RTL-Dschungelcamp

Zuschauer wollten Peter Bond quälen, nicht wählen

Zum Quälen riefen die Zuschauer für ihn an, zum Unterstützen dann aber nicht mehr: Peter Bond musste als zweiter Kandidat das Dschungelcamp verlassen. Der Glücksradveteran nahm es mit gewohnter Gelassenheit, während sich beim Rest der Truppe langsam die Unsicherheit ausbreitet.

Und er dachte, es sei Liebe: Wieder und wieder schickten die Zuschauer Peter Bond in die Dschungelprüfungen, ließen ihn Fischaugen und Krokodilfüße essen, seinen Kopf in Kakerlaken, Grillen und Federn tunken. Doch jetzt, wo es darum ging dem Mann Sympathie auszudrücken, ihm noch ein paar zusätzliche Tage im Dschungel zu finanzieren, war das wohl kaum einem noch die 50-Cent-Spende wert. Das Glücksrad hat sich ausgedreht für den erfolglosen Bond, als Zweiter musste er gestern das Dschungelcamp verlassen.

Dabei hatte er sich doch immer so artig bei den Zuschauern bedankt. „Geile Challenge“, verkündete er stets noch mit dem Mund voll Modder, „ich liebe euch!“ Nun aber musste der häufig ach so coole Cowboy einsehen, dass diese Liebe einseitig war, er nur benutzt wurde. Zu schön war seine Maske der Lässigkeit, wenn er genüsslich auf einem Schwarm Kakerlaken herumkaute – die wollte man ihm wohl irgendwie entreißen, durch immer und immer neue Prüfungen.


Die aber hätten nun wohl nicht mehr für ihn angestanden. Denn von jetzt an wählen die Kandidaten selbst, wen sie zum Sterneholen schicken – ein erfolgloser Sammler wie Peter Bond wäre für die hungrige Meute wohl nicht in Frage gekommen.



Da musste stattdessen der schüchterne Norbert ran, stille Urwaldtümpel sind bekanntlich tief. Etwas nervös, aber doch mit gutem Willem hüpfte der von Telefonzelle zu Telefonzelle, um sich von ehemaligen Dschungelcampern Quizfragen stellen zu lassen, während ihm das Wasser schon fast bis zum Hals stand: Wie heißen die Ureinwohner von Australien? Wie heißt die künftige First Lady der USA? Welches Tier kann ohne Kopf überleben?

Norbert schlug sich wacker, musste einzig beim Rechnen, Buchstabieren und Außenministerraten passen – so eine Truppe von wuseligen Kakerlaken kann einem aber auch wirklich jede Konzentration rauben. Fünf Sterne gab’s am Ende, versüßt durch den putzigen Anblick eines eingesauten Kandidaten, der mit rutschender Hose ins Camp zurück trottete.


Dort hieß es derweil: Auffallen um jeden Preis, schließlich wollte niemand dem stillen Michael zurück in die Zivilisation folgen. Dafür putzt Giulia Siegel auch schon mal eine völlig verdreckte Toilette und nennt es später „eine gute Erfahrung“, Gundis stürzt sich mit Schwamm auf den nicht minder verdreckten Norbert und spricht von etwas „ganz Intimem, ganz Intensivem – ich fand das wahnsinnig schön.“


Sehr unterhaltsam dagegen die dritte Waschtag-Einlage des Tages, aufgeführt von Mausi Lugner und Günther Kaufmann. Um aus einem Stück Seife einen Schlüssel zu befreien, machten die beiden es sich in einer Badewanne bequem – eine Schaumparty der anderen Art: „Hast du Platz mein Täubchen?“, erkundigte sich Günther, dem die Aufgabe sichtlich gefiel.


Was bei Nico, Peter Bond oder selbst Norbert extrem anzüglich gewirkt hätte, machte beim „Balu“ des Dschungelcamps einfach nur einen gemütlichen Eindruck. „Ich saß mit der Lugnerin in der Badewanne, meine Damen und Herren“, verkündete der frischgewaschene Bayer am Ende stolz, das hätte er sich nun wirklich nicht träumen lassen. Wir auch nicht. Vor allem nicht, dass es Spaß macht, dabei zuzuschauen.

Die neuesten Abgründe, die sich im Dschungel-Camp auftun, kommentiert täglich an dieser Stelle unsere Autorin Maike Jansen. Auch wenn ihre Ekelschwelle zweifellos niedriger liegt als bei jedem der dort einquartierten C- und D-Promis, versicherte sie der Redaktion, sämtliche Madenattacken auf Ingrid van Bergen mit zu erleiden und selbst dann weiterzuschreiben, wenn Giulia Siegel Känguru-Hoden verzehren sollte. Auf sämtliche möglichen Ansprüche auf Schmerzensgeld sowie die Erstattung eventuell anfallender Folgekosten für eine psychologische Nachbehandlung verzichtete sie vorab schriftlich.

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