Familienfehde

Reichste Frau Europas monatelang abgehört

Ein Hausangestellter der 87 Jahre alten L’Oréal- Hauptaktionärin belauschte über Monate hinweg private Gespräche.

Foto: dpa

Für die reichste Frau Europas kommt es im hohen Alter knüppeldick. Falsche Freunde, der Streit um ihr Erbe sowie die französischen Medien bescheren der L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt alles andere als einen ruhigen Lebensabend.

Nun hat auch noch einer ihrer Hausangestellten sie hintergangen. Der Butler belauschte über Monate hinweg mit Hilfe eines Aufnahmegeräts Privatgespräche der greisen Französin. Die Aufzeichnungen ließ er Bettencourts einziger Tochter Françoise zukommen.

Die reibt sich nun die Hände. Bereits seit langer Zeit versucht Françoise Bettencourt-Meyers zu beweisen, dass ihre Mutter im Zustand geistiger Unzurechnungsfähigkeit mit Geld um sich wirft. Allein dem extrovertierten Fotografen und Schriftsteller François-Marie Banier soll die Milliardärin Geschenke im Wert von 993 Millionen Euro gemacht haben. „Peanuts“ sagen manche spöttisch – auf sage und schreibe 20 Milliarden Dollar (16,2 Milliarden Euro) wird das Vermögen der Hauptaktionärin des französischen Kosmetikriesen L'Oréal geschätzt.

Die Milliardärin, die in einer herrschaftlichen Villa im feinen Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine lebt, will von Altersschwäche nichts wissen. Über ihre Anwälte lässt sie gebetsmühlenartig verbreiten, dass sie alle Geschenke freiwillig mache. Die nun veröffentlichten Gesprächsmitschnitte erwecken allerdings einen anderen Eindruck. Die alte Dame scheint demnach zumindest erhebliche Gedächtnisprobleme haben.

In einer der aufgezeichneten Unterhaltungen muss sich Bettencourt von ihrem Vermögensverwalter darauf hinweisen lassen, dass sie in einem Testament ihr gesamtes Vermögen dem Fotografen Banier zugesprochen hat. In einem ihrer seltenen Interviews hatte sie zuletzt noch ganz anderes behauptet.

Auch auf zwielichtige Finanzgeschäfte, Justizkungeleien und Bereicherungsversuche von Vertrauten lassen die Gesprächsaufzeichnungen schließen. Pikant: Selbst Frankreichs Arbeitsminister Eric Woerth ist in die Affäre verwickelt. Seine Frau kümmert sich zusammen mit Anderen um Bettencourts Finanzen, sein Name wird in Gesprächen genannt.

Gerichtliche Konsequenzen dürften die Veröffentlichungen allerdings nur für den ehemaligen Hausangestellten haben. Die Staatsanwaltschaft hat wegen der illegalen Abhöraktion bereits ein Ermittlungsverfahren gegen den Mann eingeleitet.

Der Rechtsvertreter von Bettencourts Tochter Françoise versucht, das Material dennoch für seine Zwecke zu nutzen. Es zeige, dass die Mutter seiner Mandantin eindeutig unter dem Einfluss ihrer Berater stehe, sagt Staranwalt Olivier Metzner.

Der Termin für den nächsten Showdown in dem Familien- und Erb- Drama steht bereits fest. Françoise Bettencourt-Meyers hat Klage gegen den Fotografen und Autor Banier eingereicht. Sie beschuldigt den langjährigen Vertrauten ihrer Mutter, die angebliche Geistesschwäche ihrer Mutter ausgenutzt zu haben.

Ein Gericht wird sich vom 1. bis zum 6. Juli mit dem Fall befassen. Zuvor hatte Françoise bereits versucht, ihre Mutter entmündigen zu lassen - allerdings erfolglos.

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