Vergewaltigungsprozess

Kachelmanns Ex-Geliebte verteidigt Skandal-Interview

Viola S. hatte 50.000 Euro für ein Interview über ihre Beziehung mit Kachelmann erhalten. Sie findet das nicht schlimm – doch die Richter sind empört.

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Ob er einen Zeugen sympathisch oder abstoßend findet, darf für einen Richter keine Rolle spielen. Aber am Ende müssen die Mitglieder einer Kammer nun mal darüber entscheiden, welchen Wert sie all dem während der Verhandlung Gehörten für ihr Urteil beimessen. Dabei kann sich manches negativ auswirken, was die Glaubwürdigkeit von Zeugen angeht – wie vielleicht im Fall der Kachelmann-Ex-Freundin Viola S., die am 35. Prozesstag zum zweiten Mal vernommen wurde.

Die Frau hatte 50. 000 Euro vom Burda-Verlag dafür kassiert, dass sie ihr Gesicht in die Kamera hielt und vom Titel der „Bunten“ herab vor aller Welt beklagte, wie sehr der Wettermann ihre „Seele missbraucht“ habe Doch später, als sie persönlich im Vergewaltigungsprozess vor Gericht aussagen musste, verschwieg die 34-Jährige aus Hamburg diese kleine Vergütungsinformation nicht nur geflissentlich.

Sie beantragte mit einiger Chuzpe zudem, das Publikum auszuschließen bei ihrer Aussage. Dadurch fühle sich das Gericht „am Nasenring durch die Manege geführt“, rügte jetzt einer der drei Mannheimer Richter, Joachim Bock, kurz vor der erneuten Befragung der groß gewachsenen, schlanken Frau.

Vor Gericht verteidigte Viola S. ihr Handeln. „Ich weiß, dass Andere es anders gemacht hätten“, sagte die langjährige Geliebte Kachelmanns bei ihrer zweiten Vernehmung. „Aber das war mein Weg."

"45.000 sind noch da"

Nach Bekanntwerden der Vergewaltigungsvorwürfe sei sie zunächst auf Kachelmanns Seite gewesen, sagte Viola S. Sie habe gedacht: „Mein Partner ist festgenommen worden wegen eines wahnsinnigen Vorwurfs – da möchte man erstmal helfen.“ Sie hatte sich sogar mit Kachelmanns damaligen Anwalt getroffen, um die Verteidigung zu unterstützen.

Dann kamen zahlreiche Anfragen für Interviews, erzählte die Zeugin. Im Büro, auf dem Handy, auf Privatmail, Geschäftsmail, Facebook und Xing. „Es kam von allen Seiten.“ Anfangs habe sie gezögert. Dann habe sie gehört, dass Kachelmann seinen Stiefkindern erzählt habe, sie habe sich von ihm getrennt, weil er zu viel Zeit bei den Kindern verbracht habe. Das habe den Ausschlag gegeben.

„Für mich ist mein Leben zusammengebrochen. Ich musste etwas tun“, sagte die Ex-Geliebte. – „Für 50.000 Euro“, warf Verteidiger Schwenn ein, der ihr vorwarf, sie führe ein rührseliges Stück auf.

Doch die Zeugin blieb dabei: „Ich fand, dass man wissen muss, wie er vorgegangen ist.“ Das Geld habe sie zu einem kleinen Teil gespendet, außerdem sei sie einkaufen gegangen – „vielleicht frauentypisch“ - und sei in Urlaub gefahren. „45.000 sind noch da“, sagte sie auf Nachfrage des Gerichts.

Richter verärgert über mehrere Zeuginnen

Mit ungewohnter Offenheit zeigte Richter Bock, wie verärgert die Mannheimer darüber sind, aller Welt seit Wochen derart vorgeführt zu werden von ihren Zeuginnen. Schließlich hatten neben Viola S. auch zwei weitere Ex-Gespielinnen gegen Geld ihr Seelenleben in der Presse entblößt – und vor Gericht ebenfalls die Bezahlung verschwiegen.

Der Zeugenrolle sei das „absolut unangemessen“, rügte Bock und merkte fast selbstironisch im Namen seiner Kammer an: „Dass jemand vor uns Respekt hat, erwarten wir ja schon gar nicht mehr.“ Aber zumindest dem Gerichtsverfahren selbst müsse der notwendige Respekt entgegengebracht werden.

