"Ich bin ein Star..."

Giulia Siegel flieht aus dem RTL-Dschungelcamp

Um 21.49 Uhr war es soweit. Giulia Siegel rief: "Ich bin ein Star – holt mich hier raus!" Nur 48 Stunden vor dem Finale kapitulierte sie vor Wasserschlangen, Ingrid van Bergen und ihrem eigenen Rücken, der den Belastungen des Urwalds nicht mehr standhielt. Oder war es doch nur die Flucht nach vorn?

Da war sie dann doch noch, die kleine Sensation im australischen Dschungel. Ein kurzer Schrei und dann plötzliche Stille – Giulia Siegel gibt auf. „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“, krähte sie halbherzig in Richtung Urwaldhimmel, dann schnappte sie sich ihren Rucksack, drückte die verbleibenden vier Campinsassen noch einmal mit gespielter Herzlichkeit an ihre Brust – und verlies den Dschungel, matt und gebrochen.

Die Dschungel-Hexe räumt freiwillig den Lagerfeuerplatz, verzichtet auf die Krone und kehrt vorzeitig in ihr bürgerliches Leben zurück - was war da geschehen? Nicht mehr als in den Tagen zuvor auch: Es gab wieder eine Dschungelprüfung, ein paar Diskussionen um Gruppenzusammenhalt und das tägliche Essen, eine Schatzsuche mit Limonade zur Belohnung.

Anders als in den Tagen zuvor traten die Camper gemeinsam zu der Prüfung an – und auf eine der zahlreichen Kapricen von Fräulein Giulia hatte RTL sogar Rücksicht genommen: Statt mit einer Liane über einen Tümpel zu schwingen, mussten sie und Ingrid nur darin baden. Wobei man das „nur“ in diesem Fall doch stark relativieren sollte: Immerhin hatten die Campaufseher Giulias Wasser-, Schlangen- und Ingrid-Phobie dabei gnadenlos übersehen.


So sahen die Zuschauer das lustige Bild einer taffen älteren Dame, die dem „Mädchen“ mütterlich die Hand entgegenstreckt, obwohl sie die Göre im Grunde am liebsten kräftig tunken würde. Eine Demütigung sondergleichen für die Diva Giulia, die nur noch dadurch gesteigert wurde, dass sie Wassereimer mit Gundis durch den Wald tragen und umfüllen musste, um an den Schlüssel für die Schatztruhe zu gelangen. Ein Spiel, das der Blondine so lange Spaß machte, bis die clevere Gundis mit ihren grazilen Fingern den Schlüssel aus der Röhre fischte. Oder um es in Giulias Version zu erzählen: Bis die unerträglichen Rückenschmerzen einsetzten. Die Schmerzen, die sie zum Aufgeben zwangen.

Nun sollte man nicht darüber spekulieren, wie sehr das Schlagerstartöchterchen litt und leidet, ob sie gut spielt oder schlecht überspielt, ob man die Geschichte für ein Drama oder eine Komödie halten soll. Offen bleibt letztlich immer die Frage: Warum reist eine dreifache Mutter mit Rückenproblemen in den australischen Urwald, wo sie sich mit ekligen Kriechtieren in einen Glaskasten sperren lässt, älteren Damen das Essen neidet und schließlich ohne eine Trophäe aufgibt?

Ist es der therapeutische Ansporn die eigenen Ängste zu überwinden? Ruhm und Ehre? Chronischer Geldmangel? Auch das bleibt alles im Bereich der Spekulation. Sicher ist: Keines dieser Ziele hat Giulia erreicht. Sie bleibt – wenn denn überhaupt etwas bleibt von dieser Show – als neurotische Zicke in Erinnerung, die mit fast jedem der Campkollegen in Streit geriet. Als gnadenlose Egoistin, die anderen Menschen jeden Vorteil neidet, die sich selbst bei der Aufteilung einer Banane noch benachteiligt fühlt. Als heuchlerische Mimose, die ihre angeblichen Phobien gern zum Vorteil ausspielt, sie in anderen Situationen aber auch wieder schnell vergisst.

So war es am Ende vielleicht mehr die Flucht nach vorn, die Giulia Siegel so schnell ihre Klamotten packen lies. Nur wenige Stunden später wären die Zuschauer an der Reihe gewesen, über ihre Zukunft zu entscheiden. Nur ein paar Stimmen entschieden bereits am Tag zuvor über ihre Rettung – wahrscheinlich wären auch diese Unterstützer ihren ewigen Kleinkrieg mit Ingrid nun leid gewesen. Rausfliehen statt rausfliegen lautete also das Motto der selbsternannten Teamplayerin – ob sie damit das Bild, was von ihr bleibt, in irgendeiner Weise retten kann, ist zweifelhaft. Wenn denn überhaupt ein Bild von ihr bleiben wird...

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