Kevin Russell

Böhsem Onkel drohen fünf Jahre Haft

Gegen Skandal-Rocker Kevin Russell ist von der Frankfurter Staatsanwaltschaft Anklage wegen Körperverletzung erhoben woren. Dem gebürtigen Hamburger drohen nun mehrere Jahre Haft.

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Die "Böhsen Onkelz" machen ihrem Namen mal wieder alle Ehre. Dieses Mal geht es um Leadsänger Kevin Russell (46), der vergangenes Silvester unter Drogeneinfluss einen schweren Autounfall mit zwei Schwerverletzten versucht und daraufhin Fahrerflucht begangen hatte. Anhand von DNA-Spuren konnte der Musiker jedoch identifiziert und schließlich gestellt werden. Nun muss er sich wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährung, Unfallflucht und fahrlässiger Körperverletzung vor Gericht verantworten. Zudem wird Russell angelastet, dass er bei der Polizei eine Falschaussage gemacht hatte, indem er eine andere Person als Unfallfahrer beschuldigte. Dies gilt als Vortäuschen einer Straftat. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hatte am Donnerstag Anklage gegen den bärtigen Musiker erhoben.

Der "Böhse Onkel" war am letzten Abend des vergangenen Jahres mit seinem Audi R8 mit 230 Stundenkilometern über die Stadtautobahn der hessischen Metropole gefegt. Zu dem Zeitpunkt war er nach Informationen der Bild mit Schlafmitteln, Methadon und Kokain zugedröhnt. Während seines Geschwindigkeitsrausches hatte er dann den Opel Astra der beiden Freunde Jamal K. (19) und Fadi A. (21) gerammt, das Feuer fing sofort Feuer.

"Der Fahrer trug Verbrennungen, eine Leberblutung, eine Milzruptur sowie eine Verletzung der linken Niere davon", sagte die Staatsanwaltschaft zu dem Fall. Der Beifahrer habe Verbrennungen erlitten, ihm musste eine Hand amputiert werden. "Der Angeschuldigte soll kurz auf das brennende Fahrzeug geschaut und dann zu Fuß die Unfallstelle verlassen haben", erklärte die Anklagebehörde weiter. Unbeteiligte Verkehrsteilnehmer, die zu der Zeit ebenfalls auf der Strecke unterwegs waren, hatten die beiden Unfallopfer aus dem Auto gezogen und zunächst erste Hilfe geleistet, bis die Polizei und die Rettungssanitäter am Unfallort ankamen.

Die Staatsanwaltschaft erklärte dazu, dass Russell erst geflüchtet sei, als bereits Ersthelfer vor Ort waren. "Daher musste er nicht davon ausgehen, dass er die Unfallopfer in einer hilflosen Lage zurücklassen werde." Deshalb sei der Musiker nicht wegen versuchter Tötung durch Unterlassen und unterlassener Hilfeleistung angeklagt. Wegen der besonderen Bedeutung des Falls hat die Staatsanwaltschaft Anklage vor dem Landgericht und nicht vor dem Amtsgericht erhoben.

Sollte es nun zu einer Verurteilung kommen, drohen dem gebürtigen Hamburger bis zu fünf Jahre Haft. Derzeit befindet sich der 46-Jährige auf freiem Fuß, er hatte nach seiner Festnahme am 1. Januar 2010 in einem Luxushotel im Taunus eine Sicherheitsleistung von 50 000 Euro bezahlt. Danach war der Millionär im Falkenstein Grand Kempinski in Königstein abgestiegen. Zu den Vorwürfen wollte er sich bislang noch nicht äußern. Laut "Bild" soll er seine Schuld sogar leugnen. Ein Ermittler sagte dem Blatt jedoch bereits: „Wegen seiner einschlägigen Vorstrafen kassiert er sicher Haft.“

Die Band "Böhse Onkelz" wurde 1980 als Punkgruppe gegründet. Da sie wenig später durch ihre Texte zum Rechtsrock tendierte, wurden die Platten der Jungs vom Markt genommen und verboten. Auch in den darauffolgenden Jahren machten die Sänger durch die Alkohol-und Drogensucht von Kevin Russell oder durch ihre fragliche musikalische Weiterentwicklung mehr negative als positive Schlagzeilen und konnten sich eigentlich nie wieder als anerkannte Band etablieren. 2005 traten sie das letzten Mal gemeinsam auf.