Dennoch wurde dem Antrag von Kachelmanns Anwalt Johann Schwenn nur teilweise stattgegeben, die Öffentlichkeit bei der Vernehmung von Viola S. zuzulassen. Schwenn hatte argumentiert, Viola S. habe durch die lukrative Titelgeschichte ihr Recht auf Persönlichkeitsschutz verspielt. Das Gericht schlug dennoch vor, die Zeugenbefragung zu splitten und nur deren „Medienstrategie“, wie Staatsanwalt Lars Torben Oltrogge den Selbstverkauf von Viola S. nannte, öffentlich auszuforschen.

Flugtickets lösten wohl verhängnisvollen Streit aus

Das war insofern bedauerlich, als die Hamburgerin als jene Frau gilt, deren Name auf den berühmten Flugtickets stand. Die Tickets sollen den Streit zwischen Claudia D. und Jörg Kachelmann ausgelöst haben, an dessen Ende die angebliche Vergewaltigung der Ex-Freundin stand.

Durch die Tickets wurde in der 38-Jährigen angeblich der Verdacht geweckt, außer ihr gebe es noch eine weitere Frau im Leben von Kachelmann, mit der er sogar nach Kanada gereist war. Bis heute ist unklar, wie die Schwetzinger Radiomoderatorin überhaupt an die Kopien der Flugscheine geraten war. Einen angeblich anonymen Brief, der die Tickets mit dem Vermerk „Er schläft mit ihr“ enthalten haben soll, hatte sich Claudia D. selbst geschrieben.

Dass sich das Gericht dennoch zum Ausschluss der Zuschauer entschloss, dürfte durchaus im Sinne des Angeklagten gewesen sein: Den gespannten Zuschauern und Journalisten im Saal 1 des Landgerichts wären sonst wohl so manche Details aus Kachelmanns Intim- und Familienleben zu Ohr gekommen, die dieser ungern in den Schlagzeilen wiedergefunden hätte. Es sei schlimm genug, dass die angebliche Hochzeit von Kachelmann mit einer 25-jährigen Psychologiestudentin thematisiert worden sei, kritisierte Kachelmanns Medienanwalt Ralf Höcker.

Ratlosigkeit über vermeintliche Hochzeit

Die vor allem weiblichen Kachelmann-Fans im Landgericht schienen derweil indes durchaus interessiert an der neuesten Entwicklung – aber auch ein wenig ratlos. Die Ausgabe der „Bild“-Zeitung, deren Titel ein Foto der dunkelhaarigen, 25-jährigen Frau aus Leipzig zeigte, ging von Hand zu Hand, allerorten wurde angestrengt darüber beraten, ob die Enthüllung denn nun „gut“ für Kachelmann sei oder nicht.

Sprich, ob sie dazu tauge, sein Image als zu gewalttätigen Übergriffen unfähiger Mensch zu stützen. Dabei ist die angebliche Eheschließung nach wie vor nicht bestätigt. Weder Höcker noch Anwalt Schwenn wollten sich dazu äußern.

Das Thema war allerdings nur deshalb überhaupt in den Fokus von Medien und Öffentlichkeit gerückt, weil Kachelmann neuerdings einen goldenen Ring an der linken Hand trägt. Darauf hatte ihn dann der Vorsitzende Richter Michael Seidling angesprochen, ohne allerdings Auskunft zu bekommen, ob dieser Ring eine Bedeutung habe.

Angebliche Gattin war bei Verhaftung anwesend

Laut Staatsanwaltschaft ist Kachelmann als Angeklagter nicht verpflichtet, Angaben zu seinem Familienstand zu machen. Und die Aussage der, wenn die Gerüchte denn stimmen, frischgebackenen Ehefrau Kachelmanns vor Gericht wäre trotzdem zugelassen. Bei der Gattin soll es sich um die 25-Jährige handeln, die bereits im September in Mannheim vorgeladen gewesen war.

Sie war bei der Verhaftung von Kachelmann am Frankfurter Flughafen anwesend und hatte ihn nach einem längeren Kanada-Aufenthalt wegen der Olympischen Winterspiele abgeholt. Die Polizisten, die Kachelmann aufgelauert hatten, um ihn festzunehmen, berichteten später von ausgesprochen stürmischen Begrüßungsszenen.