"Dschungelcamp", Tag 5

Das Dschungelcamp zeigt Promis im echten Kampf

Kandidaten wie die ewig verzweifelte Sarah Knappik sind es, die das Dschungelcamp authentisch machen und die Zuschauer reinschalten lassen. Aussteigen ist nur bei großen Einbußen möglich - und so mancher ist doch nur wegen des Geldes da.

Kritiker geißeln das "Dschungelcamp" von RTL scharf. Es sei verwerflich, Aufnahmen anzusehen von Maden essenden, in Kakerlaken badenden Stars, die in Wahrheit nicht mal welche sind. Mit ihrer Empörung befördern die Kritiker ironischerweise nur das Interesse an der TV-Produktion. Spätestens jetzt sollte man also mal reinschalten. Die Sendung hat es schließlich mittlerweile geschafft, ihren ersten "Star" hervorzubringen: Die dauerverzweifelte Sarah Knappik dürfte inzwischen einem weit größeren Publikum bekannt sein als zu ihrer aktiven Promi-Zeit (als Teilnehmerin von "Germany's Next Topmodel" nämlich).

An ihrem Beispiel zeigt sich, was die Faszination Dschungelcamp ausmacht, selbst wenn man weiß, dass das Camp zu weiten Teilen nicht mal im echten Dschungel liegt, sondern auf einer zum Dschungel umdekorierten Farm. Knappiks Ekel, ihr Gejammer und ihre Tränen sind echt. Bereits drei Mal ließen die Zuschauer sie zur "Dschungelprüfung" antreten (am Dienstag musste sie es mit Würgeschlangen aufnehmen). Bereits vor der zweiten Prüfung klagte sie: "Wie sehr müssen die Leute mich draußen hassen, dass sie mich noch mal wählen." Schon seit Tagen jammert die 24-Jährige, sie wolle lieber aussteigen, "bevor ich zusammenbreche".

Sagt das Model und bleibt dann doch im Camp. Aus guten Gründen. Die Verträge, die die Produktionsfirma mit den Teilnehmern geschlossen hat, sind knallhart, wie die "Bild" berichtet: Der Lohn für den Auftritt (je nach Bekanntheitsgrad bis zu 60.000 Euro) wird in Raten ausgezahlt. Wer vorzeitig aussteigt, verzichtet auf bares Geld. Mit anderen Worten: So künstlich Teile des Fernsehdschungels sein mögen, der Kampf mit sich selbst, den die Kandidaten führen, ist echt. Darüber sprechen sie sogar ganz offen, und das macht den nur halb echten Dschungel dann doch authentisch. Bei Sarah Knappik klingt das so: "Ich scheiß aufs Geld, ich scheiß aufs Fernsehen. Ich habe für mich entschieden, dass ich ein anderes Leben haben will. Dass ich vielleicht sogar außerhalb dieser Branche arbeiten will. Ich hab auch nur ein Leben. Und das Leben und die Gesundheit sind das Wichtigste." Eine Einsicht, der noch keine Taten folgen. Mitinsasse Rainer Langhans hat kein Mitleid. "Du kannst mit dieser Tour dein Verhalten nicht länger durchhalten", sagte er. "Sonst wirst du ein armseliger Mensch bleiben."

Am Dienstag sprach Katy Karrenbauer in der Sendung mit Peer Kusmagk über ihre Motivation, ins Camp zu gehen – ihre Privatinsolvenz. "Ich hatte nichts mehr. Und dann war ich im letzten Jahr Hartz-IV- Empfängerin. Und von einer erfolgreichen Schauspielerin bis zum Sozialamt, und jeder kennt dich, dass war ein echter Sturz. Das Camp hier ist jetzt meine Freiheit."

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