Designer

Michalsky kreiert Parfum für urbane Nomaden

Er selbst lebte in vielen Städten, in unterschiedlichen Ländern. Wirklich angekommen aber ist er in Berlin: Designer Michael Michalsky (44). Mit ihm sprach Tina Molin über seinen neuen Duft und deutsche Eigenschaften.

Foto: Glanze

Morgenpost Online: Herr Michalsky, Ihr neues Parfum heißt „Urban Nomads“. Wieso?

Michael Michalsky: Viele Leute in meinem Freundeskreis führen ein urbanes Nomadenleben. Die sind viel unterwegs, aber nie wirklich weg. Ich wollte einen Duft entwickeln, der zu diesem Lifestyle passt.

Morgenpost Online: Wie riecht ein urbaner Nomade?

Michael Michalsky: Die Jungs natürlich nach Bergamotte, weil ich Earl-Grey-Tee so liebe. In meinen Parfums sind immer Stoffe drin, zu denen ich eine Verbindung habe. Mein erster Damenduft war damals süß und orientalisch, weil meine Mutter immer „Shalimar“ verwendet hat, davon wollte ich eine moderne Version kreieren.

Morgenpost Online: Wie viel urbaner Wanderer steckt in Ihnen?

Michael Michalsky: Ich bin definitiv ein urbaner Nomade, und das werde ich auch immer bleiben. Als Kreativchef von Adidas hatte ich Verantwortung für zwei Designteams in Japan und Amerika. Ich bin monatlich zwischen den drei Büros hin- und hergependelt (Das Unternehmen Adidas sitzt in Herzogenaurach bei Nürnberg, Anm. d. Red.). Heute bin ich beruflich viel in China und Korea unterwegs und finde das toll. Natürlich ist meine Homebase in Berlin, und ich freue mich, wenn ich ein Wochenende hier bin. Aber wenn ich zu lange an einem Ort bin, werde ich verrückt.

Morgenpost Online: Was bedeutet Heimat für Sie?

Michael Michalsky: Meine Heimat ist da, wo ich bin und die Leute sind, die mir etwas bedeuten. Ich bin ein sehr, sehr sozialer Mensch, brauche Kontakt und Austausch mit Menschen, das ist mir ganz wichtig.

Morgenpost Online: Sie sind in Bad Oldesloe aufgewachsen…

Michael Michalsky: Bad Oldesloe ist gar nicht Heimat für mich. Ich möchte da nicht mal beerdigt werden. Ich fand das Landleben immer doof, daher bin ich sofort nach dem Abi nach London gegangen und nie wieder zurückgekehrt. Bad Oldesloe war eine Station meines Lebens, während der ich mich zu großen Teilen darauf vorbereitet habe, das zu werden, was ich werden wollte.

Morgenpost Online: Oder wollten Sie Abstand zu Ihren Eltern?

Michael Michalsky: Nein. Ich habe mich zwar schnell von meinen Eltern abgenabelt, aber nicht weil ich ein Problem mit ihnen hatte, sondern weil ich fand, dass es Zeit war, dass ich das Leben so lebe, wie ich möchte. Der Kontakt zu meinen Eltern ist sehr eng und sehr gut. Sie sind untypische Eltern, eher wie „Rock'n'Roll Parents“. Sie kommen zu all meinen Fashion Shows und bleiben auch zu den Aftershowpartys.

Morgenpost Online: Sie haben mal gesagt, dass Ihre Asche vor dem „Grill Royal“ verstreut werden soll. Wie kam es zu diesem Wunsch?

Michael Michalsky: Das hat sich geändert, inzwischen will ich vor Formentera ins Meer gekippt werden. Aber Spaß beiseite. Als das Restaurant neu aufgemacht hat, habe ich dort ein Jahr lang quasi gewohnt. Wenn ich etwas toll finde, mache ich es so lange, bis ich keine Lust mehr habe.

Morgenpost Online: Sie jetten mehrmals im Jahr um die Welt. Wie deutsch sind Sie noch?

Michael Michalsky: Ich bin viel deutscher bei manchen Sachen, als man glaubt. Ich komme jeden Morgen zwischen 8.30 und 9.30 Uhr ins Büro. Bei mir müssen alle Sachen im rechten Winkel liegen, alles muss ordentlich sein. Außerdem bin ich sehr pünktlich, sehr organisiert und pflichtbewusst. Dafür, dass das ein Modeunternehmen ist, läuft es schon sehr organisiert hier ab. Das ist mir wichtig, denn ich hasse nichts mehr als Zeitverschwendung. Wenn Leute zu spät kommen, flippe ich aus. Ich warte nicht länger als zehn Minuten auf jemanden.

Morgenpost Online: Sie sind also ein Mr. Pünktlich?

Michael Michalsky: Ja, immer. Wenn es wichtig ist, bin ich sogar zehn Minuten zu früh da. Wenn ich mit Freunden verreise und die kommen auf den letzten Drücker in den Flieger, kann ich das nicht verstehen. Ich kann diesen Stress nicht ab, sondern sitze lieber in Ruhe eine halbe Stunde früher am Check-in.

Morgenpost Online: Kann Mode eine Heimat sein?

Michael Michalsky: Das glaube ich schon. Doch man muss aufpassen, denn bei Mode geht es um Äußerlichkeit, und sie kann schnell zu einer Verkleidung werden. Wenn sie hingegen dem Menschen die Möglichkeit gibt, sich darzustellen, finde ich das gut.

Morgenpost Online: Passt Berlin zu Ihnen?

Michael Michalsky: Ja, und ich gut zu Berlin. Die Stadt ist genauso gemischt wie ich: spießig und modern, international und trotzdem deutsch. Sie ist einzigartig, laut, schrill, leise und schüchtern. Diese Widersprüche passen zu mir.

Michalskys Kosmos

Anfänge: Michael Michalsky wurde am 23.Februar 1967 in Göttingen geboren, wuchs in Bad Oldesloe auf und machte dort sein Abitur. Anschließend studierte er bis 1992 am London College of Fashion. Seine berufliche Laufbahn begann er als Designmanager bei Levi Strauss in Deutschland.

Fortführung: Über mehrere Stationen, unter anderem bei Adidas, kam er 2006 nach Berlin, wo er sein Unternehmen gründete. Etabliert hat sich zudem die StyleNite, die zweimal jährlich während der Fashion Week stattfindet. Regelmäßig mit dabei ist auch das Topmodel Toni Garrn (Foto).

Umsetzung: Die Entwürfe Michalskys sind elegant bis sportlich, immer tragbar. Das Ziel des Designers ist es, dezente Mode zu schaffen, weil die Person, die seine Mode trägt, selbst spektakulär sein sollte.

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