Düstere Aussichten

Kachelmanns Comeback im Ringelshirt

Vor weißer Wand moderiert Jörg Kachelmann im blau-weiß geringelten Schlabbershirt Wettervorhersagen auf der Internetplattform Youtube. Sein wichtigstes Hilfsmittel: handgemalte Landkarten. Doch so dilettantisch die Moderationen wirken, vielleicht zeigt sich gerade hier der Medienprofi Kachelmann.

Foto: Youtube

Wer sich gefragt hat, ob es Jörg Kachelmann zurück in die Königsklasse der Wettermoderatoren schaffen würde, bekommt jetzt eine leicht verstörende Antwort: Im Gegenteil, er bedient sich nun Formaten, die jedem zugänglich sind, der unfallfrei eine Kamera und eine Tastatur bedienen kann. Und das auch noch schlecht.

Auf Youtube sendet der ehemalige ARD-Wetterexperte jetzt "Testsendungen" . Vor einer weißen Wand, mit hallender Akustik, im Dunkeln und ungeschminkt spricht er die Vorhersage für den nächsten Tag auf.

„Hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren Testsendung auf kachelmannwetter.de beziehungsweise auf Youtube“, begrüßt er seine Zuschauer am Dienstag im blau-weiß geringelten Schlabbershirt – gerade einmal 1534 Menschen schalteten bis zum Donnerstag ein.

Er kann das nicht ernst meinen, mögen diese gedacht haben bei seinem Anblick – und er treibt es auf die Spitze, hält eine handgezeichnete DIN-A-4-Deutschlandkarte hoch, auf die er seine Twitter-Adresse aufgeschrieben hat. „Wenn Sie wissen wollen, was abgeht (…) ich werd auch laufend weiter twittern am Mittwoch, wie stark denn der Regen jetzt eigentlich wirklich geworden ist“, sagt er. Er spricht Hochdeutsch, hat aber Probleme mit der Aussprache.

Und dann wird klar, dass er angeblich nicht einmal weiß, welche Uhrzeit es ist. Unverständlich spricht er von einer Warnung, die im Moment gelte, „ich habe gar keine Uhr an, aber es ist Richtung Dienstagabend.“ „Patsch nass“, „nass“ und „bisschen Regen“ hat er auf das nächste Stück Papier mit Deutschlandkarte geschrieben. Kachelmann hält es direkt vor die Kamera und fährt mit der Hand darüber, wie einst über die blaue, mannsgroße Wetterkarte im ARD-Studio.

Doch auch wenn die Testsendungen dilettanisch wirken, könnten sie aus diesem Grund umso effektiver für Kachelmanns Weg zurück ins Wettergeschäft sein. Schließlich kündigte der 53-Jährige erst vor gut einer Woche an, seinen neuen Videoservice im Internet publik zu machen.

In der Eröffnungsrede einer Meteorologieveranstaltung am vergangenen Samstag sprach er noch davon, die Wettermeldungen im Schweizer Dialekt und auf Englisch anbieten zu wollen. Die bundesdeutschen "Testsendungen" dürften die Aufmerksamkeit im alten Wirkungsraum des Wettermoderators - sprich in Deutschland - nur erhöhen.

Denn mit den Medien ist Kachelmann vielerlei Hinsicht bestens vertraut, den neuen Medien gegenüber zeigt er sich besonders affin. Den Kurznachrichtendienst Twitter nutzte Kachelmann bereits vor seinem Rückzug aus dem deutschen Fernsehen mehrmals täglich, über 1650 Tweets gehen bis heute auf sein Konto. Und auch wie ihn die Online- und Offline-Medien in ihren Artikeln behandeln, beobachtet Kachelmann mit Argusaugen.

So düster wie die derzeitigen Wetteraussichten aussehen, steht es daher vermutlich gar nicht um seine Zukunft als Wettermoderator. Kachelmann weiß das Web lediglich zu nutzen.

Immerhin scheint sich bei den Übungen ein Lernerfolg einzustellen: Im Video zur Wettervorhersage für Donnerstag sieht man ihn nur für circa 25 Sekunden in lässigem T-Shirt und Hemd - die restlichen zwei Minuten verdecken die selbstgemalten Wetterkarten die Sicht auf Kachelmann.

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos

Beschreibung anzeigen