Umzug in die USA

Guttenbergs werden vor allem die Wurst vermissen

Sechs Monate nach Plagiatsaffäre, Rücktritt, Spott und Häme, ziehen die Guttenbergs in die USA. Von Flucht könne keine Rede sein - man werde wiederkommen.

Stephanie zu Guttenberg sagt, zum Schulbeginn Anfang September wolle man in der neuen Heimat sein

Über „Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU“ ist Karl-Theodor zu Guttenberg promoviert worden. Und darüber ist er auch gestolpert. 10421 plagiierte Zeilen, also 63,8 Prozent der Arbeit, nennt die kollaborative Plagiatsdokumentation GuttenPlag aktuell. Die Berliner Staatsbibliothek listet die bei Duncker&Humblot erschienene Dissertation als „Vermisst seit dem 24.3.2011“.

Bald wird auch der Freiherr selbst abhandenkommen. Er strebt, so bestätigte es seine Ehefrau am Dienstag in einem Interview mit der „Bild“-Zeitung, knapp sechs Monate nach seinem Rücktritt als Verteidigungsminister selbst ein paar Entwicklungsstufen in den USA an .

Gerüchte über den Umzug hatte es ja seit Monaten gegeben. Ende Juli standen dann die Umzugswagen vor seiner Villa im Berliner Stadtteil Charlottenburg. Auch Guttenberg selbst, der sich seit seinem Ausstieg aus der Politik rar gemacht hatte, sah man an dem Tag auf der Straße. Er habe eine Baseballkappe getragen und sei gut gelaunt gewesen, heißt es.

Das Ziel sind also die Vereinigten Staaten: „Wir werden zum Schulbeginn Anfang September da sein“, sagte Stephanie zu Guttenberg jetzt in einem Interview der „Bild“-Zeitung. Frau zu Guttenberg versicherte allerdings auch, dass die Familie wieder nach Deutschland zurückkehren wolle .

„Wir verlegen unsere Basis für einen begrenzten Zeitraum“, sagte Stephanie zu Guttenberg. Die Familie wandere nicht aus. „Wir bleiben Deutsche, mit ganzem Herzen“, sagte die 34-Jährige. Sie kämen zurück, „das ist schon mal klar“. Die Dauer des Aufenthalts sei aber „noch völlig offen“.

Hinter sich lassen muss Frau zu Gutenberg nun vor allem „Wurscht, Brot und Bier aus Oberfranken“. Aber ein Nebeneffekt des Wegzugs dürfte auch sein, dass sie Spott und Häme über ihren „Lügenbaron“ und „Dr. zu Googleberg“ genannten Gemahl hinter sich lassen kann. Über die Bezeichnung des Umzugs als „Flucht“ sagte sie in dem Gespräch nur: „Es ist schon viel Blödsinn gemutmaßt worden.“

Karl-Theodor zu Guttenberg war am 1.März 2011 wegen seiner plagiierten Doktorarbeit von seinem Amt als Bundesverteidigungsminister zurückgetreten . Bis zum Erscheinen von zu Guttenbergs Interview war es allerdings ohnehin eher still um den Ex-Minister und ehemaligen Superstar der Konservativen geworden. Zuletzt hatte Ex-Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) Vergebung für seinen Parteifreund gefordert. Guttenberg habe „große Fehler gemacht und eingestanden“, sagte Glos dem Magazin „Focus“ . Aber in einer „Partei, die das C im Namen trägt“, müsse Vergebung möglich sein, betonte Glos. Aber darauf scheint zu Guttenberg lieber mit einigem geografischen Abstand warten zu wollen.

Die Guttenbergs gehen nach den Worten Stephanie zu Guttenbergs an die Ostküste. Es wurde spekuliert, dass sie nach Connecticut ziehen. Stephanie zu Guttenberg wollte dies aber nicht bestätigen. Die Ostküste sei tatsächlich sehr lang, wich sie der Frage aus.

Über die Pläne ihres Mannes in den USA schwieg sie ebenfalls. „Da müssen Sie ihn schon selber fragen, ich bin nicht seine Pressesprecherin.“ Mutmaßungen darüber, ob Guttenberg nun ein Buch schreiben, Firmen beraten oder Vorträge halten wolle, bestätigte sie nicht.

An einem Ort wo sie keiner kennt als normale Familie leben

Guttenberg hat während seiner Studienzeit ein Praktikum in einer New Yorker Rechtsanwaltskanzlei absolviert. Ihm werden exzellente Kontakte nach Amerika nachgesagt. Die kann er nun auch bei der Jobsuche am neuen Wohnort nutzen. In der Nähe von New York und nicht allzu weit von Washington entfernt wäre er jedenfalls gut aufgehoben. Fast alle renommierten Universitätsinstitute und politischen Stiftungen, die sich mit Außenpolitik beschäftigen, befinden sich an der Ostküste.

Stephanie zu Guttenberg selbst freue sich nach eigenen Worten in den USA am meisten auf „die gemeinsame Zeit in einer normalen Familie, an einem Ort, wo uns keiner kennt“. In den USA werde die Familie „erst mal inmitten von Kartons“ leben, kündigte Stephanie zu Guttenberg an. Sie habe auch eine Isomatte.

Das von ihrem Gatten bevorzugte Haargel Edge, von dem er ja einen gewissen Tagesbedarf hat, stammt übrigens auch aus den USA.