluff, einem Ort in Chelsea Clintons Heimatstaat Arkansas.

Soziale Not liegt ihr wirklich am Herzen

Die frischgebackene Reporterin machte uns mit einer Dame namens Annette Dove bekannt, die in Pine Bluff ein Zentrum leitet, in dem arme schwarze Kinder nach der Schule betreut, belehrt und bekocht werden – für viele von ihnen wäre die Alternative eine kriminelle Karriere.

Aus solchen Stücken wird wohl Chelsea Clintons Reporterkarriere bestehen: aus kurzen und erhebenden Einblicken in philanthropische Aktivitäten. Die Kritiker von der herzlosen Truppe nannten Chelsea Clintons ersten Fernsehauftritt schlicht langweilig – sie habe so gar nichts vom Charisma ihres Vaters geerbt, sie sei in ihrem ersten Fernsehauftritt quasi gar nicht vorgekommen. Außerdem diene die Beschäftigung mit edlen Philanthropen doch letztlich nur dem Zweck, ihr eigenes Renommee wie auch jenes des Fernsehsenders aufzupolieren.

So kann man das natürlich sehen. Man konnte aber auch sympathisch finden, wie wenig Chelsea Clinton sich in den Vordergrund spielte; sie scheint ein ganz uneitler Mensch zu sein. Und offenbar liegt ihr das Thema – soziale Not und die Versuche von Einzelnen, diese zu lindern – wirklich am Herzen.

Auch Jenna Bush wurde angeheuert

Chelsea Clinton ist nicht die einzige Politikertochter, die derzeit im US-Fernsehen bewundert werden kann. Schon vor zwei Jahren wurde Jenna Bush Hager (die ihrem Vater George W. auf erstaunliche Weise ähnlich sieht) ebenfalls von MSNBC angeheuert.

Einmal pro Monat tritt sie im Frühstücksfernsehen auf und steuert Reportagen über das wichtige Thema „Bildung und Erziehung“ bei – sie hat einen Halbtagsjob als Lehrerin in Baltimore.

Größere Aufmerksamkeit fand Jenna Bush Hager aber, als sie Chelsea Clintons Vater interviewte, eine freundliche Plauderei, in der es vor allem um humanitäre Hilfe für Haiti ging.

Brechattacke wegen McCains Reporter-Tochter

Die wichtigste Politikertochter im Fernsehen aber ist ohne Zweifel Meghan McCain . (Ihr Vater John wollte 2008 Präsident werden, was ihm bekanntlich nicht ganz gelungen ist.) Auch Meghan McCain arbeitet für MSNBC. Bemerkenswert ist sie deshalb, weil sie einen eigenen politischen Kopf hat und dies auch öffentlich zeigt. Sie ist Republikanerin und stolz darauf; sie hat sich gleichzeitig aber schon mit allen prominenten Rechten in Amerika angelegt.

So hat sie den ehemaligen Fox-Kommentator Glenn Beck dazu veranlasst, in seiner eigenen Radiosendung acht Minuten lang so zu tun, als würde er sich in seinen Papierkorb erbrechen. Sie hat die Tea-Party-Bewegung als rassistisch bezeichnet und Michele Bachmann, die zu den Galionsfiguren jener Bewegung gehört, eine „ Sarah Palin für Arme“ genannt.

Meghan McCain ist 27 Jahre alt, blond und überhaupt nicht blöd. Immer wieder weist sie darauf hin, dass die politische Zukunft Amerikas durch die jungen Leute entschieden wird, nicht die Alten; und dass die Republikanische Partei, wenn sie sich weiter radikalisiert, gerade die Jungen zurückstößt. Zu ihren ersten Aufgaben als Reporterin gehörte dann pikanterweise, jene Michele Bachmann zu interviewen, über die sie gerade noch hergezogen hatte – sie erledigte ihre Aufgabe bravourös.

Beobachter weisen darauf hin, dass es ein durchsichtiges Manöver von MSNBC war, jene bewussten drei Töchter an sich zu binden – ein Trick, um Aufmerksamkeit beim breiten Publikum zu erreichen. Aber selbstverständlich war es das! Die Frage ist nur, was die Tochter von Bill Clinton, die Tochter von George Bush und die Tochter von John McCain jetzt daraus machen. Von Meghan McCain – diese Prophezeiung sei gewagt – werden wir auf alle Fälle noch hören.